Endlich wieder satt

Der pflanzliche Wirkstoff Celastrol reaktiviert das Sättigungsgefühl, das bei adipösen Personen nicht mehr funktioniert. Wie er wirkt und ob er gegen krankhafte Fettleibigkeit und Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes helfen kann.

Freundinnen essen Pizza © iStock
(München – 01.10.2018) Der pflanzliche Wirkstoff Celastrol zeigt vielversprechende Ergebnisse bei der Gewichtsreduktion. Das berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), im amerikanischen Fachmagazin Diabetes. Wenn sich seine Wirkung auch in klinischen Studien bestätigt, könnte er zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht eingesetzt werden.

Adipositas: Konservative Gewichtsreduktion ist selten erfolgreich

Mindestens fünf bis zehn Prozent weniger Gewicht im Jahr. Das empfiehlt die Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“ für Menschen mit krankhaftem Übergewicht – je nach Body-Mass-Index. Trotz zahlreicher Diät- und Lifestyle-Angebote erreichen nur wenige dieses Ziel. „Dabei wäre das Unterschreiten dieser magischen Grenze so wichtig, führt es doch zu einer Verbesserung des Stoffwechsels und metabolischen Begleiterkrankungen wie beispielsweise Typ-2-Diabetes.“, sagt Dr. Paul Pfluger, Mitautor und Leiter der aktuellen Studie.

Im Mausmodell: Gewichtsverlust und Verbesserung des Diabetes

Wissenschaftler der Abteilung Neurobiologie des Diabetes am Helmholtz Zentrum München konnten zeigen, dass Celastrol zu einem deutlichen Gewichtsverlust und zu einer Verbesserung des Diabetes bei fettleibigen Mäusen führt. Das könnte einen Beitrag zur Entwicklung neuer Anti-Adipositas-Medikamente leisten.

Celastrol reaktiviert das Sättigungsgefühl

Celastrol aktiviert spezifische Sättigungszentren im Gehirn, die bei der Steuerung des Körpergewichtes eine zentrale Rolle spielen. „Celastrol reaktiviert die körpereigenen Mechanismen zur Gewichtssteuerung, die bei Fettleibigkeit sonst aussetzen. Normalerweise verlieren die Betroffenen ihr Sättigungsgefühl, da das entsprechende Hormon Leptin nicht mehr wirkt. Der von uns untersuchte Wirkstoff Celastrol stellt die Leptin-Sensitivität und damit die Sättigung wieder her“, sagt Katrin Pfuhlmann, Erstautorin der Studie.

Tatsächlich beobachteten die Forscher ein deutlich verändertes Essverhalten bei den übergewichtigen Tieren. „Die Gabe von Celastrol führte im Mausmodell zu einer deutlich geringeren Nahrungsaufnahme“, sagt Dr. Pfluger. „Entsprechend konnten wir binnen einer Woche einen durchschnittlichen Verlust von rund zehn Prozent Körpergewicht feststellen.“

Der Wirkstoff Celastrol entstammt der Wilfords Dreiflügelfrucht, einem Vertreter der Spindelbaumgewächse aus Südchina. Bisher fiel die Substanz vor allem durch antientzündliche Wirkung auf.

„Celastrol hat also großes Potential“

Inwiefern sich die Befunde auch beim Menschen bestätigen lassen, ist noch unklar. Dr. Pfluger ist aber zuversichtlich: „Das Sättigungshormon Leptin wirkt im Menschen und der Maus nahezu identisch, Celastrol hat also großes Potential.“ Die zum Abnehmen notwendige Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände wird Celastrol zwar nicht ersetzen, aber es kann Betroffene bei einer nachhaltigen Gewichtsabnahme unterstützen. „Derzeit laufen in den USA klinische Studien dazu, auf erste Daten daraus sind wir sehr gespannt.”

Hintergrundinformation: das Sättigungshormon Leptin

Leptin ist ein vom Fettgewebe gebildetes Hormon, das, wenn seine Rezeptoren aktiviert werden, im Gehirn ein Sättigungsgefühl auslöst. In adipösen Mäusen und Menschen ist Leptin zwar in hoher Konzentration im Blut vorhanden, kann aber die Rezeptoren, aufgrund einer Resistenz, nicht aktivieren. Letztendlich führt dies zur fehlenden Kontrolle der Nahrungsaufnahme. Mögliche Folgen: Adipositas und Typ-2-Diabetes.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.10.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München vom 31.08.2018: Wider dem ständigen Hunger