HPV fördert weißen Hautkrebs

Forscher konnten zeigen, dass humane Papillomaviren (HPV) weißen Hautkrebs fördern. Besonders gefährdet sind Empfänger von Spenderorganen.

Forscher schaut durch ein Mikroskop © iStock
(Heidelberg – 07.12.2017) Jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens mit hauttypischen (kutanen) humanen Papillomaviren (HPV) – normalerweise bereits im frühen Kindesalter. Bei Gesunden kann das Immunsystem die Viren abwehren, was sich jedoch im Alter oft ändert. Besonders gefährdet sind Empfänger von Spenderorganen, deren Immunsystem langfristig mit Medikamenten unterdrückt wird, um die Abstoßung der Transplantate zu verhindern. Diese Patienten haben ein bis zu 250-fach erhöhtes Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken.

Studie mit Mäusen

UV-Strahlen sind seit langem als Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs bekannt. Darüber hinaus vermuten Forscher seit Längerem, dass bestimmte Typen der humanen Papillomaviren (HPV) die Krebsentstehung zusätzlich fördern. Dafür gab es aber bislang nur unzureichende Hinweise. Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) konnten unter Leitung von Frank Rösl diesen Nachweis nun erbringen. Dabei half ihnen eine bestimmte Art von Mäusen, die sich – wie auch der Mensch – in der Regel bereits kurz nach der Geburt mit Papillomaviren infiziert. Das Forscherteam verglich nun die virusinfizierten Tiere mit Artgenossen, die völlig frei von Viren aufgezogen wurden. Sie bestrahlten die Tiere mit einer UV-Strahlendosis, wie sie während eines Urlaubs in mediterranen Breiten zu erwarten wäre. Daraufhin entwickelten nur virusinfizierte Tiere weißen Hautkrebs (Plattenepithelkarzinome), nicht aber die virusfreien Kontrolltiere.

Zwei Gruppen von Tumoren

Die Forscher erkannten, dass eine Gruppe der Tumoren verhornt war, die andere nicht. Die verhornten Tumoren enthielten große Mengen Viren, wie man sie auch bei Krebsvorstufen – der sogenannten Aktinischen Keratose – beim Menschen findet. Hier wachsen Zellen der oberen Schichten der Haut bereits übermäßig, erinnern aber noch an den ursprünglichen Aufbau der Haut. Die Forscher zeigten, dass die Viren die Stabilität des Erbguts ihrer Wirtszelle beeinträchtigen und dadurch die Anhäufung von UV-Schäden fördern.

Die zweite Gruppe von Tumoren enthielt gar kein Virus, wie dies auch bei fortgeschrittenen Karzinomen in Patienten der Fall ist. Jedoch belegten auch in diesen Fällen Antikörper im Blut der Tiere eine vorangegangene Virusinfektion. Diese Tumore hatten auffällig oft Mutationen im für die Zelle besonders wichtigen Gen p53, das als „Wächter des Genoms“ gilt. Dies ist auch bei einem Großteil der Plattenepithelkarzinome beim Menschen defekt, was die Zellen ungehindert wachsen lässt. „Das ist der erste direkte Beleg für den tumorfördernden Einfluss von kutanen Papillomaviren in einem natürlichen System, das große Ähnlichkeit mit der Situation von Patienten aufweist“, erklärt Rösl.

Impfstoffe für Transplantationspatienten?

Das unkontrollierte Wachstum der Zellen lässt den Tumor weiter entarten. Dies wiederum verhindert, dass sich die Viren, die nun für das Tumorwachstum überflüssig geworden sind, weiter vermehren können. Der Verlust der Viren in fortgeschrittenen Karzinomen war bisher ein Hauptargument gegen die Beteiligung der kutanen Papillomaviren an der Krebsentstehung. „Wir zeigen hier zum ersten Mal, dass die Virusmenge mit der Differenzierung des Tumors zusammenhängt. Dieser Zusammenhang wurde in früheren Studien an Biopsien von Patienten nie eingehend untersucht“, sagt Daniel Hasche, Erstautor der Studie. Das soll nun nachgeholt werden. „Diese Erkenntnisse sind ein wichtiges Argument dafür, dass auch Impfstoffe gegen kutane Papillomaviren entwickelt werden sollten. Das ist besonders für Empfänger von Organtransplantaten von Bedeutung, die besonders häufig an weißem Hautkrebs erkranken“, so Rösl.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.12.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums: Auf frischer Tat ertappt: Papillomviren fördern weißen Hautkrebs
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