Wirkt das Antidepressivum?

Forscher konnten zeigen, dass sich mittels Bluttest herausfinden lässt, ob beim Patienten ein bestimmtes Antidepessivum wirkt – oder nicht.

Frau hält Antidepressiva in der Hand © iStock
(München – 18.04.2017) Ein Drittel aller Patienten, die an einer Depression leiden, spricht nicht auf das erste Medikament an, das ihnen verordnet wird. Bisher bleibt dem behandelnden Arzt nichts anderes übrig, als verschiedene Präparate auszuprobieren. In einer Studie haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie jetzt eine Biosignatur identifiziert, die es möglich macht vorherzusagen, welche Patienten auf die Behandlung mit dem Antidepressivum Paroxetin ansprechen – und welche nicht.

Patienten reagieren ganz unterschiedlich auf Antidepressiva. Bei ungefähr einem Drittel zeigt das erste verordnete Antidepressivum keine Wirkung. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Wirksamkeit grundsätzlich erst nach vier bis sechs Wochen kontinuierlicher Einnahme herausstellt. Manche Patienten müssen sich deshalb einigen Behandlungszyklen mit unterschiedlichen Antidepressiva unterziehen, bevor ein passendes Medikament in der geeigneten Dosierung gefunden ist. Das führt zu langwierigem Leiden und zu einem erhöhten Suizidrisiko.

Biosignaturen als Alternative zum Ausprobieren

Abhilfe schaffen könnten sogenannte Biosignaturen, mit deren Hilfe sich der Behandlungserfolg für jeden einzelnen Patienten genau vorhersagen ließe. Sie bieten objektive biologische Parameter wie sie in anderen Bereichen der Medizin bereits Praxis sind, in die Psychiatrie bisher aber noch keinen Eingang gefunden haben. Solche Biosignaturen wären von erheblichem Nutzen, um voraussagen zu können, ob ein Patient zu Beginn oder in einer frühen Behandlungsphase positiv auf ein Antidepressivum reagieren wird.

Wissenschaftler unter der Leitung von Chris Turck vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) konnten in Zusammenarbeit mit Marianne Müller von der Universität Mainz an Mäusen molekulare Signalwege beschreiben, die für das Ansprechen beziehungsweise Nichtansprechen auf das Antidepressivum Paroxetin charakteristisch sind. Die Wissenschaftler konnten herausfinden, dass zwischen Glutamat- und Ubiquitin-Proteasom-Signalwegen und der Reaktion auf Antidepressiva ein direkter Zusammenhang besteht. Glutamat ist einer der wichtigsten Neurotransmitter und spielt eine zentrale Rolle bei verschiedenen Hirnfunktionen. Ubiquitinierung dient der Qualitätssicherung und ist unverzichtbar bei der Entfernung beschädigter Proteine.

Prognose des Behandlungserfolgs durch Blutprobe

In einem nächsten Schritt untersuchten die Forscher, ob es möglich ist, mithilfe dieser Signalwege herauszufinden, welche Patienten auf eine Behandlung ansprechen würden und welche nicht. Sie nahmen Blutproben von Patienten, die an Depression litten, und entdeckten, dass die Biosignaturprofile ermöglichten, Patienten, die auf ein Antidepressivum ansprechen würden, bereits vor Behandlungsbeginn von denen zu unterscheiden, bei denen dies nicht der Fall ist. „Biosignaturen zur Prognose des Behandlungserfolgs von Antidepressiva werden die langwierigen Leidenswege von Patienten verkürzen, indem sie im Voraus abklären, welches das vielversprechendste Antidepressivum ist. Dies ist ein wichtiger Schritt für die personalisierte Medizin im Bereich Psychiatrie“, sagt Dongik Park vom MPI. „Biosignaturen werden zur Entwicklung von Medikamenten beitragen, indem sie neue Ansatzpunkte liefern. Darüber hinaus werden sie helfen, neuartige Antidepressiva für Patienten zu finden, die an behandlungsresistenter Depression leiden“, so Chris Turck vom MPI.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.04.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie: Bessere Vorhersage für Wirksamkeit von Antidepressivum
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