Diabetes: oft feht das typische Herzinfarktsymptom

Bei Diabetikern, die einen Herzinfarkt erleiden, fehlen oft die typischen Brustschmerzen – und damit das entscheidende Warnzeichen.

Arzt zeichnet Herz © iStock
(Frankfurt am Main – 20.11.2017) Oft haben Diabetespatienten eher Angst vor den typischen Spätkomplikationen eines Diabetes mellitus wie Erblindung, Nierenversagen oder Amputation, unterschätzen jedoch die erhöhte Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall. „Gerade langjährige Diabetiker haben häufig ein sehr schwaches Schmerzempfinden für typische Herzinfarktwarnsymptome wie Brustschmerzen, sodass für diese Patienten der Herzinfarkt oft das erste Symptom einer schon lange bestehenden Verkalkung der Herzkranzgefäße ist“, sagt Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.  

Bei Diabetespatienten führt die lang bestehende Überzuckerung zur Störung des Nervensystems, wodurch sie die typischen Brustschmerzen als Folge der Durchblutungsstörung des Herzmuskels nicht spüren. Dabei sind gerade sie besonders anfällig für einen Herzinfarkt: Ein chronisch hoher Blutzucker begünstigt die Arteriosklerose als Ursache dieser Erkrankung, sodass bei männlichen Diabetikern das Herzinfarktrisiko um das Zwei- bis Vierfache und bei Frauen mit Diabetes sogar um das Sechsfache – und nach der Menopause noch mehr – erhöht ist.

Beim Arzt Risikofaktoren überprüfen lassen

Diabetespatienten – aber ebenso Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) – sollten von ihrem Hausarzt die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt wie Bluthochdruck, erhöhten Blutzucker, zu hohe Cholesterin- und Triglyceridwerte sowie Übergewicht überprüfen lassen, so der Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen „Diabetes und Herzerkrankungen sind eine gefährliche Kombination. Weil Diabetes- und KHK-Patienten häufig über Jahre hinweg nur von ihrer jeweils einen Erkrankung, aber nichts von der anderen wissen, sind sie stark infarktgefährdet – und das, obwohl sie womöglich seit Jahren in fachärztlicher Behandlung sind“, sagt der Experte.  

Klagt etwa ein Diabetespatient über häufige Atemnot, kann das ein Anzeichen einer Herzschwäche als Folge einer nicht behandelten KHK und eines nicht erkannten Bluthochdrucks sein. Bei Patienten mit einer KHK oder einer anderen Herzkrankheit liegt die Wahrscheinlichkeit einer Diabeteserkrankung bei über 60 Prozent. Allein bei Patienten mit chronischer Herzschwäche leidet etwa ein Drittel der Betroffenen zugleich an Diabetes mellitus. Der erhöhte Blutzucker schädigt alle Gefäße und begünstigt damit das Entstehen und Fortschreiten der Herzschwäche. „Herzpatienten mit KHK, Herzschwäche oder Vorhofflimmern sollten deshalb bei ihrem Arzt in regelmäßigen Abständen auch ihren Blutzuckerwert (Nüchternblutzucker) messen lassen und auf diese Blutuntersuchung bestehen“, so Tschöpe.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.11.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung/Deutschen Stiftung für Herzforschung: Typische Herzinfarkt-Warnsymptome fehlen bei Diabetikern