Jedes Essen eine Entzündung

Jede Mahlzeit löst eine Entzündung aus. Bei Übergewichtigen hat das negative Auswirkungen, bei Gesunden dagegen positive, wie eine Studie zeigt.

Junge Frau isst Müsli © iStock
(Basel – 09.02.2017) Beim Essen wird nicht nur Nahrung, sondern auch eine ganze Menge Bakterien aufgenommen. Der Körper muss den eingenommenen Zucker verteilen und gleichzeitig die Bakterien bekämpfen. Dabei kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die bei Gesunden schützend wirkt und das Abwehrsystem aktiviert, wie Mediziner von Universität und Universitätsspital Basel erstmals zeigen. Bei Übergewichtigen dagegen fällt die Entzündungsreaktion so heftig aus, dass sie zu Diabetes führen kann.

Dass es beim Typ-2-Diabetes zu einer chronischen Entzündung mit negativen Auswirkungen kommt, ist bekannt. In mehreren klinischen Studien wird daher als Diabetestherapie die Überproduktion eines beteiligten Stoffs – des Interleukin-1beta (IL-1beta) – gehemmt. Denn dieser Botenstoff löst bei Diabetespatienten eine chronische Entzündung aus und lässt die Betazellen, die Insulin produzieren, absterben.

Dieselbe Entzündung hat aber auch positive Aspekte, wie Forscher des Departements Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel herausgefunden haben: Wenn die Entzündungsreaktion kurzfristig auftritt, spielt sie bei Gesunden eine wichtige Rolle bei der Zuckeraufnahme und der Aktivierung des Abwehrsystems.

Insulin und IL-1beta regeln gemeinsam den Blutzucker

In ihrer Arbeit konnten die Wissenschaftler um Prof. Marc Donath – Chefarzt Endokrinologie, Diabetologie und Metabolismus am Universitätsspital Basel – zeigen, dass bestimmte Abwehrzellen, die Makrophagen, während einer Mahlzeit um den Darm zunehmen. Diese „Fresszellen“ produzieren je nach Glukosekonzentration im Blut den Botenstoff IL-1beta. Dieser wiederum stimuliert das Insulin aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Daraufhin gibt das Insulin an die Makrophagen die Rückmeldung, die Produktion von IL-1beta zu erhöhen. So regeln die beiden Stoffe Insulin und IL-1beta gemeinsam den Blutzucker. Dabei bewirkt der Botenstoff IL-1beta gleichzeitig, dass das Immunsystem mit Glukose versorgt und so aktiviert wird.

Bakterien und Nährstoffe

Dieser Mechanismus von Stoffwechsel und Immunsystem ist jeweils von den Bakterien und den Nährstoffen abhängig, die während der Mahlzeit aufgenommen werden, so die Baseler Forscher. Sind die Nährstoffe ausreichend, kann das Immunsystem auf die fremden Bakterien adäquat reagieren. Umgekehrt müssen bei Nahrungsmangel die wenigen verbleibenden Kalorien für wichtige Lebensfunktionen eingespart werden, was auf Kosten einer Immunantwort erfolgt. Dies könnte zum Beispiel erklären, warum bei Hungersnöten häufiger Infektionskrankheiten auftreten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Basel: Jede Mahlzeit löst eine Entzündung aus
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