Wie wir seekrank werden

Was führt dazu, dass wir unter der Bewegungskrankheit – auch Seekrankheit genannt – leiden? Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts untersucht.

Segelschiff © iStock
(Tübingen – 03.05.2017) Viele von uns kennen das Phänomen: Man sitzt im Zug und hat das Gefühl, der Zug fährt ab, obwohl sich lediglich der Zug auf dem Nachbargleis bewegt. Als stationäre Beobachter können uns Bewegungen in unserer visuellen Umgebung ein glaubwürdiges Gefühl vermitteln, dass wir uns selbst bewegen. Viele Fahrzeugsimulatoren und Umgebungen in virtuellen Realitäten machen sich dieses Phänomen zunutze. Wird man einer visuell induzierten Selbstbewegung jedoch zu lange ausgesetzt, kann das die sogenannte Bewegungskrankheit auslösen. Die Folgen: Schwindel, Desorientierung und Übelkeit. Obwohl das ein sehr altes Problem ist, gibt es unterschiedliche Theorien über mögliche Ursachen und Behandlungsmethoden. Das Forscherteam des  Max-Planck-Instituts (MPI) für biologische Kybernetik hat in Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz drei verschiedene Theorien getestet.

Je größer die Intensität der Bewegungsillusion, desto stärker die Übelkeit

Versuchspersonen im panoramischen Labor des MPI beobachteten mehrmals eine Szene, die sich – ähnlich wie in einem Karussell – um sie herum bewegte. Die experimentellen Bedingungen wurden dabei jeweils verändert. Während des 20-minütigen Versuchs maßen die Forscher das Ausmaß der Bewegungskrankheit, die Intensität der Bewegungsillusion und die Kopf- und Augenbewegungen der Probanden.

Die Resultate zeigen deutlich: Die Intensität der Bewegungsillusion ist unter all diesen Faktoren der wichtigste – je intensiver die Bewegungsillusion, desto übler wurde es den Versuchspersonen. Das ist die erste Studie, die diesen Effekt so klar nachweist, da die Intensität der Bewegungsillusion jedes Mal variiert wurde, um die unterschiedlichen Auswirkungen bei der jeweils gleichen Versuchsperson miteinander vergleichen zu können.

Die Illusion, dass wir uns selbst bewegen, ist ausschlaggebend

Die Illusion einer Selbstbewegung und nicht eine bewegte Szene an sich ist daher eine Grundvoraussetzung für die visuell induzierte Bewegungskrankheit. Zudem fanden die Forscher heraus, dass sie sogar durch Bewegungsillusionen mit konstanter Geschwindigkeit und nicht nur während Beschleunigungsprozessen ausgelöst werden kann.  

Die neuen Erkenntnisse erfordern eine Überarbeitung der sogenannten sensorischen Konflikttheorie – einer der weitverbreitetsten Theorien zur Bewegungskrankheit –, da sie ihr in den genannten Punkten widersprechen. Derzeit wird die Möglichkeit getestet, dass die Bewegungskrankheit weniger durch einen Konflikt zwischen den Sinnen verursacht wird, sondern vielmehr durch einen Konflikt zwischen dem, was wir als bewegt wahrnehmen (uns selbst), und dem Stationären (Umgebung).
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.05.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik: Das Vorgaukeln von Bewegung: warum wir seekrank werden
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