Stammzellen gegen Diabetes

Bei Diabetes mellitus Typ 1 greift das eigene Immunsystem die Bauchspeicheldrüse an. Forscher haben einen Weg gefunden, die Zellen davon abzuhalten.

Forscher arbeitet mit Stammzellen © Thinkstock
(München – 11.01.2012) Können Stammzellen aus Nabelschnurblut zukünftig Diabetes Typ 1 lindern oder möglicherweise sogar ganz heilen? Diese Hoffnung nährt eine Studie an 15 Patienten mit der angeborenen Autoimmunerkrankung. Bei Diabetes Typ 1 greift das Immunsystem irrtümlich die insulinproduzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Doch die Abwehr lässt sich umerziehen, wenn man die fehlgeleiteten Immunzellen mit gesunden Stammzellen aus gespendetem Nabelschnurblut in Kontakt bringt. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin BMC Medicine.

Heilsame Blutwäsche

Für die neue Methode unterzogen die Wissenschaftler 15 junge Erwachsene, die bereits seit acht oder mehr Jahren an Diabetes Typ 1 litten, einer Art Blutwäsche. Den Betroffenen wurde Blut entnommen. Daraus isolierten die Forscher vorübergehend die weißen Blutkörperchen. Über ein Verfahren, vergleichbar mit einer Blutwäsche, brachten sie die Abwehrzellen kurzzeitig mit Stammzellen aus Nabelschnurblut in Kontakt. Anschließend wurden die Abwehrzellen wieder mit dem restlichen Blut vereinigt und in den Körper der Patienten zurückgeleitet. Die gesamte Prozedur dauerte rund zwei bis drei Stunden.

„Bereits eine einmalige Behandlung mit dieser Methode brachte Patienten mit mittlerem bis schwerem Diabetes Typ 1 eine anhaltende Verbesserung“, berichten Yong Zhao und seine Kollegen von der University of Illinois in Chicago. Die Patienten mussten sich nach der Behandlung erheblich weniger Insulin spritzen als zuvor.

Umerziehung der Abwehrzellen

Nach Ansicht der Forscher gab es deutliche Anzeichen dafür, dass die Behandlung die Autoimmunreaktion der weißen Blutkörperchen gegen die insulinproduzierenden Zellen abschwächt. Durch den Kontakt mit Signalmolekülen an der Oberfläche der Stammzellen hätten die Abwehrzellen und damit auch das Immunsystem gelernt, die Inselzellen nicht mehr anzugreifen. Auf Dauer kann der Körper so wieder vermehrt Insulin herstellen.

Den genauen Mechanismus, der hinter dem beobachteten Effekt steht, gilt es noch zu erforschen. Sollten sich die Ergebnis in weiteren Studien bestätigen, könnte sich die Erziehung des Immunsystems durch Stammzellen aus der Nabelschnur als vielversprechende Therapie gegen Diabetes Typ 1 erweisen.
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