Mehr Schaden als Nutzen? Nahrungsergänzungsmittel aus der Natur

Mit Pyrrolizidinalkaloiden (PA) halten Pflanzen Fressfeinde fern. Allerdings können diese Stoffe die menschliche Leber schädigen – im Tierversuch wirkten sie erbgutverändernd und krebsauslösend. Besonders hoch kann der Gehalt an PA in bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln sein.

Nahrungsergänzungsmittel © iStock
(Berlin – 27.06.2018) Gut für die Pflanze, schlecht für den Menschen: Pyrrolizidinalkaloiden (PA). Diesen sekundären Pflanzenstoff bilden Wildkräuter wie Huflattich, Beinwell, Borretsch, Lungenkraut, Steinsamen oder Pestwurz.

Pyrrolizidinalkaloide: die Waffe der Pflanzen und ihre Verbreitung

Der Pflanzenwirkstoff Pyrrolizidinalkaloiden (PA) schützt die Pflanze – er hält natürliche Fressfeinde ab. Für den Menschen ist er weniger nützlich, denn er kann die Leber schädigen. Tierversuche haben gezeigt, dass er erbgutverändernd und krebsauslösend wirken kann.    

Über PA-bildende Wildkräuter, die auf den Anbauflächen von Kulturpflanzen wachsen, kann der Pflanzenstoff in die Lebensmittelkette gelangen. Außerdem gibt es Nahrungsergänzungsmittel, die aus PA-bildenden Pflanzen wie Borretsch, Huflattich oder Wasserdost bestehen.

Neue, höhere Risikobewertung von Pyrrolizidinalkaloiden

Auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) – im Rahmen der Auswertung toxikologischer Daten – hat das Bundesinstituts für Risikobewertung BfR seine Risikobewertung zu PA in Lebensmitteln aktualisiert. Es berücksichtigte dabei die Aufnahme von PA aus allen wichtigen Lebensmittelgruppen. Als besondere Quelle fielen erneut Nahrungsergänzungsmittel mit Bestandteilen von PA-bildenden Pflanzen auf. Sie hatten den höchsten PA-Gehalt. „Die dem Bundesinstitut für Risikobewertung zur Verfügung stehenden Daten zeigen, dass Nahrungsergänzungsmittel, die PA-bildende Pflanzen oder Pflanzenteile enthalten, erheblich zur Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden beitragen“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR.

Erhöhtes Risiko bei Nahrungsergänzungsmitteln

„In einigen Nahrungsergänzungsmitteln ist der Gehalt so hoch, dass bereits nach kurzfristigem Verzehr toxische Wirkungen möglich sind.“, sagt Prof. Hensel. Der höchste Wert wurde in der Kapsel eines Nahrungsergänzungsmittels gemessen, die Wasserdost (Eupatorium cannabinum) enthielt. Weitere PA-bildende Pflanzen die in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden, sind: Huflattich, Beinwell, Borretsch, Lungenkraut, Steinsamen und Pestwurz.  

In mehr als der Hälfte der untersuchten Proben von Nahrungsergänzungsmitteln wurden Pyrrolizidinalkaloide  gefunden – der PA-Gehalt war unterschiedlich hoch. Das BfR und die EFSA sind sich einig: Das Auftreten akut-toxischer Wirkungen – das heißt eine schädigende Wirkung tritt innerhalb von 14 Tagen auf – durch den Konsum bestimmter Nahrungsergänzungsmittel, die auf PA-bildenden Pflanzen basieren, ist möglich.  

Auch Präparate mit Johanniskraut waren in fast jeder untersuchten Probe mit PA belastet. Da Johanniskraut nicht als PA-bildende Pflanze bekannt ist, stammen die gemessenen Pyrrolizidinalkaloide in diesen Fällen vermutlich aus der Verunreinigung mit anderen Wildkräutern.

Fazit: Schaden oder Nutzen?

Wenn man entsprechende Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte man zwischen folgenden Punkten abwägen: dem nicht gesicherten gesundheitlichen Nutzen durch das Nahrungsergänzungsmittel, möglichen Leberschädigungen und möglichen gesundheitlichen Risiken im Hinblick auf erbgutverändernde und krebsauslösende Wirkungen von PA. Das BfR empfiehlt: Nahrungsergänzungsmittel, die PA-haltige Pflanzen oder Pflanzenteile enthalten, nicht zu verwenden. In ölbasierten Extrakten wurde allerdings kein PA gefunden. Grundsätzlich empfiehlt das Bundesinstituts für Risikobewertung Verbraucherinnen und Verbrauchern Abwechslung und Vielfalt bei der Auswahl der Lebensmittel.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.06.2018
  • Autor/in: vitanet.de; kw
  • Quellen: Pressemitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom 14.06.2018: Riskante Nahrungsergänzung aus der Natur.
  • Stellungnahme vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vom 14.06.2018: Aktualisierte Risikobewertung zu Gehalten an 1,2-ungesättigten Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in Lebensmitteln, online unter www.bfr.bund.de, (Stand: 19.06.2018).
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