Körpereigenes Antipilzmittel

Forscher haben ein körpereigenes Fungizid entdeckt, das mit einem neuartigen Mechanismus effektiv gegen krankheitsverursachende Pilze wirkt.

Frau kratzt sich am Unterarm © Thinkstock
(Kiel – 09.10.2015) Im Alltag wird der gesunde Mensch ständig mit Pilzsporen konfrontiert. Doch warum wird er dadurch nicht krank? Ein deutsch-japanisches Forscherteam mit Beteiligung der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) hat als erstes ein Fungizid des Menschen entdeckt, eine bestimmte Form des körpereigenen Proteins Psoriasin. Es tötet eine Vielzahl von Faden-Pilzen, die Krankheiten verursachen können, mit einem bisher noch nicht bekannten Wirkmechanismus ab – unter anderem den Schimmelpilz Aspergillus.  

Pilzinfektionen sind insbesondere für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – zum Beispiel nach Transplantationen oder bei Chemotherapie – eine große Gefahr, da Arzneimittel zur Behandlung von Pilzinfektionen häufig starke Nebenwirkungen haben oder Resistenzen auftreten können.

Fungizid zeigt völlig neuartigen Wirkmechanismus

Zusammen mit Kollegen aus Japan haben Kieler Wissenschaftler unter Leitung von Professor Jens-Michael Schröder Hautschuppen-Extrakte von Patientinnen und Patienten mit Psoriasis (Schuppenflechte), einer Hautkrankheit mit überraschend seltenen Pilzinfektionen, analysiert. Dabei entdeckten sie, dass eine bestimmte Form des Proteins Psoriasin, das auf allen Körperoberflächen vorkommt, höchstwirksam gegen Pilze ist. „Überaschenderweise zeigt dieses körpereigene Fungizid einen völlig neuartigen Wirkmechanismus“, sagt Schröder.  

Anders als bislang bekannte und gegen Pilze eingesetzte Therapeutika greift diese Form des körpereigenen Fungizids nicht direkt in den Stoffwechsel des Pilzes ein, sondern leitet über einen vom Spurenmetall Zink abhängigen Mechanismus den programmierten Zelltod in den Pilzzellen ein. Es dringt in die Pilzzellen ein und bindet als sogenannter Zink-Chelator im Zellinneren Zink. Dadurch werden in den Pilzzellen Mechanismen in Gang gesetzt, die den Zelltod einleiten. Im Tiermodell konnten die Autoren der Studie zeigen, dass sowohl das Psoriasin als auch ein entsprechender synthetisch hergestellter Zink-Chelator mit dem gleichen Wirkmechanismus Pilzinfektionen der Haut und der Lunge effektiv stoppen können.

Wirkmechanismus bietet Ansatz für neue Pilzmedikamente

Die Ergebnisse dieser Studie seien eine große Chance zur Bekämpfung von oftmals tödlich verlaufenden Pilzinfektionen, so Schröder. „Der hier gefundene Wirkmechanismus bietet Ansatzmöglichkeiten für die Entwicklung neuer fungizider Therapeutika, die den programmierten Zelltod in Pilzzellen induzieren.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.10.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Christian- Albrechts-Universität zu Kiel: Effektiv gegen Schimmel: Kieler Wissenschaftler entdeckten körpereigenes Fungizid
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