Zungenschrittmacher bei Schlafapnoe

Einem Betroffenen von obstruktiver Schlafapnoe wurde erstmals ein Zungenschrittmacher implantiert. Er sorgt dafür, dass die Atemwege im Schlaf offen bleiben. Wie das funktioniert.

Mann schläft © iStock
(Würzburg – 22.02.2019) An der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg wurde einem ersten Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe ein Zungenschrittmacher implantiert. Mit elektrischen Impulsen sorgt das System dafür, dass die Atemwege während des Schlafs offen bleiben.

Die Schlafkrankheit Schlafapnoe und ihre Standardtherapie

Rund 3,7 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter obstruktiver Schlafapnoe. „Bei diesem Syndrom erschlafft die Zungenmuskulatur und das umliegende Gewebe während des Schlafes“, sagt Prof. Dr. Rudolf Hagen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des Uniklinikums Würzburg. „Dabei werden die oberen Atemwege verschlossen und die Atmung setzt aus. Der daraus folgende Sauerstoffmangel führt unter anderem zu häufigen Aufwachreaktionen während der Nacht.“  

Als Standardtherapie können die Betroffenen eine spezielle Maske tragen, die ihnen im Schlaf kontinuierlich Umgebungsluft mit einem leichten Überdruck zuführt. Das Verfahren heißt CPAP, vom englischen „Continuous Positive Airway Pressure“. Der Überdruck stabilisiert das im Schlaf entspannte Gewebe im Nasen- und Rachenraum und hält ihn offen.

Zungenschrittmacher als Alternative zur Therapie mit Maske

„Obwohl die CPAP-Masken in diversen Varianten zur Verfügung stehen, gibt es eine beträchtliche Anzahl von Patienten, die diese Therapie aus unterschiedlichen Gründen nicht tolerieren können oder wollen", sagt Dr. Philipp Schendzielorz, Leiter des Schlaflabors des Uniklinikums Würzburg. Für diese Zielgruppe gibt es seit kurzem am Uniklinikum Würzburg eine weitere Behandlungsoption: ein Zungenschrittmacher. Im Dezember 2018 wurde dem ersten Patienten in der HNO-Klinik erfolgreich das innovative Gerätesystem implantiert. Der eineinhalbstündige mikrochirurgische Eingriff bei dem 62-jährigen Mann verlief ohne Komplikationen.

Wie ein Zungenschrittmacher funktioniert

Der Zungenschrittmacher besteht aus drei funktionalen Elementen, die miteinander durch Leitungen verbundenen sind und alle nach der Implantation unter der Haut getragen werden. Ein Sensor am Brustkorb erkennt den Atemrhythmus des Patienten und gibt diesen an einen Neurostimulator mit integriertem Generator weiter. Dieses Modul verarbeitet die Atemsignale und sendet im passenden Takt elektrische Impulse an eine Stimulationselektrode, die auf dem Unterzungen-Nerv (Hypoglossus-Nerv) platziert wurde. Die leichte elektrische Anregung des Nervs aktiviert die Zungenmuskulatur, sodass die Zunge nicht mehr zurückfällt.

Elektrische Impulse im Atemrhythmus

Wenn der Patient zu Bett geht, schaltet er das System mit einer Fernbedienung ein und am Morgen nach dem Erwachen wieder aus. Über die Fernbedienung lässt sich außerdem die Stärke der Stimulation vom Patienten selbst regulieren.

„Bei unserem Pilotpatienten konnten wir bei einer intraoperativen Stimulation sehr gut dokumentieren, dass der Atemweg durch die Zungenbewegung nach vorne schön erweitert wird", sagt Prof. Dr. Hagen. Nach einer Einheilungs- und Eingewöhnungsphase ist eine ärztliche Feineinstellung des Systems erforderlich.

Laut Hersteller nehmen die Patienten die Stimulation in der Regel nur gering oder gar nicht wahr. Für gewöhnlich fühlen sie ein leichtes Kribbeln oder eine leichte Kontraktion der Zungenmuskulatur. Die Batterie des Generators hält normalerweise acht bis elf Jahre und muss dann mit einer kurzen Operation ausgetauscht werden.

Bessere Lebensqualität, reduzierte Gesundheitsgefahren

„Der Zungenschrittmacher ist eine geprüfte und sichere Behandlungsoption“, sagt Dr. Schendzielorz. Denn die Implantatträger profitieren nicht nur von einer nachhaltigen Reduktion der nächtlichen Atemaussetzer, sondern auch von einer dauerhaft verbesserten Lebensqualität sowie letztlich auch von einer höheren Lebenserwartung. „Bei unbehandelter Schlafapnoe besteht ein stark erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko. Außerdem wächst bei einer verstärkten Tagesmüdigkeit die Gefahr eines Sekundenschlafs am Steuer“, so der Experte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.02.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Würzburg vom 21.12.2018: Zungenschrittmacher als weitere Therapieoption bei obstruktiver Schlafapnoe