Pferdefleisch bedenklich?

Auch in Deutschland wurde Pferdefleisch in Fertiglasagne gefunden. Ist das gesundheitlich bedenklich? Armin Valet von der Verbraucherzentrale antwortet.

Lasagne © Thinkstock
(München/Hamburg – 14.02.2013) Nun ist es also klar: Nach Großbritannien, Irland, Schweden und Frankreich wurden auch in deutschen Supermärkten Fertiggerichte angeboten, in denen als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch enthalten war. Nachgewiesen ist das inzwischen für verschiedene Tiefkühl-Produkte mehrerer Handelsketten.

Viele Verbraucher lehnen es ab, Pferdefleisch zu essen. Doch bestehen neben dem Ekelfaktor auch gesundheitliche Risiken beim Verzehr der falsch deklarierten Produkte – etwa durch eine Belastung mit Medikamenten? Schließlich wurde in Großbritannien erneut das Arzneimittel Phenylbutazon in Pferdefleisch nachgewiesen. vitanet.de hat darüber mit Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg gesprochen:

vitanet.de: Ist Pferdefleisch gesundheitlich bedenklicher als anderes Fleisch?

Armin Valet: Qualitativ hochwertiges, genusstaugliches Pferdefleisch ist kein Problem. In der EU werden jedoch – nicht täglich, aber doch häufig – Warnmeldungen zu Pferdefleisch über das Schnellwarnsystem herausgegeben. Gerade Anfang Februar war Fleisch in Großbritannien mit Medikamenten belastet: mit Phenylbutazon. Auch das Medikament Clenbuterol wird immer wieder in Pferdefleisch gefunden. Und es kann sein, dass sich Cadmium anreichert. Auch da gibt es Warnmeldungen.

Es gibt Pferde, die für Lebensmittel geeignet sind, und Pferde, die nicht für Lebensmittel geeignet sind. Jedes Pferd muss einen sogenannten „Equidenpass“ haben, in dem das festgehalten wird. Aber diese Trennung klappt nicht gut. Das zeigen die vielen Warnmeldungen.

vitanet.de: Und im aktuellen Fall: Ist das Fleisch bedenklich?

Armin Valet: Da haben wir noch keine Ergebnisse vorliegen. Und es kann natürlich auch sehr gut sein, dass man anhand einer Lasagne nicht mehr viel über die Qualität des Fleisches sagen kann – ob es belastet war, ob es hygienisch einwandfrei war. Aber jetzt werden verstärkt Untersuchungen durchgeführt, ob Medikamentenmissbrauch stattgefunden hat.

Und dann ist natürlich auch noch zu beachten: Da sind offensichtlich Betrüger am Werk. Es wäre sehr naiv, hier das Vertrauen zu haben, dass die sich sonst an alle Vorgaben der EU halten.

vitanet.de: Was wären die möglichen Folgen, wenn Medikamente im Fleisch vorhanden sind?

Armin Valet: Eine akute Gefährdung besteht sicherlich nicht. Es gibt allerdings nur wenige Untersuchungen dazu. Das Medikament Phenylbutazon wird auch in der Humanmedizin ab und zu eingesetzt, wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt. Daher weiß man, dass es zu Nebenwirkungen kommen kann wie Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magenschleimhautgeschwüren. Das gilt aber, wenn man das Medikament einnimmt und nicht, wenn man geringe Mengen – wenn überhaupt – mit dem Fleisch aufnimmt. Deshalb: Die Medikamente gehören nicht ins Fleisch, aber eine akute Gefahr sehen wir nicht.

vitanet.de: Kann man Pferdefleisch erkennen, an Aussehen oder Geschmack?

Armin Valet: Pferdefleisch ist rot bis dunkelrot. Das kommt auf das Alter des Pferdes an. Geschmacklich liegt es zwischen Rind und Wild und ist leicht süßlich. Aber die Verbraucher bekommen in dem aktuellen Fall ja kein frisches Stück Fleisch. Das Fleisch ist in der Lasagne verarbeitet – da sind Aromen drin, da sind zum Teil Geschmacksverstärker drin. Das heißt, man kann es nicht erkennen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.02.2013
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christina Landauer, Medizinjournalistin
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