Deutsche genießen nicht

Wir kochen selbst und genießen bewusst? Weit gefehlt. Die Deutschen essen einer Studie zufolge nebenbei und oft Fertiggerichte.

Mann isst vor Fernseher © Thinkstock
(Hamburg – 05.03.2013). Das Abendbrot vor dem Fernseher, die Currywurst unterwegs auf der Hand oder das schnelle Mittagessen im Büro zwischen Akten, Mails und Telefon – der Stellenwert des Essens in der heutigen Gesellschaft ist ein anderer geworden, als er früher einmal war. Bei fast jedem zweiten Bundesbürger verkommt der Genuss von Lebensmitteln zur Nebensache, lautet eines der Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Studie zum Ernährungsverhalten im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

„Das Hauptproblem ist, dass kein wirkliches Bewusstsein für Essen mehr vorhanden ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Baas. Essen müsse heute eine Funktionalität erfüllen, erklärte er. Es müsse satt machen und gut schmecken. Doch daneben sollte es „möglichst wenig Aufwand machen und ganz gut nebenher funktionieren“. Vor allem junge Menschen sind der Studie zufolge beim Essen kaum noch bei der Sache. Vier von zehn der unter 25-Jährigen schauen beim Essen fern, surfen nebenbei im Internet oder blättern in einer Zeitschrift. Bei den 26- bis 35-Jährigen lag der Anteil noch bei 37 Prozent.

Statt Selbstgekochtem oft Fertiggerichte auf dem Teller

Immer mehr Berufstätigen fällt es schwer, eine gesunde Ernährung mit der Beschäftigung zu verbinden. Nur jeder Zweite kommt während der Arbeit dazu, in Ruhe zu essen. „Ein Drittel aller Berufstätigen beklagt, dass eine gesunde Ernährung bei der Arbeit schlichtweg nicht möglich ist“, sagt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner. Statt tagsüber zu essen, passiere es dann – gerade bei Männern – oft, dass abends besonders viel gegessen werde.

In den eigenen vier Wänden landen der Studie zufolge statt Selbstgekochtem oft Fertiggerichte auf dem Teller. Lediglich in der Hälfte der Haushalte gibt es täglich ein selbstgekochtes Mahl mit frischen Zutaten, während vier von zehn Befragten mindestens ein- bis zweimal in der Woche zu Tütensuppe oder Tiefkühlpizza greifen. Bei den unter 25-Jährigen ist der Anteil sogar noch größer.

Besonders bei Männern und jungen Menschen steht laut der Studie das Motto „Hauptsache gesund!“ nicht mehr im Vordergrund. So gaben 74 Prozent der befragten Frauen an, sich immer bis überwiegend gesund zu ernähren, während mit 52 Prozent nur gut die Hälfte der Männer diesem Punkt zustimmte.

Keine Zeit, keine Lust, kein Geld

Auch Einkommen und Bildungsstand haben der Studie zufolge Einfluss auf den Speiseplan: Je höher Schulbildung und Einkommen, desto gesünder sei, was auf den Tisch kommt. Oft ist Zeitmangel der Grund, sich nicht selbst an den Herd zu stellen. Dies beklagte über die Hälfte der Befragten – bei den unter 25-Jährigen betrug der Anteil sogar fast drei Viertel. Auch der innere Schweinehund siegt oft über die eigenen guten Vorsätze – oder eben der Geldbeutel. So gab jeder Fünfte an, es fehle das nötige Geld, um sich gesund zu ernähren.

Es sei aber nicht allein eine Frage des Geldbeutels, gut zu essen, sagt Ernährungsmedizinerin Ute Gola. „Es geht darum, Verantwortung für die Gesundheit des eigenen Körpers zu übernehmen“, erklärt sie. Ihrer Meinung nach müsse Prävention daher möglichst früh und direkt auf die Lebenssituation der Menschen einwirken, etwa in Kitas, Schulen, in den Familien aber vor allem auch in den Betrieben. „Ernährung muss in unserem Alltag wieder mehr Raum bekommen“, sagt Baas.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.03.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: dapd
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