Übergewicht ändert Erbgut

Wissenschaftler haben herausgefunden: Zusätzliche Pfunde zeigen sich nicht nur auf den Hüften, sondern auch im Erbgut.

Person steht auf einer Waage © iStock
(München – 27.12.2016) Die Festtagspfunde lagern sich nicht nur auf den Hüften, sondern auch auf der DNA ab. Das ist das Ergebnis einer großen internationalen Studie unter Federführung des Helmholtz Zentrums München. Sie zeigt, dass ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) zu epigenetischen Veränderungen an fast 200 Stellen des Erbguts führt – mit Auswirkungen auf die Gene.

Lebensstil beeinflusst Umgebung der Gene

Während sich unsere Gene im Laufe des Lebens kaum verändern, kann unser Lebensstil direkten Einfluss auf deren Umgebung ausüben. Wissenschaftler sprechen hier vom Epigenom – also alles, was auf und um die Gene geschieht. Bisher kaum untersucht wurde, wie sich das Epigenom durch Übergewicht verändert. „Dabei ist die Frage bei schätzungsweise eineinhalb Milliarden übergewichtigen Menschen weltweit durchaus relevant“, so die Erstautorin der Studie Dr. Simone Wahl von der Abteilung Molekulare Epidemiologie (AME) am Helmholtz Zentrum München. „Vor allem wenn man weiß, dass Übergewicht zu Folgeerscheinungen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen führen kann.“

Studie mit über 10.000 Teilnehmern

Das internationale Forscherteam untersuchte für seine Studie die Blutproben von über 10.000 Frauen und Männern aus Europa. Ein größerer Teil darunter waren Bewohner Londons mit indischer Abstammung, die laut den Wissenschaftlern ein hohes Risiko für Fettleibigkeit und Stoffwechselkrankheiten haben. In einem ersten Schritt mit 5.387 Proben ermittelte das Forscherteam 207 Genorte, die abhängig vom BMI epigenetisch verändert waren. Diese testeten sie dann an Blutproben von weiteren 4.874 Probanden und konnten 187 davon bestätigen. Weitere Untersuchungen und Langzeitbeobachtungen wiesen zudem darauf hin, dass ein Großteil der Veränderungen eine Folge des Übergewichts war und nicht dessen Ursache.

Auch Entzündungsgene verändert

„Signifikante Veränderungen fanden vor allem an Genen statt, die für den Fettstoffwechsel sowie für Stofftransport zuständig sind – aber auch Entzündungsgene waren betroffen“, erklärt Gruppenleiter Harald Grallert. Weiterhin konnte das Team aus den Daten epigenetische Marker identifizieren, anhand derer sich das Risiko für einen Diabetes mellitus Typ 2 vorhersagen ließ.

„Unsere Ergebnisse erlauben neue Einblicke, welche Signalwege durch Fettleibigkeit beeinflusst werden“, so Christian Gieger, Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie. „Wir hoffen, dass daraus neue Strategien entstehen, wie man Typ-2-Diabetes und andere Folgen des Übergewichts vorhersagen und bestenfalls verhindern kann.“ Künftig wollen die Forscher auch im Rahmen der translationalen Forschungsarbeiten im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung untersuchen, wie sich die epigenetischen Veränderungen im Einzelnen auf die Aktivität der darunter liegenden Gene auswirkt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.12.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München: Übergewicht schlägt sich auch auf dem Erbgut nieder
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung