Schwangerschaftsdiabetes erhöht Risiko für Wochenbettdepression

Eine neue Studie zeigt: Frauen, die an Schwangerschaftsdiabetes leiden, entwickeln häufiger eine Wochenbettdepression. Die möglichen Ursachen.

Mutter kuschelt Baby © iStock
(Berlin – 29.04.2019) Bis zu 15 Prozent aller jungen Mütter entwickeln nach der Entbindung eine postpartale Depression, auch Wochenbettdepression genannt. Im Gegensatz zu einem kurzzeitig anhaltenden „Baby-Blues" birgt sie das Risiko für eine dauerhafte Depression oder für Bindungsstörungen zum Kind. Nun zeigt eine aktuelle Meta-Studie, die im Journal „Diabetes Research and Clinical Practice" veröffentlicht wurde, dass Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes häufiger unter einer postpartalen Depression leiden als Frauen ohne diese Stoffwechselerkrankung.

Meta-Studie: Wochenbettdepression und Schwangerschaftsdiabetes

Eine Meta-Analyse von 18 Studien mit Daten von über zwei Millionen Patientinnen ergibt: Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko für Wochenbettdepressionen. „Es ist die erste systematische Übersichtsstudie über den Zusammenhang zwischen beiden Krankheitsbildern“, sagt Professor Dr. med. Monika Kellerer, Vizepräsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Bislang gab es nur einzelne Studien mit oft widersprüchlichen Aussagen. Nun gibt diese Publikation ein aktuelles und einheitliches Resümee aller relevanten Kohortenstudien zu diesem Thema ab.“

Mögliche Ursachen für eine Wochenbettdepression

Als mögliche Ursachen für den Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdiabetes und postpartaler Depression nennen die Autoren neuroendokrinologische Vorgänge wie eine gestörte Wechselwirkung zwischen Gehirn und Nebennieren, aber auch den Einfluss des erhöhten Insulinwertes im Blut auf die Schilddrüse. Auch entzündliche Prozesse und Störungen bei der Serotonin-Ausschüttung könnten eine Rolle spielen. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem der psychische Stress, den der Schwangerschaftsdiabetes bei der Frau auslöst.

Das Krankheitsbild Wochenbettdepression

Eine Wochenbettdepression tritt meist im ersten Monat nach der Entbindung auf. Die Symptome sind: gedrückte Stimmung, Interessen- und Appetitverlust, Schlafstörungen, erhöhte Ermüdbarkeit, Wertlosigkeits- und Schuldgefühle, verminderte Konzentration sowie Suizidgedanken und -handlungen. „Familie oder Umfeld bemerken die Depression nicht immer gleich, oder sie wird mit dem häufiger auftretenden Baby-Blues verwechselt", sagt Professor Dr. med. Michael Hummel, Vorsitzender der AG Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Denn bis zur Hälfte aller Wöchnerinnen sind von dieser kurz anhaltenden grundlosen Traurigkeit aufgrund einer hormonellen Umstellung nach der Geburt betroffen." Es ist daher wichtig, die Betroffenen schnell zu identifizieren. „Denn eine Wochenbettdepression kann sich – im Gegensatz zum Baby-Blues – zu einer chronischen Depression mit dauerhafter Bindungsstörung zum Kind entwickeln", sagt Professor Dr. med. Ute Schäfer-Graf, Leiterin des Diabeteszentrums für Schwangere am St. Joseph Krankenhaus in Berlin. „Beim Säugling wiederum können Verhaltensauffälligkeiten sowie Störungen der emotionalen und kognitiven Entwicklung entstehen."

Zeitnahe Untersuchung nach der Entbindung

Wöchnerinnen mit Schwangerschaftsdiabetes sollten deshalb zeitnah nach der Entbindung auf postpartale Depression untersucht werden. In diabetologischen Schwerpunktpraxen findet das in der Regel bereits statt: Bei der Nachuntersuchung des Zuckerstoffwechsels füllt die Patientin einen aus zehn Fragen bestehenden Fragebogen aus, mit dem das Risiko auf eine Depression zuverlässig eingeschätzt werden kann. So kann sich der behandelnde Diabetologe ein Bild von der Stimmungslage machen und die Betroffene gegebenenfalls zu einem Psychologen überweisen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.04.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom 22.03.2019: DDG: Meta-Studie bestätigt - Schwangerschaftsdiabetes erhöht Risiko für Wochenbettdepression