Hauttest bei Parkinson

Forschern ist es gelungen, Biomarker für Parkinson durch eine Hautprobe nachzuweisen – noch bevor die typischen Bewegungsstörungen aufgetreten sind.

Forscher betrachtet Parkinson-Hauttest durch Mikroskop © iStock
(Berlin – 23.02.2017) Die Parkinson-Krankheit gehört zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. In Deutschland leben schätzungsweise 220.000 Betroffene. Parkinson ist damit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach der Alzheimer-Demenz. Die Diagnose ist vor allem im Frühstadium (Prodromalphase) schwer, denn Parkinson beginnt mit unspezifischen Beschwerden – zum Beispiel Verschlechterung des Geruchssinns, Depressionen oder Verdauungsstörungen.  

Erst wenn die typischen Bewegungsstörungen einsetzen – das Zittern beginnt, die Bewegungen steif und langsam werden – kann der Arzt darauf schließen, dass sein Patient an Parkinson erkrankt ist. Bis zu diesem Zeitpunkt hat aber schon ein jahrelanges Nervenzellsterben stattgefunden – etwa 80 Prozent der dopaminergen Nervenendigungen und bis zu 50 Prozent der Nervenzellen in der sogenannten Substantia nigra im Gehirn sind dann bereits unwiederbringlich untergegangen. Die Entwicklung wirkungsvoller Therapien krankt daran, dass Parkinsonpatienten erst in dieser späten Krankheitsphase erkannt werden. Könnten Mediziner früher eingreifen, wären die Chancen auf die Entwicklung von Therapien und auf Behandlungserfolge deutlich höher.

Biomarker für Parkinson in der Frühphase

Weltweit arbeiten zahlreiche Forschungsgruppen an Wegen, Parkinson früher zu erkennen. Ein Forscherteam konnte nun bei Risikopatienten mit der sogenannten REM-Schlafverhaltensstörung (REM sleep behavior disorder, kurz RBD) den Biomarker Alpha-Synuclein in der Haut identifizieren, der Parkinson nachweist – schon Jahre bevor der Patient sichtbar erkrankt. „Damit sind wir dem großen Ziel, Parkinson in einem frühen Stadium zu erkennen und zu stoppen, einen wichtigen Schritt näher gekommen“, sagt Prof. Dr. Günther Deuschl, Parkinson-Experte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Präsident der European Academy of Neurology. „Der Weg ist nun offen, auch bei Betroffenen, die nicht an der REM-Schlafverhaltensstörung leiden, einen diagnostischen Marker für die Frühphase der Erkrankung zu identifizieren. Damit kommt der Einstieg in die lange erhoffte präsymptomatische Parkinsontherapie nun in unser Blickfeld.“

„Wichtig ist das Potenzial einer leicht anwendbaren Methode der minimalinvasiven Hautbiopsie, bei der lediglich eine fünf Millimeter große Probe entnommen werden muss. Dies ist von unmittelbarer praktischer Bedeutung, um Patienten für Studien zur Parkinson-Krankheitsprävention identifizieren zu können“, so Prof. Dr. Werner Poewe, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie an der Medizinischen Universitätsklinik in Innsbruck.

Bisher konnte Biomarker nur im Gehirn nachgewiesen werden

„Wir kennen Alpha-Synuclein zwar als neuropathologisches Kennzeichen von Morbus Parkinson, und der Nachweis dieser Proteinablagerungen war bereits der Goldstandard der Diagnose“, erklärt Prof. Dr. Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg und Koautor der Studie. „Allerdings haben wir im Gehirn gesucht, und das war erst nach dem Tod möglich“, so der Präsident der Deutschen Parkinson Gesellschaft. Dass sich Alpha-Synuclein nicht nur im Gehirn ablagert, sondern auch in der Haut, konnten die Würzburger Forscher schon 2014 zeigen. Sie fanden bei rund der Hälfte der untersuchten Parkinsonpatienten pathologische Proteinaggregate in den kleinen Nervenfasern der Haut.

In ihrer jetzigen Studie ging die Arbeitsgruppe einen Schritt weiter: Um herauszufinden, ob Alpha-Synuclein auch in der Anfangsphase als Biomarker herangezogen werden kann, untersuchten sie Patienten mit REM‐Schlafverhaltensstörung. Die Schlafstörung gilt als charakteristisches Frühsymptom der Parkinson-Krankheit. Sie äußert sich in aggressiven Träumen und auffälligen Bewegungen im Traumschlaf – etwa 85 Prozent der Betroffenen entwickeln innerhalb von 15 bis 20 Jahren Parkinson. Auch bei REM‐Schlafverhaltensstörung finden sich im Gehirn Ablagerungen von Alpha‐Synuclein.

Weg zu neuen Medikamenten gegen Parkinson?

In Anbetracht des einfachen Zugangs zu Hautbiopsien und der hohen Spezifität der Untersuchung sehen die Autoren in der Methode, Alpha-Synuclein über eine kleine Hautprobe nachzuweisen, großes Potenzial, um Parkinsonpatienten im Anfangsstadium der Erkrankung zu identifizieren und für klinische Studien zum Test von krankheitsmodifizierenden Medikamenten zu gewinnen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Meilenstein: Hauttest erlaubt frühe Prakinsondiagnose
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