Wechselnde Sehschärfe

Schwankungen in der Sehschärfe können ein frühes Warnzeichen für Diabetes mellitus sein. Wer sie bei sich bemerkt, sollte zum Augenarzt gehen.

Frau reibt sich die Augen © iStock
(Berlin – 26.09.2016) Verändert sich die Sehschärfe innerhalb eines Tages, kann dies ein frühes Warnzeichen für Diabetes mellitus sein. Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hin. „Der Augenarzt kann Folgen der Stoffwechselerkrankung schon mit einer einfachen Untersuchung des Augenhintergrundes erkennen“, erklärt Prof. Dr. Horst Helbig, Präsident der DOG. Früherkennung und regelmäßige Untersuchungen des Auges sind bei Diabetes wichtig, da sonst schwere Netzhautschäden drohen.

Manche wissen bis zur Augenuntersuchung nichts von ihrem Diabetes

„Zu uns kommen jede Woche Patienten in die Augenklinik, die unter Schwankungen der Sehschärfe im Tagesverlauf leiden“, sagt Prof. Dr. Gabriele Lang, Leiterin der Sektion konservative Retinologie und Laserchirurgie der Universitäts-Augenklinik Ulm. „Die Ursache dafür ist Diabetes mellitus.“ Doch ein Teil der Patienten wisse bis zur Augenuntersuchung nicht, dass sie an der Stoffwechselstörung erkrankt sind. „Typische Schilderungen dieser Patienten lauten: Heute früh habe ich noch verschwommen gesehen, jetzt ist es wieder besser“, so die Expertin. Oder aber eine optimal angepasste Brille scheint zwei Tage später nicht mehr zu passen. „Der Patient sieht dann mit den neuen Gläsern in der Ferne oder Nähe plötzlich wieder schlechter.“  

In vielen dieser Fälle liegt die Ursache bei Blutzuckerschwankungen, die auf einen Diabetes hinweisen. „Der steigende Blutzuckerspiegel erhöht den osmotischen Druck im Auge, was wiederum zu Wassereinlagerungen in der Augenlinse führt“, erklärt Lang. Die Folge ist, dass sich die Form der Linse vorübergehend verändert und damit auch die Fähigkeit, scharf zu sehen. „Wer solche Anzeichen bei sich bemerkt, sollte unbedingt einen Augenarzt aufsuchen“, rät die Expertin.

Spiegelung des Augenhintergrunds

Der Ophthalmologe kann mit einer Spiegelung des Augenhintergrunds die Gefäße der Netzhaut, der Retina, untersuchen und diabetesbedingte Veränderungen erkennen, bevor die Stoffwechselerkrankung sich mit anderen Symptomen bemerkbar macht. „Für diese Untersuchung erweitern wir zuvor die Pupille mit Augentropfen. Je nach Schweregrad der Erkrankung sehen wir dann kleine rote Pünktchen auf der Netzhaut – dabei handelt es sich um Blutungen – oder Aussackungen an den Gefäßen – sogenannte Mikroaneurysmen“, sagt Lang. Zu weiteren krankhaften Veränderungen zählen Schwellungen, Gefäßneubildungen der Netzhaut oder Glaskörperblutungen. In jedem Fall fragt der Augenarzt, ob ein Diabetes bekannt ist. „Wird die Frage verneint, überweisen wir an den Hausarzt oder einen Internisten, um den Patienten auf Diabetes hin untersuchen zu lassen“, so die Expertin.  

Der Grund: Schreitet die Stoffwechselstörung ungebremst voran, schädigt der Blutzucker zunehmend die kleinen Blutgefäße, die die Netzhaut mit Nährstoffen versorgen. So weisen 80 Prozent der Patienten, die unter Diabetes mellitus Typ 2 leiden, nach zwanzig Jahren eine diabetische Retinopathie auf. In den Industrienationen ist dies die häufigste Erblindungsursache im erwerbsfähigen Alter. „Regelmäßige Augenuntersuchungen sind für Diabetespatienten deshalb sehr wichtig – zumal die Erkrankung für den Patienten lange Zeit symptomlos verläuft“, so Lang. Leidet ein Patient unter dauerhaften Sehstörungen, ist die diabetische Retinopathie schon sehr weit fortgeschritten. Vor diesem Hintergrund gilt: Wird ein Diabetes mellitus Typ 2 neu festgestellt, sollte sofort nach der Diagnose eine augenärztliche Untersuchung erfolgen. Sind die Augen gesund, reicht fortan eine Kontrolle pro Jahr.

Weitere Untersuchungsverfahren

Muss das Ausmaß der Netzhautschädigung genauer erfasst werden, können die Ärzte eine Fluoreszenzangiographie durchführen. Die Patienten bekommen dabei einen Farbstoff in die Armvene gespritzt. „Dabei handelt es sich um eine invasive Maßnahme – es kann zu allergischen Reaktionen auf den Farbstoff kommen“, erklärt die Expertin. Weitere Informationen liefert die optische Kohärenztomographie (OCT), die einzelne Netzhautschichten abbildet.  

Besondere Hoffnungen setzen die Augenärzte jedoch in ein neues Untersuchungsverfahren, das ohne Farbstoffinjektion und Pupillenerweiterung auskommt: die OCT-Angiographie. „Damit können wir innerhalb von zehn Sekunden ein Bild von den Mustern der Netzhautgefäße machen, indem die Bewegung der roten Blutkörperchen gemessen wird“, so Lang.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.09.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft: Wechselnde Sehschärfe kann frühes Warnzeichen für Diabetes sein
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