Kaffee gegen Alzheimer

Forscher konnten zeigen: Koffein wirkt gegen bestimmte alzheimerbedingte Veränderungen im Gehirn – und könnte somit auch gegen Alzheimer helfen.

Kaffee in Händen © Thinkstock
(Bonn – 09.04.2014) Koffein zählt zu den weltweit am häufigsten konsumierten psychoaktiven Substanzen. Es ist in Kaffee und Tee enthalten oder Süßgetränken zugesetzt. Seit einiger Zeit gibt es Hinweise darauf, dass Kaffee- und Teetrinker in höherem Alter bessere Gedächtnisleistungen zeigen und ein verringertes Risiko für Morbus Alzheimer aufweisen.  

Ein deutsch-französisches Forscherteam der Universitäten Bonn und Lille konnte nun erstmals zeigen, dass sich Koffein positiv auf sogenannte Tau-Ablagerungen bei der Alzheimer-Krankheit auswirkt. Tau-Ablagerungen zählen zusammen mit Beta-Amyloid-Plaques zu den charakteristischen Merkmalen der Alzheimer-Krankheit. Die beiden Eiweißablagerungen stören die Kommunikation der Nervenzellen im Gehirn und tragen dadurch zu deren Degeneration bei. Bislang gibt es trotz intensiver Forschung keinen Wirkstoff, der dies verhindern kann. Durch die Ergebnisse der Forscher könnte nun eine neue Klasse von Medikamenten entwickelt werden.

Koffeinähnlicher Wirkstoff zeigte im Tierversuch Wirkung

Koffein blockiert im Gehirn verschiedene Rezeptoren, die normalerweise vom Botenstoff Adenosin aktiviert werden. Erste Ergebnisse des Forscherteams hatten bereits darauf hingedeutet, dass besonders die Blockade des Adenosinrezeptor-Subtyps A2A eine wichtige Rolle spielen könnte. Die Forscher entwickelten für ihre Untersuchungen deshalb zunächst einen A2A-Antagonisten, der weniger Nebenwirkungen als Koffein hat und zugleich deutlich effektiver ist. Anschließend behandelten die Forscher über mehrere Wochen genetisch veränderte Mäuse damit. Die Mäuse hatten ein verändertes Tau-Protein, das ohne Therapie zu einer frühen Ausbildung von Alzheimersymptomen führt.  

Im Gegensatz zu einer Kontrollgruppe, die nur ein Placebo verabreicht bekam, erzielten die behandelten Tiere in Gedächtnistests deutlich bessere Ergebnisse. Insbesondere auf das räumliche Erinnerungsvermögen hatte der A2A-Antagonist positive Auswirkungen. Auch im Hippocampus, also dem Sitz des Gedächtnisses der Nagetiere, zeigte sich eine Verbesserung der krankmachenden Prozesse.

Vielversprechende Studienergebnisse

„Wir sind einen guten Schritt vorangekommen“, sagt die Bonner Forscherin Prof. Dr. Christa Müller. „Die Ergebnisse der Studie sind wirklich vielversprechend, denn wir konnten erstmals zeigen, dass A2A-Antagonisten in einem Tiermodell, das der Krankheit sehr ähnlich ist, tatsächlich sehr positive Wirkungen haben. Und die Nebenwirkungen sind gering.“  

Die Forscher wollen den A2A-Antagonisten nun in weiteren Tiermodellen einsetzen. Wenn die Ergebnisse positiv sind, könnte sich eine klinische Studie anschließen. „Bis zur Zulassung von A2A-Adenosinrezeptor-Antagonisten als neue Alzheimer-Therapeutika ist also noch etwas Geduld gefragt. Ich bin aber optimistisch, dass klinische Studien durchgeführt werden“, so Müller.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.04.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Alzheimer Forschung Initiative e.V.
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