Essen aktiviert „gutes“ Fett

Braunes Fett verbraucht Energie. Aktiviert wird es durch Kälte und – das haben Wissenschaftler nun herausgefunden – Essen. Zur Prävention von Übergewicht und Diabetes könnte es eine wichtige Rolle spielen.

Frau isst Pasta © iStock
(München – 24.09.2018) Braunes Fettgewebe ist eine spezielle Form des Fettgewebes. Es ist derzeit Gegenstand zahlreicher Studien, denn es hat die genau gegenteilige Funktion des weißen Fettgewebes, das Energie in Form von Speicherfetten, den sogenannten Triacylglyceriden, vorhält. Braunes Fett hingegen verbrennt die Energie der Triacylglyceride, wodurch Wärme entsteht (Thermogenese).

Zu- und Abnahme von braunem Fettgewebe

Die Aktivität des physiologisch besonders günstigen Fettgewebes ändert sich: Sie nimmt mit dem Alter ab, genauso wie bei Adipösen und Diabetikern. Es wird deshalb nach Möglichkeiten gesucht, die Thermogenese durch Braunes Fett anzufeuern und zur Prävention von Adipositas und Diabetes zu nutzen.

Braunes Fettgewebe lässt sich allerdings auch trainieren. Bekannt war in diesem Zusammenhang bisher nur eine Option: Kälteinduzierte Thermogenese. „In Studien zeigte sich, dass bei den Probanden, die täglich Stunden in der Kältekammer verbrachten, im Laufe der Kälteanpassung nicht nur die Heizleistung des Braunen Fetts in Kälte gesteigert wurde, sondern sich auch die Kontrolle des Blutzuckers durch Insulin verbesserte.“, sagt Professor Martin Klingenspor, Leiter des Lehrstuhls für Molekulare Ernährungsmedizin des Else Kröner-Fresenius Zentrums an der TU München.

Kohlehydratreiche Mahlzeit: so wirksam wie Kälte

Für die aktuelle Studie der University of Turku, an der auch die TU München mitwirkt, wurde untersucht, wie sich eine kohlenhydratreiche Mahlzeit auf die Aktivität des Braunen Fettgewebes auswirkt. „Dabei konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass die Wärmebildung im Braunen Fettgewebe durch eine Testmahlzeit genauso aktiviert wird wie durch die Kälteexposition.“, sagt Professor Martin Klingenspor.

Für die Studie wurden dieselben Probanden zweimal untersucht: Einmal nachdem sie Kälte ausgesetzt wurden und ein zweites Mal nach dem sie eine kohlenhydratreichen Mahlzeit gegessen hatten. Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe. Vorher und danach wurden wichtige Marker für die Thermogenese gemessen, darunter Glukose- und Fettsäureaufnahme und der Sauerstoffverbrauch im Braunen Fett.

Teilweise ungeklärt: die Funktion der freigesetzten Energie

„Zehn Prozent der pro Tag aufgenommenen Energie verpuffen durch die thermogene Wirkung der Nahrung.“, sagt Prof. Martin Klingenspor. Das beruht zum einen auf der Wärmebildung im Darm, die durch Verdauungsprozesse entsteht. Zum anderen gibt es offenbar einen fakultativen – also einen möglichen, aber nicht zwingenden – Anteil, zu dem das Braune Fett einen Beitrag leistet.

Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, ob es sich bei dem fakultativen Anteil um Energie handelt, die „verpufft“ oder ob dieses Phänomen eine andere Funktion hat. „Wir wissen mittlerweile, dass die Aktivierung des Braunen Fettgewebes mit einem Sättigungsgefühl verbunden sein könnte.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.09.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 29.08.2018: Essen aktiviert braunes Fett