Das Handy als Ernährungsberater

Barcode scannen und schon erscheint auf dem Handy eine Nährwert-Ampel, die angibt, wie gesund ein Lebensmittel ist. Möglich macht das eine App, die von den Universitäten Halle, Jena und Leipzig entwickelt wurde. 

Frau im Supermarkt mit Handy © iStock
(Jena – 28.08.2019) Der Kompetenzcluster für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) der Universitäten Halle, Jena und Leipzig hat eine Smartphone-App entwickelt, die Nährwerte von verarbeiteten Lebensmitteln bewertet. Die „nutriCARD“-App basiert auf der Nährwert-Ampel „Nutri-Score“ und liefert genaue Daten zu Inhaltsstoffen, Nährwerten und bedenklichen Zutaten von Lebensmitteln, wie Joghurt, Keksen oder Limonaden. Eine leicht verständliche fünfstufige Farb- und Buchstabenskala bewertet die Lebensmittel auf Basis wissenschaftlich fundierter Algorithmen.

Die Wissenschaftler arbeiten seit dem Jahr 2015 daran, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und der Zunahme ernährungsmitbedingter Krankheiten entgegenzuwirken. „Mit der nutriCARD-App gelingt uns ein Brückenschlag von der Forschung zum Verbraucher“, sagt Clustersprecher Prof. Dr. Stefan Lorkowski von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „So wird das Handy zum mobilen Ernährungsberater.“

Barcode scannen und Informationen erhalten

Um Informationen über Lebensmittel zu erhalten, müssen die App-Nutzer lediglich den Barcode auf der jeweiligen Verpackung scannen. Auf einen Blick lassen sich dann Informationen über Nährwerte, eventuelle Warnungen und umstrittene Zutaten ablesen. Außerdem kann angezeigt werden, ob das Lebensmittel für bestimmte Ernährungsgewohnheiten, wie vegetarische oder vegane Ernährung, geeignet ist oder ob Allergene, wie Nüsse, Ei und Soja oder Inhaltsstoffe, die Unverträglichkeiten auslösen können, zum Beispiel Gluten und Milchzucker, enthalten sind.

Lebensmitteldatenbank liefert Nährwertdaten

Die Bewertung erfolgt anhand von Nährwertdaten aus einer Datenbank, die auflistet, welche Lebensmittel in Deutschland verfügbar sind. Derzeit sind dort rund 300.000 Produkte und 33.000 Zutaten verzeichnet. „Es gibt natürlich wesentlich mehr Produkte auf dem Markt, doch nicht alle Hersteller stellen ihre Daten zur Verfügung“, sagt Dr. Christine Dawczynski von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die an der App-Entwicklung mitgewirkt hat.

App basiert auf „Nutri-Score“

Die wissenschaftliche Basis der Nährwertanalyse ist der „Nutri-Score“. Er bildet die Nährwertqualität der einzelnen Lebensmittel ab. Je nach Wert werden die Lebensmittel dann in der Lebensmittelampel klassifiziert. Errechnet wird der Score anhand der Inhaltsstoffe. Positiv wirken sich Eiweiße, Ballaststoffe, Gemüse und Früchte auf den Score aus, negativ Kalorien, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz.

Während in einigen europäischen Ländern der „Nutri-Score“ bereits auf Lebensmittelverpackungen verwendet wird, stehe eine solche Entscheidung in Deutschland jedoch noch aus. „Tests in der Praxis haben gezeigt, dass der Nutri-Score Verbraucher zu einer gesünderen Produktauswahl bewegt“, sagt Prof. Lorkowski.

Künstliche Intelligenz errechnet den Nutri Score automatisch

Anhand der Daten aus der Lebensmitteldatenbank berechnen Algorithmen automatisch den Nutri-Score. „Dank künstlicher Intelligenz und menschlicher Expertise sind wir in der Lage, alle Arten von Lebensmitteln zu analysieren und mit medizinischen Vorgaben, Kundenwünschen und Ernährungsempfehlungen abzugleichen, um auch individuelle Ernährungsempfehlungen zu erstellen“, sagt Sinan Theuvsen, dessen Unternehmen, die Lebensmitteldatenbank stellt und die Algorithmen entwickelt hat. Er sieht in der neuen App großes Potenzial, da sie noch um zusätzliche Features ergänzt werden kann. „Wir arbeiten schon am nächsten Update. Darin soll auch positiv berücksichtigt werden, wenn ein Produkt einen mehr als 40-prozentigen Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen enthält. Das geht momentan auf Grund fehlender Daten der Hersteller leider noch nicht.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.08.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena vom 14.08.2019: Das Handy als Ernährungsberater
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