Neue Studie: Erhöhen Eier den Cholesterinspiegel im Blut?

Erhöhen Eier den Cholesterinspiegel und schaden so dem Herzen – oder tun sie es nicht? Darüber wird bereits seit Langem diskutiert. Erkenntnisse einer neuen US-Studie bringen nun Klarheit.

Frau isst Ei. © iStock
(Frankfurt am Main – 12.07.2019)Erhöhte Cholesterinspiegel im Blut sind ein wichtiger Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und Schlaganfall. Das belegen Studien seit Jahrzehnten", sagt Prof. Dr. med. Helmut Gohlke vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. Zusätzlich konnte in vielen Studien gezeigt werden, dass es sich günstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt, wenn die Cholesterinwerte durch Medikamente wie Statine oder PCSK9-Inhibitoren gesenkt werden.

„Weit weniger klar war, welche Bedeutung die Cholesterinzufuhr über die Nahrung für den Cholesterinspiegel im Blut und für das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat", sagt Gohlke. Bis zum Jahr 2015 galt die Empfehlung der Amerikanischen Herzgesellschaft, nicht mehr als 300 Milligramm Cholesterin pro Tag zu essen, ein Ei enthält 250 bis 280 Milligramm Cholesterin. Wegen unzureichender Studienlage gilt diese Empfehlung jedoch nicht mehr. Es fehlt der Nachweis, dass die Cholesterinzufuhr mit der Ernährung oder speziell mit Eiern einen wesentlichen Einfluss auf die kardiovaskuläre Ereignisrate hat.

Je mehr Cholesterin, desto höher das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine neue Meta-Analyse von sechs Studien mit über 29.600 Teilnehmern, die zu ihrem Ernährungsverhalten befragt und im Schnitt für 17,7 Jahre nachbeobachtet wurden, kommt zu dem Schluss: unbeschränkte Cholesterinzufuhr ist doch nicht unbedenklich. „Denn bei erwachsenen US-Amerikanern war eine höhere Cholesterinzufuhr deutlich mit einem höheren Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden", so Gohlke. „Also je höher der Cholesterinverzehr in Lebensmitteln oder der Eierkonsum war, umso höher war auch das kardiovaskuläre Risiko.

"Dabei spielte es keine Rolle, ob das Cholesterin vorwiegend über Eier oder andere Nahrung aufgenommen wurde. Allerdings lassen sich die Studienergebnisse nicht ohne Weiteres auf Menschen außerhalb der USA übertragen. „Vermutlich spielt die gängige und beliebte Zubereitung der Eier in den USA, beispielsweise mit Speck, eine größere Rolle als das Ei selbst."

„Auf das Gesamternährungskonzept kommt es an“

Die Europäischen Präventions-Leitlinien geben bezüglich des Cholesterin-Konsums keine Empfehlungen mehr ab, auch weil gesättigte Fette eine stärker cholesterinerhöhende Wirkung haben als das mit der Nahrung zugeführte Cholesterin selbst. Eine spanische Studie, die 14.100 Universitätsabsolventen beobachtete, konnte auch in der Gruppe der Personen, die mehr als vier Eier pro Woche verzehrten, kein erhöhtes KHK-Risiko feststellen. „Der Blick beim Essen sollte daher nicht nur auf die einzelne Nahrungskomponente Ei fallen. Vielmehr kommt es auf das Gesamternährungskonzept an", sagt Prof. Gohlke. „Dennoch kann man die neuerlichen Bedenken der US-amerikanischen Kollegen nicht völlig außer Acht lassen."

In einer schwedischen Studie waren bis zu sechs Eier pro Woche nicht mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden, bei höherem Konsum nahm das Risiko jedoch zu. Das würde einer täglichen Cholesterinzufuhr nur durch Ei-Konsum von 240 mg pro Tag entsprechen und damit die Bedenken der neueren US-amerikanischen Studien gegen einen „ungebremsten" Cholesterinkonsum unterstützen. In diesen Studien geht es allerdings um einen dauerhaft hohen Cholesterin- beziehungsweise Eierkonsum und nicht über eine kurzfristig erhöhte Cholesterinzufuhr, wie beispielsweise zu Ostern.

Gesättigte Fette und wo sie zu finden sind

Die Auswirkung der Cholesterinzufuhr durch die Nahrung auf den Cholesterinspiegel im Blutserum ist stark von der übrigen Ernährung abhängig. Ein hoher Anteil an mehrfach ungesättigten Fetten in der Ernährung reduziert die Cholesterinaufnahme. „Je höher jedoch der Anteil der gesättigten Fette in der Nahrung ist, umso stärker fällt die Cholesterinerhöhung aus. Außerdem verstärken die gesättigten Fette die Gerinnungsaktivität im Blut. Dadurch begünstigen sie die KHK, Herzinfarkt und Schlaganfall", sagte Gohlke. Gesättigte Fette sind in erheblichen Mengen, zum Beispiel in Fleisch, Speck, Wurst, Schinken und Schweineschmalz. Gesättigte Fette finden sich zwar auch in Milchprodukten, wie Käse, aber die gesättigten Fette aus der Milch von Kühen, Schafen und Ziegen werden als eher günstig beurteilt.

Mittelmeerküche fürs Herz

Die Erkenntnisse der Metastudie entsprechen den Empfehlungen der kardiologischen Gesellschaften und der Herzstiftung: Patienten mit KHK sollten sich entsprechend der sogenannten Mittelmeerküche ernähren. Das bedeutet: Sie sollten vor allem Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, Raps- und Olivenöl (kein Kokosnuss- oder Palmöl) und Nüsse essen.

Beobachtungsstudien zeigen: Bei 200 Gramm Obst und Gemüse pro Tag sinkt das Risiko für Arteriosklerose. 30 bis 45 Gramm Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Obst und Gemüse sind wünschenswert. Auch Fisch, zirka zwei Mal pro Woche, wirkt sich günstig aus. Industrielle Transfette, die in Chips, Fastfood oder Margarine vorkommen, sollten Sie soweit wie möglich meiden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.07.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung vom 15.04.2019: Erhöhtes Cholesterin im Blut: Schaden Eier der Gesundheit?