Legasthenie erkennen

Forscher haben ein neues Mittel gefunden, Lese-Rechtschreibschwächen bei Kindern zu erkennen. Bietet das bessere Behandlungsmöglichkeiten?

Junge beim Lesen © Thinkstock
(Washington – 25.01.2012) Kinder, die unter Legasthenie leiden, zeigen bereits veränderte Hirnfunktionen bevor sie mit dem Lesen beginnen. Zwei Gehirnareale, in denen unter anderem gehörte Worte verarbeitet werden, sind weniger aktiv als bei anderen Kindern. Das berichten US-amerikanische Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Nach Ansicht der Wissenschaftler deutet alles darauf hin, dass sich die Unterschiede in der Verarbeitung von Sprache bei diesen Kindern bereits in den ersten Lebensjahren entwickeln. Unter Umständen sind sie sogar angeboren. Diese Erkenntnis kann möglicherweise dabei helfen, betroffene Kinder früher als bisher zu erkennen und gezielt zu fördern.

Schwierigkeiten mit Worten

Unter einer Lese-Rechtschreibschwäche leiden rund 5 bis 17 Prozent aller Kinder. Sie haben Schwierigkeiten, gesprochene Worte korrekt zu erkennen und lernen nur schwer, fehlerfrei zu lesen und zu schreiben. Oft tritt die Legasthenie in Familien gehäuft auf. Es ist bereits seit längerem bekannt, dass bei legasthenischen Kindern ein neuronales Netzwerk in der hinteren linken Gehirnhälfte gestört ist. Dieses Netzwerk ist entscheidend am Lesen und an verwandten Fähigkeiten wie dem Verstehen von Wörtern beteiligt.

„Bisher war aber unklar, ob diese charakteristische Unterfunktion bereits existiert, bevor Kinder Lesen lernen oder ob sie erst als Folge der Leseprobleme entsteht“, erklären Nora Maria Raschle und ihre Kolleginnen von der Harvard Medical School in Boston. Jetzt habe sich gezeigt, dass diese Gehirnveränderungen bei familiär vorbelasteten Kindern bereits mit fünf Jahren nachweisbar sind, also bevor sie mit dem Lesen beginnen.

Hilfreiche Früherkennung?

Nach Ansicht der Forscher liefern die neuen Erkenntnisse erste Ansatzpunkte, wie man die Legasthenie bei Kindern zukünftig früher als bisher diagnostizieren könnte. „Die frühe Identifizierung der Leseschwäche bietet eine Chance, um früh mit Fördermaßnahmen zu beginnen“, sagen die Forscher. Womöglich können die Fehlfunktionen des Gehirns umso besser ausgeglichen werden, je früher entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Zumindest Kinder, bei denen, aufgrund von familiärer Vorbelastung, eine Legasthenie möglich ist, könnten vergleichbare Diagnoseverfahren zukünftig eingesetzt werden.

Für ihre Studie hatten die Forscher mittels funktioneller Resonanztomographie die Gehirnaktivität von 36 fünf- bis sechsjährigen Kindern untersucht, die noch nicht begonnen hatten Lesen zu lernen. Das bildgebende Verfahren erlaubt es, besonders gut durchblutete und damit auch besonders aktive Gehirnareale sichtbar zu machen. Eine Hälfte der Kinder stammte aus Familien, in denen es bereits mehrere Legastheniker gab, die andere nicht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.01.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cg
  • Quellen: dapd
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