„Closed-Loop“-Systeme bei Diabetes

Digitale Technologien erleichtern bereits das Leben der Menschen mit Diabetes. Bald kommen „Closed-Loop“-Systeme auf den europäischen Markt, deren Vorteile eine Studie nun bestätigt.

Frau zeigt Blutzuckerwerte © iStock
(Berlin – 17.12.2018) Digitale Technologien, die das Leben der Menschen mit Diabetes erleichtern und immer neue Möglichkeiten für mehr Lebensqualität schaffen. Das war das Schwerpunktthema der 12. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG). Besonders im Fokus: Insulinpumpen, Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung und vor allem die neuen „Closed-Loop“-Systeme. Welche Vorteile bieten sie?

Digitale Unterstützung für Typ-1-Diabetiker

In Deutschland leiden mehr als 300 000 Erwachsene und circa 32 000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an Diabetes Typ 1. Insbesondere diese Gruppe nutzt in ihrem Alltag bereits neue Technologien wie spezielle Diabetes-Apps, technische Innovationen wie Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung. Außerdem soll noch in diesem Jahr in Europa das erste „Hybrid Closed Loop“-System, das Blutzuckermessungen und notwendige Insulingaben weitestgehend automatisch steuert, verfügbar sein.

Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung

Die täglich mehrmals notwendigen Blutzuckermessungen und die daran angepassten Insulingaben sind für Diabetespatienten mit hohem Aufwand verbunden. Um ihren Stoffwechsel besser einzustellen, nutzen viele Betroffene Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung. „Der Blutzucker wird regelmäßig automatisch gemessen und die Patienten können daraufhin die richtige Insulindosis über die Insulinpumpe abgeben“, sagt Dr. med. Matthias Kaltheuner, Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Diese Technologien erleichtern den Alltag der Patienten“. Im Vergleich zur klassischen Blutzuckermessung ermöglicht die Glukose-Sensortechnik einen zeitlich viel präziseren Einblick in die Stoffwechsellage und mögliche Einflüsse durch Essensaufnahme, Bewegung, sich verändernde Stimmungen sowie andere Krankheiten.

„Closed Loop“-Systeme bei Diabetes

Ein „Closed Loop“-System vernetzt die Insulinpumpe mit dem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung im Unterhautfettgewebe, einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors sowie einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt („hybrides“ System). „Das Zusammenwirken aller Technologien ermöglicht eine automatisierte Insulinabgabe. Den Patienten bleibt damit die Berechnung der benötigten Insulindosis erspart“, sagt Professor Dr. med. Jens Aberle, Tagungspräsident der 12. Diabetes Herbsttagung. „Außerdem wird die Stoffwechsellage der Patienten verbessert und die Gefahr von Über- und Unterzuckerungen vermindert“, ergänzt der Leiter der Sektion Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Wenn Diabetespatienten ein „Closed Loop“-System verwenden, gewinnen sie Unabhängigkeit und Flexibilität in der Therapie.

Studie bestätigt die Vorteile der „Closed-Loop“-Systeme

Eine Studie, die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlich wurde, konnte zeigen, dass das „Closed Loop“-System gegenüber einer sensorgestützten Therapie in der klinischen Anwendung Vorteile hat. An der Studie nahmen 86 Patienten mit Typ-1-Diabetes im Alter von sechs bis 65 Jahren teil, die trotz der Verwendung einer Insulinpumpe suboptimale Blutzuckerwerte aufwiesen. Während die eine Hälfte der Probanden zusätzlich zur Insulinpumpe mit einem Gerät zur kontinuierlichen Blutzuckermessung ausgestattet wurde, erhielt die andere Hälfte ein „Closed Loop“-System. Das Ergebnis: Die Patienten, die ein hybrides „Closed Loop“-System verwendet hatten, konnten im Vergleich zu Patienten mit einer sensorgestützten Therapie, bei der die Insulindosis selbst bestimmt und injiziert wird, die Blutzuckerwerte signifikant länger in dem vorher bestimmten Zielbereich halten – vor allem in der Nacht.

Chancen der technologischen Fortschritte für Diabetespatienten

„Die technologischen Fortschritte in der Diabetestherapie stellen für die Betroffenen einen großen Mehrwert dar. Sie nehmen den Patienten lebensnotwendige Aufgaben ab und fördern somit die Lebensqualität“, sagt DDG-Präsident Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland. Außerdem eröffnet es dem Betroffenen, dem Arzt und dem Austausch miteinander neue Chancen, die das Arzt-Patienten-Verhältnis vertiefen und die Versorgung verbessern könnten.

„Wir freuen uns, dass insbesondere auch Themen wie die Digitalisierung und neue Technologien auf großes Interesse der Teilnehmer stießen.“, sagt DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer. Denn Diabetes sei für die sinnvolle Nutzung der Digitalisierung eine Modellkrankheit für das gesamte Gesundheitswesen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.12.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutsche Diabetes Gesellschaft vom 03.12.2018: Digitalisierung im Mittelpunkt der Diabetes Herbsttagung - Studie zeigt: Verbesserte Blutzuckereinstellung mit „Closed Loop“-Systemen
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung