Achtung, Weichmacher!

Meist nehmen wir den Weichmacher DEHP nur in geringen Mengen mit der Nahrung auf. Doch es gibt Ausnahmen – die verhindert werden könnten.

Plastikmüll © Thinkstock
(Dessau-Roßlau – 27.05.2013) DEHP ist die Abkürzung für Di(2-ethylhexyl)phthalat. Die Substanz gehört zu den am häufigsten verwendeten Weichmachern. Sie hält Kunststoffprodukte aus PVC geschmeidig. Eine neue Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), die im Auftrag des Umweltbundesamts durchgeführt wurde, zeigt nun: Menschen nehmen DEHP hauptsächlich über die Nahrung auf. Und: Es kann in seltenen Fällen nicht ausgeschlossen werden, dass gesundheitlich tolerierbare Aufnahmemengen überschritten werden.

Der Weichmacher DEHP wurde von der Europäischen Union, wie einige andere Phthalate auch, als reproduktionstoxisch eingestuft. Das bedeutet: Es besteht Grund zu der Annahme, dass DEHP durch seine hormonähnliche Wirkung die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit beziehungsweise die Entwicklung von Kindern im Mutterleib negativ beeinflussen kann.

In der Regel nur geringe Mengen

Jugendliche und Erwachsene nehmen DEHP hauptsächlich über Lebensmittel auf. Die Aufnahmemenge ist für die große Mehrheit der Verbraucher in der Regel aber gering, sodass kein Gesundheitsrisiko besteht.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für DEHP eine tägliche Menge von maximal 50 Mikrogramm festgelegt, die täglich ein Leben lang je Kilogramm Körpergewicht aufgenommen werden kann (Tolerable Daily Intake, TDI-Wert), ohne dass eine gesundheitsschädliche Wirkung eintritt. Beim Verzehr von Lebensmitteln nehmen Jugendliche und Erwachsene in Deutschland derzeit durchschnittlich 13 bis 21 Mikrogramm DEHP je Kilogramm Körpergewicht am Tag auf. Wenn allerdings Lebensmittel mit dauerhaft sehr hohen DEHP-Gehalten verzehrt werden, kann der TDI-Wert nach Schätzung des BfR zeitweise auch überschritten werden. Dies ist bei etwa einem Prozent der Verbraucher der Fall.

Mehr DEHP bei Kindern

Die DEHP-Aufnahme bei Kindern erfolgt nur etwa zur Hälfte über die Nahrung. Sie nehmen den Weichmacher zusätzlich über Hausstaub und Verbraucherprodukte sowie Spielzeug auf. Das betrifft insbesondere Kinder, die sich viel auf dem Fußboden aufhalten. Bei ihnen kann die DEHP-Aufnahme dadurch höher sein als bei Jugendlichen und Erwachsenen. In der Studie wurde für Kinder eine Aufnahmemenge von 15 bis 44 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag geschätzt. Diese durchschnittliche Aufnahmemenge liegt jedoch ebenfalls noch unterhalb des TDI-Werts.

Welche Lebensmittel enthalten DEHP?

Alle Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Fett, Getreide, Obst, Gemüse und Milch beziehungsweise Milchprodukte können mit der Chemikalie belastet sein. Im Vergleich zu loser, unverarbeiteter Ware wiesen fetthaltige Würzsoßen wie Mayonnaise und ölhaltige Fertigprodukte wie Gemüse und Fisch aus Gläsern und ölhaltigen Konserven wesentlich höhere DEHP-Werte auf. Lebensmittel können DEHP und andere Weichmacher insbesondere während der Verarbeitung oder aus ihrer Verpackung aufnehmen. Daher wurde 2007 die Verwendung von DEHP als Weichmacher in Verpackungen fetthaltiger Lebensmittel verboten. In der EU darf DEHP ab 2015 nicht mehr ohne Zulassung für die Herstellung von Verbraucherprodukten verwendet werden. Da der Stoff jedoch durch Importprodukte weiterhin eingeführt werden darf und in der Umwelt weitverbreitet ist, lässt sich nicht ausschließen, dass Spuren davon in Lebensmitteln vorkommen können.

Wie kann man vermeiden, viel DEHP aufzunehmen?

Die Aufnahme von DEHP lässt sich im Alltag mit einfachen Verzehrs- und Hygienemaßnahmen verringern. Hierzu gehört, dass Speisen häufig frisch zubereitet, wenig Fertigprodukte verwendet sowie Produktmarken öfter gewechselt werden. Denn gleiche Lebensmittel können je nach Herkunft und Hersteller unterschiedliche Mengen an DEHP enthalten. Außerdem empfiehlt es sich, Böden und Teppichböden häufiger zu reinigen. Für Kleinkinder ist es wichtig, dass sie möglichst nur Sachen in den Mund nehmen, die dafür gedacht sind. Obwohl der Stoff in Spielzeug und Kinderartikeln seit 1999 verboten ist, wird er gelegentlich in solchen Produkten nachgewiesen. Auch älteres Spielzeug, das vor in Kraft treten des Verbots auf den Markt kam, kann DEHP enthalten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.05.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Umweltbundesamt
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