Orangensaft zu Unrecht unter Verdacht

Orangensaft macht dick und führt zu Gicht. Das ist falsch. Ein Glas Orangensaft zum Essen bewirkt keine Gewichtszunahme, zudem senkt der Saft signifikant den Harnsäure-Spiegel und kann somit Gicht entgegenwirken. Das fanden Wissenschaftler der Universitäten Kiel und Hohenheim heraus.

Orangensaft © iStock
(Stuttgart, Kiel – 16.07.2018) Orangensaft schadet nicht. Im Gegenteil. In zwei Humanstudien fanden Wissenschaftler der Universitäten Kiel und Hohenheim heraus, dass der regelmäßige Genuss von Orangensaft den Harnsäure-Spiegel senken und somit Gicht entgegenwirken kann. Zu den Mahlzeiten getrunken, konnten Forscher außerdem keine Gewichtszunahme durch Fruchtsaft beobachten.

Hintergrund: Zucker in Fruchtsäften

Übergewicht und Gicht – seit einigen Jahren gelten Limonaden und Fruchtsäfte als Mitverursacher. Der Grund: ihr hoher Gesamtzuckergehalt. Oft ist in Fruchtsäften eine ähnliche Menge an Zucker wie in Limonaden. Einige Ernährungswissenschaftler sind der Meinung Fruchtsäfte sind ebenso ungesund wie Cola-Getränke, an manchen Kindergärten und Grundschulen werden Säfte nicht mehr angeboten.

Studienaufbau: Cola versus Orangensaft

Ernährungswissenschaftler der Universität Hohenheim und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel überprüften nun in einer Studie, ob Orangensaft dieselben negativen Folgen auf die Gesundheit hat wie Limonaden. Dazu führten sie zwei Studien durch, bei der 26 junge, gesunde Teilnehmer 20 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs über zwei Wochen entweder mit koffeinfreier Cola oder mit Orangensaft deckten. „Bei dem Saft waren das bei den meisten Probanden rund 1,2 Liter, bei Cola etwa ein Liter täglich“, sagt Prof. Dr. Reinhold Carle von der Universität Hohenheim. Im Sinne einer sogenannten Cross-over-Studie gab es für die Teilnehmer nach den ersten 14 Tagen eine Auswaschungsphase von einer Woche, dann stiegen die Orangensaft-Trinker auf Cola um und umgekehrt.

Gegen Gicht: Orangensaft senkt Harnsäurespiegel

In der ersten Studie stand die Frage im Mittelpunkt, wie Cola beziehungsweise Orangensaft die Harnsäure beeinflusst. Ein hoher Harnsäurespiegel gilt als Risikofaktor für Gichterkrankungen. Das Ergebnis: „Auch bei diesem sehr hohen Konsum führte Orangensaft im Unterschied zu Cola zu keiner Beeinträchtigung des Glukosestoffwechsels. Der Harnsäurespiegel wurde sogar signifikant gesenkt.“, sagt die Ernährungsmedizinerin Prof. Dr. Anja Bosy-Westphal von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Am deutlichsten senkte sich der Harnsäurespiegel, wenn zu Beginn ein höherer Ausgangsspiegel vorlag. „Für den Harnsäure-senkenden Effekt des Orangensaftes kommt sowohl die Vitamin C-Aufnahme durch den Saft und sein Gehalt an Flavonoiden, insbesondere Hesperidin, in Betracht“, sagt Prof. Anja Bosy-Westphal.  

Vitamin C fördert die Ausscheidung von Harnsäure. Wenn regelmäßig Orangensaft getrunken wird, kann verhindert werden, dass sich der Harnsäurespiegel erhöht. Dieser Effekt ist für Hesperidin im Tierversuch bereits gezeigt worden. „Und wenn die Auskristallisation der Harnsäure in Gelenken und Geweben gehemmt ist, kann das wiederum der Entstehung von Gicht vorbeugen“, sagt Prof. Bosy-Westphal.

Körperfett: keine Zunahme durch Saft zu den Mahlzeiten

Bei der zweiten Studie deckten die Probanden ebenfalls 20 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs über Orangensaft. Zwei Wochen lang tranken sie dreimal täglich 400 ml Orangensaft zu den drei Mahlzeiten. Im zweiten Teil der Studie tranken sie den Saft zwischen den Mahlzeiten. „Wir zeigten, dass auch dieser sehr hohe Konsum keine negativen Auswirkungen auf das Körpergewicht hatte – wenn der Saft nicht zwischendurch, sondern zum Frühstück, Mittag- und Abendessen getrunken wurde“, sagt Prof. Bosy-Westphal. „Zum Essen getrunken, verringert der Saft die spontane Energieaufnahme mit der Mahlzeit entsprechend und passt sie an.“ Bei einem Konsum zwischen den Mahlzeiten verzeichneten die Wissenschaftler allerdings einen leichten Anstieg des Körperfetts.

Was wir daraus lernen? Ein Gläschen Saft pro Tag ist gesund.

Fruchtsaft kann in der üblichen Verzehrmenge ohne Bedenken getrunken werden. Die Forscher empfehlen ein Glas Fruchtsaft pro Tag. „Orangensaft ist eine gute Quelle für Kalium, Folsäure und Vitamin C. Er enthält bioaktive Stoffe wie Carotinoide und Polyphenole mit guter Bioverfügbarkeit“, sagt Prof. Dr. Carle. „Ein Glas Fruchtsaft zum Beispiel zum Frühstück kann eine der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag ersetzen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.07.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Gemeinsame Pressemitteilung der Universitäten Hohenheim und Kiel vom 21.06.2018: Zucker im Orangensaft: Neue Studien geben Entwarnung – Saft senkt Gicht-Risiko.
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung