Irisdiagnostik: medizinisch wertlos

Anhand der Iris Krankheiten erkennen und vorhersagen. Das verspricht das alternative Diagnoseverfahren Iridologie. Medizinisch gesehen, ist sie sinnlos.

Nahaufnahme Gesicht © iStock
(Berlin – 22.10.2018) Organschwächen, Rheuma oder Stoffwechselprobleme: Die Iridologie, die zu den alternativen Diagnoseverfahren gehört, behauptet anhand der Regenbogenhaut des Auges Erkrankungen zu erkennen und vorherzusagen. Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist das unhaltbar und die Deutung von Farbe, Flecken oder Furchen an der Iris für Diagnosezwecke ungeeignet. Das sagen Augenärzte im Vorfeld des 116. Kongresses der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft auf einer Pressekonferenz. Allerdings kann in manchen Fällen eine Veränderung der Regenbogenhaut wirklich auf Krankheiten hinweisen.

Wann die Iris tatsächlich auf Krankheiten hindeutet

Einige krankhafte Veränderungen der Regenbogenhaut können tatsächlich auf Systemerkrankungen des Körpers hindeuten. „Das angeborene Fehlen der Iris etwa kann auf einen Nierentumor hinweisen, Knötchen an der Iris auf eine Trisometrie 21, die Tumorerkrankung Neurofibromatose oder die entzündliche Gewebserkrankung Sarkoidose“, sagt Professor Dr. med. Nicole Eter, Präsidentin der DOG und Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster. Zudem können sich bösartige Tumoren der Lunge oder der Brustdrüse an der Iris absiedeln.

Die Thesen der Iridologie: In keinem Fall bestätigt

Änderungen der Struktur in Form von Furchen, Streifen, Farbe oder Flecken hingegen besitzen keine medizinische Aussagekraft. Davon geht die Iridologie jedoch aus. „Eine Fehlannahme“, sagt Professor Dr. med. Martin Rohrbach von der Universitäts-Augenklinik Tübingen: „Bis heute gibt es für die Irisdiagnostik keine anatomische oder physiologische Evidenz“. Sie ist medizinisch sinnlos. Bei den Irisflecken handle es sich um harmlose Ansammlungen von Pigmentzellen: „Die bräunlichen Punkte hat fast jeder im Auge“.

Dementsprechend konnten die Thesen der Iridologie noch in keinem Fall wissenschaftlich bestätigt werden. „Egal, ob es sich um Karzinome des Magen-Darm-Traktes handelte oder Gallenblasenleiden: Die Irisdiagnostik kam über die reine Ratewahrscheinlichkeit nicht hinaus“, sagt Rohrbach. Bücher aus dem Jahr 1954, die von Anhängern der Iridologie zur Begründung ihrer Verfahren herangezogen werden, entsprechen außerdem in keinster Weise den heutigen Standards.

Ursprung und Prinzip der Iridologie

Die neue Iridologie geht auf Ignaz von Péczely (1826 bis 1911) zurück, der als Kind bei der Abwehr einer Eule dieser ein Bein brach und danach im Auge des Vogels einen „Balken“ erkannte. Er schloss daraus, dass körperliche Veränderungen an der Regenbogenhaut sichtbar werden können.

In der Folge entwickelten Iridologen, die weit überwiegend als Heilpraktiker tätig sind, die Anschauung, dass der gesamte Körper mit der Iris nerval verbunden ist. Alle Teile des menschlichen Körpers sind – so sind Iridologen überzeugt – in Form von Organfeldern in der Iris repräsentiert. Die rechte Körperhälte in der rechten Iris, die linke in der linken Iris, die obere Körperhälfte in den oberen und die untere in den unteren Iris-Hälften. An Änderungen der Struktur können zurückliegende, aktuelle und künftige Erkrankungen abgelesen werden. Derzeit sind in Deutschland etwa 45.000 Heilpraktiker tätig, davon sind etwa 5.000 bis 8.000 iridologisch tätig.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.10.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft vom 18.09.2018: Wissenschaftlich geprüft - Irisdiagnostik ist medizinisch sinnlos