Gefahr aus Kern und Stiel

Der Verzehr verschiedener Pflanzenteile als Nahrungsergänzung boomt gerade – doch er ist nicht immer ungefährlich. Worauf Sie achten sollten.

Aprikosen © iStock
(Düsseldorf – 18.09.2017) Gel aus Aloe-Vera-Pflanzen und Pulver aus Avocado- oder Aprikosenkernen werden schon lange teuer als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Mithilfe von Blogs und Foren verbreitet sich das Selbstverwerten von angeblich gesundheitsfördernden Kernen, Stümpfen und Stielen. Unzählige Rezepte zum Verzehr mit gemahlenen Obstkernen, geschnittenen Kirschstielen oder Fruchtfleisch aus Blättern der Aloe Vera kursieren zum Nachahmen im Internet.  

„Doch nicht jeder Kern oder jeder letzte Pflanzenrest, der mit einer Küchenmaschine zu Pulver oder Brei verarbeitet und pur oder als hippe Zutat für Müsli oder Smoothie gegessen wird, ist dafür geeignet und gesund“, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Einige Pflanzenbestandteile enthalten gefährliche Stoffe, deshalb gehören sie in die Tonne und haben mit gesunder Nahrungsergänzung nichts zu tun.“ Worauf Sie achten sollten und welche Pflanzenteile und Stoffe besonders bedenklich sind, erfahren Sie hier.

Die Menge macht’s!

Wer ein paar Apfelkerne oder Kirschkerne verschluckt, muss bei kleinen Mengen nichts befürchten. Doch zermahlen oder gekaut drohen in höheren Dosen solcher selbstgemachter Nahrungsergänzung Gefahren. Für die in Blogs und Foren versprochenen gesundheitlichen Wirkungen gibt es zudem keinerlei gesicherte wissenschaftliche Belege.

Vorsicht bei Obstkernen

Sie sollen vor Krebserkrankungen schützen und reich an Vitaminen sein. Stattdessen enthalten bittere Aprikosenkerne ebenso wie Bittermandeln oder Kirschkerne Substanzen, die bei der Verdauung Blausäure bilden. In hohen Dosen kann diese Substanz zu schweren akuten Vergiftungen mit Krämpfen, Erbrechen und Atemnot führen. Erwachsene sollten deshalb nicht mehr als ein bis zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag verzehren oder vorsorglich besser ganz darauf verzichten.

Avocadokerne: Wirkung nicht bewiesen

Bislang ist nicht bewiesen, ob das Innere von Avocados das Immunsystem stärken, Entzündungen vorbeugen, den Stoffwechsel und den Cholesterinwert ins Lot bringen kann. Ob die in den Kernen enthaltene Menge an toxischem Persin und anderen Stoffen ungefährlich sind, kann aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung noch nicht ausreichend bewertet werden. Von einem Verzehr wird daher abgeraten.

Tee aus Kirschstielen: Achtung, Schimmelgefahr!

Die Gerbstoffe in Kirschstielen sollen schleimlösend bei hartnäckigem Husten wirken und beim Abnehmen helfen. Tatsächlich wirken sie vor allem entwässernd. Wer selbst gesammelte Kirschstiele als Tee aufbrüht, sollte darauf achten, dass die Stiele gut getrocknet sind. Sonst besteht die Gefahr von Schimmel und krebserregenden Schimmelpilzgiften. Sicherer ist es, fachkundig verarbeitete Kirschstiele in der Apotheke zu kaufen. Gemahlene Kirschstiele gehören nicht ins Essen.

Bedenkliche Aloe-Vera-Blätter

Die tropische Aloe Vera ist für die äußerliche Anwendung als Heilpflanze anerkannt. Für die Einnahme als Gel oder Saft gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise. Auch für eine Gewichtsreduktion liegen keine Belege vor. Beim Verzehr aus selbst gezogenen Pflanzen sollten Sie darauf achten, dass Sie nur das Innere des Blattes – also das Pflanzengel – verwenden. Die Blattrinde muss sehr großzügig entfernt werden, denn sie enthält stark abführende Anthrachinone. Außerdem können krebserregende und erbgutschädigende Wirkungen dieser Stoffe nicht ausgeschlossen werden. Sicherer – weil frei von abführenden und krebserregenden Substanzen – ist ein Aloe-Vera-Gel aus der Drogerie oder dem Supermarkt.

Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel mit dem Arzt besprechen

Grundsätzlich sollten Sie auf die Eigenherstellung von Ess- und Trinkbarem aus Kernen und Stielen – auch aus dem eigenen Garten – besser verzichten. Auch vom Genuss solcher Produkte aus dem Internethandel ist eher abzuraten. Eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollten Sie vorher immer mit Ihrem Hausarzt oder einem Ernährungsberater besprechen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.09.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Gefahr in Kern, Blatt und Stiel: Pflanzenteile für die Tonne und nicht zur Nahrungsergänzung
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