Schlecht kombiniert

Bestimmte Lebensmittel können zusammen mit Medikamenten zu Wechselwirkungen führen. Welche Kombinationen Sie vermeiden sollten.

Grapefruit und Medikamente © Thinkstock
(Köln – 25.02.2016) Viel hilft viel, denkt so mancher während der kalten Jahreszeit – und kompensiert mangelnde Sonnenstunden und Bewegung mit Vitamin-Tabletten oder einer Extraportion Obst und Gemüse. Klingt gesund, kann sich aber ins Gegenteil verkehren, falls gleichzeitig Medikamente eingenommen werden. Denn die Ernährung kann die Wirkung von Arzneimitteln stark verändern, warnt Prof. Dr. Martin Wehling vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Die Folgen können erheblich, wenn nicht sogar tödlich sein.

Veränderte Wirkung von Arzneimitteln

Altersmediziner wissen es schon lange: Nehmen ältere Patienten zu viele Medikamente gleichzeitig ein, steigt durch diese Polymedikation – auch Multimedikation oder Polypharmazie genannt – die Wahrscheinlichkeit von unerwünschten Wechsel- und Nebenwirkungen. Aber auch als gesund geltende Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Arzneimitteln verändern – und das ganz unabhängig vom Alter der Person.

„Es gibt nicht ohne Grund immer den Hinweis in Beipackzetteln, ob ein Medikament vor, beim oder nach dem Essen eingenommen werden soll“, sagt der Experte. „Das muss beachtet werden, sonst kommt vom Wirkstoff im Blut entweder zu wenig oder zu viel an. So muss beispielsweise das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin eine halbe Stunde vorher eingenommen werden, sonst interagiert es mit dem Essen und wird nicht richtig freigesetzt.“

Hierbei geht es Prof. Dr. Martin Wehling weniger um Nahrungsergänzungsmittel oder Immunpräparate, sondern um natürliche, unveränderte Lebensmittel. „Das Problem ist, dass die Leute glauben: Alles Pflanzliche ist gut, alles Chemische ist schlecht“, so der Pharmakologe. „Dabei kann auch Pflanzliches wie Johanniskraut und Grapefruit richtig giftig sein.“

Wechselwirkungen mit Johanniskraut

Eine Warnung, die überrascht. Gilt Johanniskraut doch als Hausmittel mit stimmungsaufhellendem, stabilisierendem und angstlösendem Effekt. „Je nach Menge verursacht Johanniskraut drastische Wechselwirkungen“, sagt Wehling. Die Wirksamkeit von Statinen sei herabgesetzt, die Wahrscheinlichkeit für eine Digoxinvergiftung steige – ebenso das Risiko für eine Herz- oder Nierenabstoßung nach einer Transplantation. Außerdem gelte: „Vor einer Operation sollte Johanniskraut mindestens für fünf Tage abgesetzt werden, sonst kann es zu verstärkten Blutungen kommen.“

Wechselwirkungen mit Grapefruit

Ähnlich vernichtend auch das Urteil zur Grapefruit: „Sie ist ein Beispiel dafür, dass ein Nahrungsmittel keinen Ergänzungsstoff braucht, um richtig giftig zu werden“, so Wehling. Demnach führt der Stoff, der die Frucht bitter macht, zu massiven Interaktionen bei der Einnahme von Arzneimitteln: Neben der Bioverfügbarkeit verändert sich die Wirksamkeit von Immunsuppressiva, Statinen und Kalziumantagonisten, was besonders für Herz- und Krebspatienten schwerwiegende Folgen haben kann. Der Experte rät deshalb: „Essen Sie keine Grapefruit wenn Sie Arzneimittel einnehmen. Der Nutzen ist zu gering, die Gefahren sind zu groß.“

Ginkgo kann die Wirkung von Blutverdünnern verstärken

Als fast genauso überflüssig stuft Wehling die Einnahme von Ginkgo-Präparaten ein. Diese erfreuen sich aufgrund ihrer angeblich positiven Wirkung bei Gedächtnis-, Konzentrations- und Durchblutungsstörungen sowie bei Schwindel, Ohrensausen und Kopfschmerzen großer Beliebtheit – was der Experte deutlich anders sieht: „Es ist ein völlig überflüssiges Mittel mit nur einer bekannten Wirkung – nämlich dass es Blutungen auslösen beziehungsweise die Wirkung von blutverdünnenden Arzneien verstärken kann.“

Zu viel Lakritz kann zu Bluthochdruck führen

Auch für Naschkatzen hat der Experte schlechte Nachrichten: Wer eine Tüte Lakritz am Tag isst, riskiert Bluthochdruck. Dies wird verursacht durch das Glycyrrhizin, das in der Wurzel der Süßholzpflanze vorkommt.

Positive und negative Wirkungen von Koffein

Koffein wiederum kann bei Personen, die an einer Herzmuskel- oder Herzkranzgefäßerkrankung leiden, ganz erhebliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Noch gravierender sei das dem Experten zufolge bei Energydrinks: „Das ist wirklich giftig, weil es extreme Mengen an Koffein und anderen Stoffen enthält.“

Für Wehling ist das Problem auf einen Punkt zurückzuführen: „Koffein ist von seinen ganzen Charakteristika ein hochwirksames Medikament. Nur weil es in der Nahrung natürlich vorkommt, wird es nicht als solches untersucht und mit entsprechenden Gefahrenhinweisen versehen.“

Doch Koffein hat auch einen positiven und überraschenden Effekt speziell für alte Menschen. „Wenn man Patienten mit prädemenziellem Syndrom, die an Schlaflosigkeit leiden, abends Kaffee gibt, dann werden sie ruhiger. Das sorgt für eine sogenannte paradoxe Schlafförderung. Abhängig von der individuellen Konstitution kann Koffein also ganz unterschiedliche Wirkungen haben.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.02.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie: Wechselwirkungen von Medikamenten und Lebensmitteln: „Johanniskraut und Grapefruit können richtig giftig sein“
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