Gesundheitsbericht Diabetes

Was tut sich im Bereich Vorbeugung, Behandlung und Erforschung von Diabetes? Darüber informiert der „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2019“. Ein Kernthema: Wie digitale Technologien die Diabetestherapie verbessern können.

Frau mit Smartphone © iStock
(Berlin – 19.12.2018) Bis zu 500.000 gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland erhalten jedes Jahr die Diagnose Diabetes Typ 2. Wie es aktuell um Vorbeugung, Behandlung und Erforschung der Volkskrankheit steht, legt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zusammen mit diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe im „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2019“ dar. Dabei listet der Bericht nicht nur Zahlen zu Folgekosten auf, sondern weist auch Wege aus der Diskriminierung bei Bewerbung, Fahrerlaubnis oder dem Abschluss von Versicherungen. Ein weiteres Kernthema: Wie digitale Technologien die Diabetestherapie erleichtern und verbessern können.

Wie die Digitalisierung die Diabetestherapie verbessern kann

„Die Digitalisierung wird nicht nur Behandlung und Früherkennung des Diabetes revolutionieren“, sagt der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, „sondern auch das Verhältnis zwischen Arzt und Patient stark verändern.“ Große Chancen sieht Professor Müller-Wieland in offenen Plattformen: „die trotz unterschiedlicher Modelle und Anbieter alle problemlos miteinander kommunizieren können.“  

Eine Schlüsselrolle in der Diabetestherapie könnte dem Handy zufallen. „Patienten vergessen gern, ihr Tagebuch mit Angaben zu den Blutglukosewerten und therapeutischen Aktivitäten zum Arzt mitzubringen“, sagt Professor Dr. rer. nat. Lutz Heinemann, Vorsitzender der AG Diabetes und Technologie der DDG. Apps fürs Smartphone, die alle Daten sammeln, könnten diese Informationslücke schließen. Und die Entwicklung auf diesem Gebiet schreitet zügig voran. „Sogar die Abschätzung des Kohlenhydratanteils einer Mahlzeit basierend auf Handy-Fotos wird bald möglich sein“.

Neue digitale Lösungen für die Insulintherapie

Neben Apps fürs Smartphone, die Daten sammeln, wurden auch im Bereich Insulintherapie wurden digitale Lösungen entwickelt. So könnten beispielsweise smarte Insulin-Pens Angaben zur verabreichten Insulindosis und dem Spritzzeitpunkt automatisch in eine Cloud übermitteln und damit auswertbar machen. Bereits verfügbar sind Sensoren, die unter die Haut implantiert werden, die Glukosewerte kontinuierlich über 180 Tage hinweg messen und an ein Diabetesteam übermitteln. „Diese Sensoren ermöglichen eine Messung rund um die Uhr“, sagt Müller-Wieland. Besteht Handlungsbedarf, könnte das Smartphone den Patienten sofort Empfehlungen geben.  

Sofern alle Daten in einen Pool fließen, trägt der Digitalisierungsprozess entscheidend dazu bei, neue Erkenntnisse hinsichtlich Therapie und Forschung zu gewinnen. „Die Analyse von Datenmustern wird dazu führen, Individuen mit gewissen Risiken frühzeitig und präzise zu erkennen und zugleich auch zu identifizieren, welche Patienten ganz besonders von einer bestimmten Therapie oder Lebensstiländerung profitieren“, sagt Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft Barbara Bitzer. Dies verbessert die Behandlungsqualität der Patienten, was wiederum Folgeerkrankungen, Komplikationen und Kosten minimiert kann.

Direkte und indirekte Kosten durch Diabetes

Die Kosten durch Folgeerkrankungen von Diabetes sind beträchtlich: Sie reichen für das Quartal, in dem sich die Folgeerkrankung ereignet, von 671 Euro für eine Netzhauterkrankung über 8035 Euro für einen nicht-tödlichen Herzinfarkt bis hin zu 22.691 Euro für eine Nierenerkrankung im Endstadium. Jeder zehnte Euro der deutschen Gesundheitsausgaben entfällt auf die Therapie von Patienten mit Typ-2-Diabetes. Laut Schätzungen der AOK sind das jährlich 21 Milliarden Euro.   Hinzu kommen indirekte Kosten etwa durch Arbeitsunfähigkeit oder mangelnde soziale Teilhabe. „Noch immer müssen Diabetespatienten mit Diskriminierungen im Arbeitsleben rechnen, zum Teil aufgrund veralteter Eignungsrichtlinien“, sagt Bitzer. Auch beim Abschluss von Versicherungen sind sie statistisch häufig schlechter gestellt. „Indem wir die Therapien verbessern, auch im Zuge der Digitalisierung, erhöhen wir zugleich die soziale Teilhabe“, sagt Müller-Wieland.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.12.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutsche Diabetes Gesellschaft vom 26.11.2018: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019: Die digitale Zukunft der Diabetestherapie