Rätsel Fingerknacken gelöst

Wieso können manche mit ihren Fingern knacken? Lange war das unklar – auch wenn es viele Theorien gab. Nun fanden Forscher des Rätsels Lösung.

Fünf Hände © Thinkstock
(Edmonton – 16.04.2015) Manche finden es entspannend, anderen stellen sich bei diesem Geräusch die Nackenhaare auf: Fingerknacken. Auch unter Wissenschaftlern herrschte lange Uneinigkeit – und zwar über die Ursache des Knackens. Zahlreiche Theorien wurden aufgestellt: Die einen vermuteten hinter dem Knacken zum Beispiel eine platzende Blase im Gelenkspalt, andere zurückschnellende Bänder. Mithilfe eines Versuchs konnte eine Forschergruppe um Greg Kawchuk von der University of Alberta in Kanada das Rätsel nun lösen.

Untersuchung im Kernspintomografen

MRT-Aufnahme vom Fingerknacken © University of AlbertaAufnahmen kurz vor und nach dem Fingerknacken
Als Versuchsperson für die Studie diente einer der Studienautoren selbst. Er hat die Fähigkeit, alle zehn Finger durch Ziehen knacken zu lassen. Für die Untersuchung wurde er bäuchlings und mit ausgestreckten Armen in einen Kernspintomografen geschoben. Mithilfe einer selbstgebastelten Vorrichtung zogen die Wissenschaftler anschließend so lange an jedem einzelnen Finger, bis er knackte. Dabei fertigte der Kernspintomograf von diesem Vorgang mehrere Aufnahmen pro Sekunde an.

Die Aufnahmen zeigten: Bei leichtem Zug hielt die zähe Gelenkflüssigkeit die Gelenkflächen noch zusammen. Wurde jedoch fester an den Fingern gezogen, trennten sich die Gelenkflächen plötzlich. Der Gelenkraum vergrößerte sich, es bildete sich eine Gasblase in der Gelenkflüssigkeit – und es knackte. „Es ist ein bisschen so, als würde sich ein Vakuum bilden“, sagt Greg Kawchuk. „Wenn sich die Gelenkflächen plötzlich trennen, ist keine Gelenkflüssigkeit mehr verfügbar, die das größere Gelenkvolumen ausfüllt. Deshalb bildet sich eine Blase – und das ist es, was mit dem Geräusch verbunden ist.“ Bei der Untersuchung fanden sich jedoch keine Hinweise darauf, dass die Gasblase zerplatzte. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob sich die Ergebnisse des Versuchs auch auf andere Menschen übertragen lassen.

Genug Energie, um Schaden anzurichten

Ein weiteres Rätsel bleibt jedoch bestehen: Wissenschaftler haben berechnet, dass die Energie, die beim Fingerknacken aufgewendet wird, groß genug wäre, um dem Gelenk zu schaden. Bisher haben Studien jedoch gezeigt, dass Fingerknacken keine Langzeitschäden verursacht. Diese widersprüchlichen Ergebnisse planen Kawchuk und sein Team als nächstes zu untersuchen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.04.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Kawchuk et al. (2015): Real-Time Visualization of Joint Cavitation (DOI: 10.1371/journal.pone.0119470)
  • Pressemitteilung der Univerity of Alberta: “Pull my finger!” say scientists who solve knuckle-cracking riddle
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