Ernährungstrends im Check

Low Carb, Paleo, vegane Ernährung und Superfoods sind in aller Munde. Doch wie gesund sind diese Trends und taugen sie zum Abnehmen?

Joghurt mit Beeren und Müsli © iStock
(Wiesbaden – 02.03.2017) Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Krebs – krankhaftes Übergewicht erhöht das Risiko für zahlreiche chronische Krankheiten. Trotzdem schaffen es viele adipöse Menschen nicht, gesund ihr Gewicht zu senken. Eine Ernährungsumstellung kann Abhilfe schaffen, doch nicht alle aktuellen Diättrends halten, was sie versprechen. Von Low Carb über Paleo und vegan bis hin zu Superfoods: Welche Ernährungskonzepte sind aus medizinischer Sicht wirklich empfehlenswert?

„Ernährungstrends sind in den Medien ein großes Thema. Das ist prinzipiell erfreulich, da Über- und Fehlernährung der wichtigste Risikofaktor für die Krankheitslast in der deutschen Bevölkerung ist“, sagt Prof. Dr. Hans Hauner, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin am Klinikum rechts der Isar der TU München. „Doch viele Diättrends werden aus wirtschaftlichen Interessen platziert – eine wachsende Zahl von Herstellern und Vertreibern generiert damit jährlich Milliardenumsätze.“ Low Carb, die Paleo-Diät und vegane Ernährung werden seit einigen Jahren vor allem als Mittel zur gesunden Gewichtsabnahme propagiert, doch nicht alle überzeugen den Ernährungsmediziner.

Low-Carb-Diäten: Diabetespatienten können profitieren

Verschiedene Low-Carb-Diäten implizieren generell eine kohlenhydratarme Kost. Das ist aus Expertensicht empfehlenswert: „Eine Senkung des Kohlenhydratanteils auf 30 bis 40 Prozent der Gesamtenergieaufnahme bei gleichzeitiger Erhöhung des Fett- und Proteinverzehrs schneidet in Einzelaspekten besser ab als die klassischen fettarmen, kohlenhydratreichen Ernährungsformen“, so Hauner. Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 könnten von einer Low-Carb-Ernährung besonders profitieren.

Paleo-Diät bei metabolischem Syndrom

Für Patienten mit dem sogenannten metabolischen Syndrom, bei denen der Kohlenhydrat-Stoffwechsel gestört ist und die zugleich adipös sind, ist laut Hauner eine Paleo-Diät denkbar. Das an steinzeitlicher Ernährung orientiere Konzept überzeugt den Experten zwar nicht gänzlich: Denn was in der Steinzeit gerade zum Überleben reichte, müsse heute nicht zwangsläufig als Ernährungsvorbild fungieren. „Bei Paleo-Diäten handelt es sich um eine proteinreiche Kost, die auf Getreide- und Milchprodukte sowie moderne, verarbeitete Lebensmittel weitgehend verzichtet“, erklärt der Ernährungswissenschaftler. Die Wirksamkeit dieser Nährstoffzusammensetzung und der Energiegehalt seien günstig und zudem durch kleinere Studien nachgewiesen.

Vegane Kost und Superfoods sieht der Experte kritisch

Kritischer beurteilt der Experte hingegen vegane Kost, bei der auf alle tierischen Produkte inklusive Milch und Milchgetränken sowie auf Eier verzichtet wird. „Die Ernährungszusammensetzung ist dabei verhältnismäßig einseitig und erfordert gute Kenntnisse und Disziplin, um den Nährstoffbedarf des Menschen zu sichern“, sagt Hauner. Kritisch sei vor allem die Versorgung mit Vitamin B12 und Jod zu sehen. Lediglich wenige kleine Studien mit veganer Ernährung zeigten günstige Effekte auf das Körpergewicht und damit assoziierte Risikofaktoren wie Diabetes mellitus Typ 2.  

Noch skeptischer beurteilt der Ernährungsmediziner die sogenannten „Superfoods“, bei denen es sich um einzelne Lebensmittel wie Samen, Beeren und Nüssen – meist exotischen Regionen – handelt. „Diesen Produkten wird eine besonders hohe gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen – häufig werden sie jedoch einfach zu höheren Preisen verkauft als vergleichbare herkömmliche Lebensmittel“, so Hauner. Das lässt sich etwa am Beispiel von Chiasamen zeigen, die keine Vorteile gegenüber den einheimischen Leinsamen haben – aber zu fünf- bis zehnfach höheren Preisen verkauft würden. Bei den Superfoods fehlen wissenschaftliche Studien meist völlig oder sie sind wegen methodischer Mängel wertlos“, sagt der Experte.

Vom Arzt beraten lassen

„Welche Diät zu welchen Anforderungen und Bedürfnissen passt, besprechen Patienten am besten mit ihrem Arzt“, rät Prof. Dr. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). „Die Ernährungsumstellung ist vor allem bei stark übergewichtigen Menschen nur Teil eines umfassenden Konzepts, das auch einen Bewegungsplan und bei Bedarf psychische Beratung einbezieht“, so der Gastroenterologe. Entscheidend sei zudem, die Diät auch auf mögliche weitere Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Diabetes mellitus abzustimmen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.03.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin: Mit Paleo und Superfood schlank und gesund? Internisten beleuchten aktuelle Ernährungstrends
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