Ein Schimmer Hoffnung

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Behandlung mit einem sogenannten transkraniellen Laser verhilft Menschen im Wachkoma zu mehr Bewusstsein.

Hände auf Bettdecke © Thinkstock
(Düsseldorf – 28.11.2013) Zirka 10.000 Menschen liegen in Deutschland im Wachkoma. Ein schweres Schädelhirntrauma oder ein Kreislaufstillstand sind die häufigsten Ursachen für dieses Schicksal. Die meisten Patienten werden in einer Pflegeeinrichtung oder zu Hause rund um die Uhr versorgt. Laut einer neuen Studie soll die Behandlung mit einer sogenannten transkraniellen, das heißt den Schädelknochen durchdringenden Nah-Infrarotlaserstimulation zur Förderung des Bewusstseins von Patienten im Wachkoma beitragen. Vorerst nur ein Hoffnungsschimmer – aber die ersten Reaktionen von Angehörigen und Patienten sind vielversprechend.

Therapie über vier bis sechs Wochen

Leiter der Studie war Stefan Hesse, Professor für Neurologische Rehabilitation am Medical Park Berlin. Die Untersuchungen fanden sowohl in der Klinik als auch auf der Wachkoma-Station des Haus Havelblick Berlin statt. „Unsere Arbeitsgruppe hat den transkraniellen Laser erstmals in der Therapie von chronischen Wachkoma-Patienten eingesetzt. Deren Stirn wurde über vier bis sechs Wochen jeden Werktag für zehn Minuten von außen stimuliert, die Wachheit und das Bewusstsein wurden regelmäßig überprüft und die Angehörigen um ihre Einschätzung gebeten“, so der Studienleiter.

Sowohl Angehörige als auch die eingesetzten Skalen bestätigten bei fast allen Patienten, dass sie am Tag länger wach waren und dass sich ihr Bewusstsein dahingehend verbesserte, dass sie mit den Augen sicherer Kontakt aufnahmen, einem vor den Augen bewegten Spiegel mit ihren Augen folgen konnten oder gar auf einfache Aufforderungen wie ´Schließen Sie bitte die Augen!` adäquat reagierten. Die Angehörigen schätzten vor allem den größeren emotionalen Widerhall. An der maximalen Pflegebedürftigkeit oder Immobilität der chronischen Patienten änderte sich jedoch nichts.

Weitere Studien nötig

„Die in unserer Studie beobachteten Verbesserungen sollten Anlass geben, die Idee der transkraniellen Lasertherapie weiter zu verfolgen. Eine Aussage zur Effektivität ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eindeutig nicht zu treffen, weswegen eine kontrollierte Studie mit einer Scheintherapie und die Bestätigung durch andere Forschergruppen dringend angezeigt sind“, resümiert Stefan Hesse.

Der transkranielle, das heißt den Schädelknochen durchdringende, Nahinfrarotlaser ist eine neue Option zur Förderung der Regeneration des Hirngewebes. Nach Experimenten mit Tieren weiß man, dass er durch den Schädelknochen hindurch und zirka zwei bis drei Zentimeter in das Hirngewebe dringt. Der Laser soll die Energiegewinnung der Nervenzelle und damit deren Regeneration fördern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.11.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
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