Soja unter der Lupe

Untersuchungsergebnisse der Lebensmittelüberwachung zeigen: Sojaerzeugnisse sind selten mit Schimmelpilzgiften belastet. Häufiger werden in Sojabohnen Schwermetalle gefunden.

Sojaprodukte © iStock
(Braunschweig – 28.11.2018) Sojasoße, Sojatrunk, Tofu – Sojaprodukte werden immer beliebter. Soja ist reich an Proteinen und deshalb ein guter Ersatz für tierische Lebensmittel und eignet sich daher für Veganer, Personen mit Laktoseintoleranz oder Kuhmilchallergiker.

Bundesweite Untersuchung von Soja

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat 2016 eine Untersuchung durchgeführt. Dabei wurden 124 Proben Sojabohnen und Sojaerzeugnisse (Mehl, Grieß und Flocken) auf Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) sowie gesundheitlich unerwünschte chemische Elemente untersucht. Bei gut einem Drittel der Produkte war Deutschland als Herkunfts- beziehungsweise Verarbeitungsland angegeben, bei einem weiteren Drittel ein anderer EU-Staat. Rund ein Sechstel der untersuchten Proben stammten von außerhalb der EU. Bei zwölf Prozent konnte die Herkunft nicht ermittelt werden.

Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) in Lebensmitteln

Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) sind Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen. Sie gelangen auf verschiedene Weisen in Lebensmittel und sind in der Natur weit verbreitet. Die wichtigsten Mykotoxine sind: Aflatoxine, Ochratoxin A, Patulin, Fusariumtoxine und Mutterkornalkaloide. Schimmelpilzgifte können beim Menschen zu unterschiedlichen Krankheiten führen. So können sie die Entstehung von Krebs begünstigen, Nieren und Leber schädigen oder Durchfall und Erbrechen verursachen. Die meisten Mykotoxine werden auch durch hohe Temperaturen beim Kochen, Braten und Backen nicht zerstört.

Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) in Soja

Mutterkornalkaloide – auch Ergotalkaloide – werden unter anderem vom Pilz Claviceps purpurea gebildet und können in allen Getreidearten vorkommen. Sojabohnen und Sojaprodukte wurden in dieser Studie zum ersten Mal auf Mutterkornalkaloide untersucht und wiesen vergleichsweise geringe Gehalte auf. Dennoch können neben den für Mutterkornalkaloide anfälligen Getreidearten, wie Roggen, auch in Soja Ergotalkaloid-Befunde auftreten. Auf EU-Ebene wird derzeit diskutiert, ob Höchstgehalte für die Summe von zwölf Ergotalkaloid-Einzelsubstanzen in Getreideprodukten eingeführt werden.

Fusarientoxine können sich auf dem Feld zwischen Blütezeit und Ernte bilden. Eine Untergruppe sind die Trichothecene T-2- und HT-2-Toxin. Bei feuchter und kalter Witterung entstehen Fusarienpilze und damit die Toxine vermehrt. Wie im Jahr 2011 waren auch im Monitoring 2016 keine T-2-/HT-2-Toxine in Soja und seinen Produkten nachweisbar. Bei Sojaflocken traten jedoch einzelne hohe Gehalte bei einer Probe aus Österreich auf. Richtwerte für die Summe der T-2- und HT-2-Toxine gibt es allerdings nur für Getreide und Getreideerzeugnisse.

Höhere Gehalte an Schwermetallen als in anderen pflanzlichen Lebensmitteln

Schwermetalle können in Lebensmitteln – je nach Gehalt – gesundheitliche Schäden verursachen. Deshalb wurden Sojabohnen im Monitoring der Jahre 2011 und 2016 auf Blei, Cadmium, Nickel, Aluminium und Arsen untersucht. Tofu wurde im Jahr 2013 und Sojamehl, Sojagrieß und Sojaflocken 2016 auf diese Elemente hin analysiert. Bei Tofu wurde zusätzlich der Quecksilbergehalt erhoben.

Die Ergebnisse zeigen, dass in Sojabohnen im Vergleich zu anderen Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft höhere Gehalte an Cadmium, Nickel und Aluminium auftreten können. Der Grund: Sojabohnen nehmen in erhöhtem Maße bestimmte Schwermetalle und Elementverbindungen aus dem Boden auf. Zudem wiesen die verarbeiteten Sojaerzeugnisse (Mehl, Grieß und Flocken) höhere Gehalte an Aluminium, Nickel und insbesondere an Cadmium auf als unverarbeitete Sojabohnen. Die Ursachen dafür sind noch unklar. Der Höchstgehalt für Cadmium in unverarbeiteten Sojabohnen wurde allerdings bei keiner Probe überschritten. Im Vergleich zum Monitoring 2011 sind die Cadmiumgehalte um circa 48 Prozent zurückgegangen. Bei Tofu wurden nur geringe Schwermetall-Gehalte gemessen.

Hülsenfrucht auf dem Vormarsch

Der Verzehr der proteinreichen Sojabohnen und Sojaerzeugnisse hat in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen. Zu den Hauptanbauländern von Sojabohnen, sie zählen zu den Hülsenfrüchten, gehören Brasilien, China und die USA. Die Europäische Union bezieht aktuell mehr als 50 Prozent seiner Soja-Einfuhren aus den USA, 40 Prozent stammen aus Brasilien. In Europa wird Soja vor allem in südlichen Ländern wie Italien, Frankreich und Rumänien angebaut. Aber auch in Deutschland nimmt der Anbau zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg 2018 die Anbaufläche in Deutschland auf 23.900 Hektar. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren es 16.400 Hektar. Im Lebensmittelbereich wird in der Regel auf zertifizierte beziehungsweise ökologisch erzeugte Sojabohnen zurückgegriffen – dort darf kein gentechnisch verändertes Soja verwendet werden. Die Labore der Bundesländer untersuchen auch, ob in den Lebensmitteln gentechnisch veränderte Organismen vorhanden sind – das war im Jahr 2016 nicht der Fall.

Inhaltsstoffe von Soja und Allergien

Soja enthält hochwertiges Eiweiß, viele Mineralstoffe und Vitamine, einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen. Soja ist cholesterinfrei und der Sojatrunk wird zum Beispiel als Milchersatz im Sinne einer laktosefreien, milcheiweißfreien und glutenfreien Ernährung verwendet. Allerdings reagieren manche Menschen auch allergisch auf Soja, zum Beispiel Birkenpollenallergiker, da einige Eiweiße in Sojaprodukten dem auslösenden Allergen der Birkenpollen ähnlich sind.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.11.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vom 24.10.2018: Lebensmittel im Blickpunkt: Soja – eine proteinreiche Alternative zu Tierprodukten
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