Radioaktive Folgen: Einige Wildpilze noch immer belastet

Einige Wildpilzarten in Bayern sind nach wie vor radioaktiv belastet – 32 Jahre nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl. Wo und welche Pilzsorten besonders belastet sind und ob beim Verzehr ein gesundheitliches Risiko besteht.

Pilze im Korb © iStock
(Salzgitter – 09.11.2018) 26. April 1986: Reaktor 4 in Tschernobyl explodiert. Das dadurch freigesetzte radioaktive Cäsium belastet bis heute einige Wildpilzarten. Das belegen Messergebnisse des Bundesamts für Strahlenschutz.

Pilzarten, die besonders belastet sind und wo sie wachsen

Bei einigen wild wachsenden Speisepilzen werden immer noch deutlich erhöhte Werte des radioaktiven Cäsium-137, auch Radiocäsium genannt, gemessen. Beispielsweise können frische Braunscheibige und Orangefalbe Schnecklinge oder Rotbraune Semmelstoppelpilze bis zu einige 1.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm aufweisen. Mit einer Mahlzeit kann dem Körper damit mehr Cäsium-137 zugeführt werden als mit Lebensmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion innerhalb eines ganzen Jahres. Gesundheitliche Folgen sind dennoch nicht zu befürchten, wenn selbst gesammelte Wildpilze in üblichen Mengen verzehrt werden. Für Pilze aus dem Handel gilt ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm. Allgemein hat Cäsium-137 eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Das Cäsium-137, das bei dem Tschernobyl-Unfall freigesetzt wurde, ist bisher erst rund zur Hälfte zerfallen.

Die am stärksten belasteten Wildpilze wachsen in Bayern, genauer: im Bayerischen Wald, im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt und in der Region Mittenwald. Diese Gebiete wurden durch den Reaktorunfall zehnmal höher belastet als beispielsweise der Norden Deutschlands. In anderen Regionen sind die Werte von Cäsium-137 in Pilzen entsprechend niedriger.

Belastung von landwirtschaftlichen Produkten: gering

Bei landwirtschaftlichen Produkten insgesamt ist die Belastung infolge des Reaktorunfalls von Tschernobyl aber deutlich zurückgegangen – die aktuellen Messwerte sind gering. Die Werte des Cäsium-137 in landwirtschaftlichen Produkten liegen derzeit in Deutschland im Bereich von einigen Becquerel pro Kilogramm und darunter. In Deutschland werden mit Nahrungsmitteln aus landwirtschaftlicher Erzeugung im Mittel weniger als 100 Becquerel Radiocäsium pro Person und Jahr aufgenommen.

Der Grund warum Wildpilze in den betroffenen Regionen deutlich stärker belastet sein können als landwirtschaftliche Erzeugnisse ist, dass sich Wald- und landwirtschaftlich genutzte Böden stark unterscheiden.

Radioaktive Belastung von Lebensmitteln deutlich zurückgegangen

Insgesamt ist die radioaktive Belastung von Lebensmitteln als Folge des Tschernobyl-Unglücks deutlich zurückgegangen. Das geht aus einem aktuellen Bericht zur Umweltradioaktivität in Deutschland hervor, in dem das Bundesamt für Strahlenschutz und andere Leitstellen des Bundes Messergebnisse aus den Jahren 2014 bis 2016 veröffentlichen. So sind beispielsweise die Werte des Cäsium-137 bei Fischen aus Binnengewässern in Süddeutschland seit 1986 sehr stark gesunken. Bei Milch nimmt die Belastung stetig ab und liegt auf einem niedrigen Niveau. Bei Trink- und Grundwasser sind nahezu alle Messwerte für Radiocäsium sehr gering und liegen weit unterhalb der geforderten Nachweisgrenzen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.11.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung vom Bundesamt für Strahlenschutz vom 17.10.2018: 32 Jahre nach Tschernobyl: Einige Wildpilze noch immer radioaktiv belastet
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