Macht Salz uns durstig?

Salziges Essen macht uns durstig – nahm man zumindest bisher an. Doch das Gegenteil ist der Fall, fand jetzt ein internationales Forscherteam heraus.

Grobes Salz © iStock
(Berlin – 19.04.2017) Wer Salziges isst, muss mehr trinken – diese Binsenweisheit ist nun widerlegt. Zwei neue Studien zeigen genau das Gegenteil. Als „Kosmonauten“ auf einer simulierten Mission zum Mars mehr Salz zu essen bekamen, erzeugten sie daraufhin mehr Wasser im Körper, tranken weniger und benötigten mehr Energie.

Salz stimuliert die Urinproduktion – aber nicht durch mehr Flüssigkeit

Wie Salz im Essen das Trinkverhalten beeinflusst, wurde nie in einer Langzeitstudie überprüft. Bekannt war bisher lediglich, dass mehr Salz in der Nahrung die Produktion von Urin stimuliert. Diese zusätzliche Flüssigkeit stammt aus Getränken – so die bisherige These.

Das stimmt nicht, sagt nun ein Forschungsteam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), der Vanderbilt University und weiteren internationalen Kollegen. Sie überprüften die alte Weisheit während einer simulierten Marsmission.

Strenge Kontrolle von Ernährung, Wasser- und Salzzufuhr

Die Simulation einer Marsmission war für die Forscher interessant, weil sie so Ernährung, Wasser- und Salzaufnahme streng kontrollieren und messen konnten. Dr. Natalia Rakova und ihr Team von der Charité und dem MDC führten zwei unabhängige Studien an zehn männlichen Freiwilligen durch. Die Probanden waren über einen Zeitraum von entweder 105 oder 205 Tagen in einer Raumschiffattrappe eingeschlossen. Alle Teilnehmer hatten absolut identische Speisepläne. Im Laufe der Wochen veränderte das Forschungsteam dann stufenweise den Salzgehalt in der Nahrung.

Salziges löst Wassersparmechanismus aus

Das Experiment bestätigt: Kurzfristig verstärkt Salz den Durst. Mehr Salz im Essen führt auch zu einer höheren Salzkonzentration im Harn und einer höheren Gesamtmenge Urin – das war für die Forscher nicht überraschend. Doch die größere Menge Flüssigkeit stammte nicht aus Getränken. Die Probanden tranken sogar insgesamt weniger, wenn sie mehr Salz zu sich nahmen. Das Salz löste in den Nieren einen Wassersparmechanismus aus.

Bisher galt, dass die Natrium- und Chlorid-Ionen, aus denen Salz besteht, an Wassermoleküle binden und diese in den Harn ziehen. Stattdessen zeigten die neuen Ergebnisse, dass das Salz im Harn bleibt, während das Wasser in Niere und Körper zurücktransportiert wird. Das überraschte das Team um Jens Titze, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und am Vanderbilt University Medical Center: „Was könnte die Kraft sein, die das Wasser zurück in den Körper treibt?“

Versuche an Mäusen zeigten dann, dass die Substanz Harnstoff (Urea) daran beteiligt sein könnte. Mithilfe von Harnstoff entsorgen Muskeln und Leber Stickstoff. In der Niere der Mäuse sammelte sich Harnstoff, dort wirkte es der wasserbindenden Kraft von Natrium und Chlorid entgegen. Doch die Synthese von Harnstoff kostet viel Energie. Mäuse, denen salzigere Nahrung verabreicht wurde, hatten größeren Hunger, tranken aber nicht mehr. Auch die menschlichen „Kosmonauten“, die salziges Essen bekamen, klagten über Hunger.

Harnstoff: mehr als ein Abfallprodukt

Die neuen Erkenntnisse lassen die Rolle des Harnstoffs in neuem Licht erscheinen: „Harnstoff ist nicht nur ein Abfallprodukt, wie wir bisher angenommen hatten“, sagt Prof. Friedrich C. Luft von der Charité und dem MDC. „Stattdessen erweist er sich als ein sehr wichtiger Osmolyt – das ist eine Verbindung, die Wasser an sich bindet und so hilft, es zu transportieren. Harnstoff hält das Wasser im Körper, wenn wir Salz ausscheiden. So wird das Wasser zurückgehalten, das sonst durch das Salz in den Urin hineingetragen würde.“

Die Wasserhomöostase – also das Gleichgewicht von Wasser im Körper – ist für eine Reise zum Mars mindestens so wichtig wie für das Leben hier auf der Erde. „Wir müssen diesen Vorgang als eine gemeinsame Anstrengung der Leber, der Muskeln und der Nieren sehen“, sagt Titze. „In der Studie haben wir den Einfluss auf den Blutdruck und andere Aspekte des Herz-Kreislauf-Systems nicht direkt untersucht. Ihre Funktionen sind aber eng mit der Wasserhomöostase und dem Energiestoffwechsel verbunden.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.04.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft: Eine Prise Salz gegen den Durst
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