Warum wir bei ungesundem Essen nicht Nein sagen können

Schokolade, Sahnetorte, Chips – oft können wir den süßen und fettigen Verführungen nicht widerstehen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse erklären warum.

Junge schaut auf Törtchen. © iStock
(Köln – 18.07.2018) Nahrungsmittel, die sowohl reich an Fetten als auch Kohlenhydraten sind, haben einen besonders starken Einfluss auf das Belohnungssystem in unserem Gehirn. Daher fällt der Verzicht oft so schwer, fanden Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für Stoffwechselforschung heraus.  

Mangelnde Disziplin ist es nicht. Der Grund warum es so schwer ist, auf ungesunde Nahrung zu verzichten, heißt: Belohnungsreiz. Dieser Reiz hat dem Mensch das Überleben gesichert – heute hat er viele negative Folgen.

Fett- und kohlenhydratreiches Essen aktiviert Hirnareale besonders stark

Sowohl fettiges als auch kohlenhydratreiches Essen aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn – über unterschiedliche Signalwege. Wenn Kohlenhydrate und Fette im Essen zusammen vorkommen, verstärkt sich dieser Effekt. In der Natur gibt es keine Nahrungsmittel, die beides – also  einen hohen Anteil an Fetten und viele Kohlenhydrate – in sich vereinen. Entweder sind sie wie bei Nüssen reich an Fetten, oder wie bei Kartoffeln oder Getreide reich an Kohlenhydraten.  

Eine Ausnahme ist Muttermilch. „Alle Säugetiere kennen Muttermilch.“, sagt Forschungsgruppenleiter Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, der die Studie in Kooperation mit Forschern der Yale Universität in Connecticut durchgeführt hat. „Wahrscheinlich werden wir durch Muttermilch darauf geprägt, besonders intensiv auf Nahrung reich an Kohlenhydraten und Fetten zu reagieren und dieses als besonders belohnend wahrzunehmen, weil dies überlebenswichtig ist.“

Studie: Spiel ums Essen

Die Wissenschaftler wollten wissen, welche Nahrung Menschen bevorzugen: fettreiche, kohlenhydratreiche oder fett- und kohlenhydratreiche. Dazu spielten 40 Freiwillige gegen einen Computer um Essen. Um ein Lebensmittel zu erspielen, mussten die Probanden den Computer überbieten. Dabei wurde untersucht wie viel die Teilnehmer für ein Lebensmittel zahlen würden. Das Ergebnis: Für das fett- und kohlenhydratreiche Essen wurde das meiste Geld geboten – es war also für die Studienteilnehmer am attraktivsten.  

Während des Spielens zeichneten die Forscher die Gehirnaktivität der Probanden in einem Magnetresonanztomografen (MRT) auf. Die Messungen zeigten, dass eine Kombination aus Fetten und Kohlenhydraten die Gehirnareale des Belohnungssystems intensiver aktiviert als die anderen angebotenen Lebensmittel. Dieser Befund stimmt also mit den Ergebnissen des Spiels überein.

Belohnung ist stärker als Sättigungsgefühl

Der Belohnungsreiz hat in der Evolution zum Überleben der Menschheit beigetragen – heute leiden allerdings viele darunter. „Wir sind nicht dazu gemacht, ständig nein zu sagen. Deshalb hören wir meistens nicht auf zu essen, obwohl wir satt sind.“, sagt Tittgemeyer. Offenbar überlagern die Belohnungssignale das Sättigungsgefühl – Übersättigung und Übergewicht sind die Konsequenzen.  

Dazu kommt: Für Menschen ist es schwerer die Nährwerte von fett- und kohlenhydratreichem Essen richtig einzuschätzen. Wenn die Forscher die Studienteilnehmer nach dem Kaloriengehalt der dargebotenen Lebensmittel fragten, gelang ihnen das bei den fett- oder kohlenhydratreichen Essen relativ genau. Bei fett- und kohlenhydratreichem Essen lagen sie dagegen oft daneben. Essen, das gleichzeitig reich an Fetten und Kohlenhydraten ist, liefert nicht automatisch mehr Kalorien.

Auswirkung der Studie

Die Erkenntnisse könnten für die Behandlung von Menschen mit Übergewicht eine wichtige Rolle spielen. Vor allem wenn Essen zur Sucht wird, ist die Behandlung des Konsumverhaltens von großer Bedeutung und ein grundlegender Schritt aus der Sucht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.07.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns vom 15.06.2018: Fett- und kohlenhydratreiches Essen aktiviert Hirnareale besonders stark.
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung