Positive Erwartungshaltung

Wissenschaftler haben herausgefunden: Wir profitieren mehr von Sport, wenn wir von seiner positiven Wirkung überzeugt sind.

Frau auf dem Fahrrad © Thinkstock
(Freiburg – 18.08.2016) Sport und Bewegung tun mir gut“ – dieser Gedanke ist weitverbreitet. Doch ist der Glaube an den positiven Effekt des Trainings wichtiger für das Wohlbefinden als der Sport selbst? Der Psychologe Hendrik Mothes vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg hat mit seinem Team in einer Studie belegt, dass die Studienteilnehmer sowohl psychisch als auch neurophysiologisch mehr von dem Training profitierten, die bereits eine positive Erwartungshaltung gegenüber Sport hatten. Außerdem haben die Forscher nachgewiesen, dass eine positive oder negative Beeinflussung der Probanden vor dem Training ebenfalls einen Unterschied ausmacht.

Placeboeffekt beim Sporttreiben

Das Forscherteam hat 76 Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 32 Jahren in sein Forschungslabor eingeladen, wo die Probanden 30 Minuten lang auf einem Fahrradergometer in die Pedale treten mussten. Zuvor wurden den Teilnehmern jeweils unterschiedliche Kurzfilme gezeigt, die entweder die positive Wirkung von Fahrradfahren für die Gesundheit lobten oder nicht. Außerdem fragten die Forscher die Probanden, ob sie bereits vor Beginn der Studie an positive Effekte durch Sportaktivität glaubten. Die Teilnehmer füllten vor und nach dem Training Fragebögen aus, in denen sie Auskunft über ihr Wohlbefinden und ihre Stimmung gaben. Zudem maßen die Forscher die Gehirnaktivität der Teilnehmer mit einem Enzephalogramm (EEG).  

„Die Ergebnisse zeigen im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung, dass der Glaube daran, wie gut einem Sportaktivität tut, eine beachtliche Auswirkung auf das Wohlbefinden hat“, so Mothes. Die Studie belegt die Wirkung eines Placeboeffekts beim Sporttreiben: Probanden, die bereits vor Beginn der Untersuchung an positive Effekte durch Sportaktivität glaubten, hatten größere Freude an der Bewegung, verbesserten stärker ihre Stimmung und reduzierten deutlicher ihre Ängstlichkeit als ihre weniger optimistischen Kollegen. Neurophysiologisch zeigte sich außerdem ein weiterer Unterschied: Die Teilnehmer mit größeren Erwartungen vor Beginn der Untersuchung sowie diejenigen, die zuvor einen Film gesehen hatten, der über die gesundheitlichen Vorzüge des Fahrradfahrens berichtete, wiesen bei der Messung der Hirnaktivität eine größere Entspannung auf.

Erwartungshaltung kann über Sportmotivation entscheiden

Die Ergebnisse lassen sich wahrscheinlich auch auf andere Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Langlaufen übertragen, so Mothes. „Erwartungshaltungen und Vorstellungen haben möglicherweise langfristige Konsequenzen – zum Beispiel für die Motivation zum Sporttreiben. Sie entscheiden mitunter darüber, ob man sich das nächste Mal zum Joggen aufraffen kann oder lieber auf der Couch bleibt.“