Neue Studienergebnisse zu Insulinpumpen

Neue Studien zur Behandlung von Diabetes Typ 1 belegen: Insulinpumpen wirken sich positiv auf Blutzuckerwerte und Lebensqualität aus. Eine Personengruppe profitiert besonders.

Arzt setzt Insulinpumpe © iStock
(Berlin – 13.02.2019) In Deutschland nutzt mittlerweile über die Hälfte aller jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Insulinpumpe. Ein Grund ist vor allem die komfortable, sichere und erfolgreiche Therapie. Insbesondere bei Kindern konnten die Vorteile gegenüber einer Injektionstherapie mit Pen oder Spritze in etlichen Studien und durch Erfahrungen der Patienten und ihren Angehörigen selbst beschrieben werden. Eine aktuelle Publikation im „Journal of the American Medical Association" unterstreicht den positiven Therapieeffekt. Eine weitere kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigt außerdem, dass auch die Lebensqualität der Betroffenen durch eine Behandlung mit Insulinpumpen steigt. Das gilt insbesondere für Kinder mit Typ-1-Diabetes.

Insulinpumpen und ihre Verbreitung

Eine Insulinpumpe gibt durch eine subkutan angebrachte Nadel – also eine Nadel, die sich unter der Haut befindet – regelmäßig Insulin in den Körper ab. So genannte CSII-Systeme („continous subcutaneous insulin infussion“) wie die Insulinpumpe sind in Deutschland immer mehr verbreitet. Nutzten im Jahr 1995 nur knapp ein Prozent der Patienten mit Diabetes Typ 1 Insulinpumpen, sind es heute über die Hälfte aller Betroffenen unter 20 Jahren und bei Kindern unter sechs Jahren sogar über 90 Prozent.

Studien belegen die Vorteile einer Insulinpumpe

Nach aktuellem internationalem Kenntnisstand in der Diabetologie sind Insulinpumpen bei Patienten mit stark schwankenden Blutzuckerwerten derzeit die sicherste Methode, den Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c niedrig zu halten sowie Unterzuckerungen oder einen akuten Insulinmangel (Ketoazidose) – eine lebensgefährliche Komplikation – zu verhindern", sagt der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland.

Auch die Ergebnisse einer kürzlich erschienenen Publikation im „Journal of the American Medical Association" zeigen, dass Betroffene von einer Insulinpumpe profitieren. Die Studie untersuchte fünf Jahre bei über 30 500 Patienten mit Diabetes Typ 1 den Mehrwert einer Insulinpumpentherapie. Dafür verglichen sie die jeweiligen Therapieergebnisse von Insulinpumpen-Trägern mit der klassischen Insulininjektion. Sie bezogen ihre Informationen aus der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation, an der sich über 400 Einrichtungen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz beteiligen. Dieses System deckt etwa 80 Prozent aller Patienten mit Diabetes Typ 1 aus diesen Ländern ab.

„Die Ergebnisse sind eindeutig: Patienten mit Insulinpumpe weisen weniger schwere Unterzuckerungen sowie seltener eine diabetische Ketoazidose auf und hatten insgesamt bessere Glukosewerte als Patienten, die eine herkömmliche Injektionstherapie erhielten", sagt Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft Professor Dr. med. Andreas Neu.

Kinder profitieren besonders von einer Insulinpumpe

Über den positiven metabolischen Effekt hinaus, also den Einfluss auf den Stoffwechsel, hat die Verwendung von Insulinpumpen einen günstigen psychosozialen Effekt bei Kindern mit Diabetes und ihren Eltern, wie eine Studie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein herausfand. „Die Lebensqualität der Betroffenen steigt erheblich, da Eltern bei der regelmäßigen Blutzuckerkontrolle und Insulin-Versorgung entlastet werden und deutlich mehr Sicherheit im Alltag haben", sagt Prof. Neu. „Denn der Blutzuckerspiegel bei Kindern ist besonders häufigen Schwankungen ausgesetzt. Unregelmäßige Bewegung und Nahrungsaufnahme sowie Wachstumsschübe der jungen Patienten wirken sich erheblich auf den Zuckerstoffwechsel aus. Dies bedarf häufig schneller Insulinanpassungen, um schweren Nebenwirkungen vorzubeugen."

Wann wird eine Insulinpumpe empfohlen?

Die S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes empfiehlt insbesondere bei häufigen Unterzuckerungen, sehr schwankenden Blutzuckerwerten und unzureichender glykämischer Kontrolle eine Therapie mit Insulinpumpe. „Wichtige Voraussetzung, eine Insulinpumpen-Therapie erfolgreich umzusetzen, ist, dass der Patient und die Eltern die intensivierte Insulintherapie beherrschen – also gut geschult sind", sagt Professor Dr. med. Thomas Haak, Chefarzt der Diabetes Klinik am Diabetes Zentrum Mergentheim und Koordinator der S3-Leitlinie. Auch sollte der behandelnde Arzt umfangreiche Erfahrungen mit dieser Therapie haben und dem Patienten eine umfassende Schulung anbieten können.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.02.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom 10.12.2018: Behandlung von Diabetes Typ 1. Studien zeigen: Insulinpumpen wirken sich positiv auf Blutzuckerwerte und Lebensqualität aus
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