Risiko durch Infektion

Eine aktuelle Studie zeigt: Virale Atemwegsinfektionen können das Risiko für Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern erhöhen.

Kind mit Diabetes mellitus © Thinkstock
(Neuherberg – 06.05.2016) Virale Atemwegsinfektionen in den ersten sechs Lebensmonaten stehen mit einem erhöhten Risiko für Diabetes mellitus Typ 1 in Verbindung. Zu diesem Ergebnis kommt ein Wissenschaftlerteam des Helmholtz Zentrums München im Rahmen einer Studie. Dafür untersuchten die Wissenschaftler um Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München, anonymisierte Daten von fast 300.000 Kindern, die zwischen 2005 und 2007 in Bayern geboren wurden. Das sind etwa 85 Prozent aller bayerischen Neugeborenen aus diesem Zeitraum.  

Die Forscher werteten gezielt alle verfügbaren Daten zu Infektionen im Hinblick auf das spätere Auftreten von Diabetes mellitus Typ 1 aus. Die Infektionen wurden noch einmal aufgeschlüsselt nach der Lokalisation der Symptome (etwa Haut, Augen, Magen-Darm-Trakt oder Atemwege), den Ursachen (Bakterien, Viren oder Pilze) und dem Lebensalter (vierteljährlich ab der Geburt).

Weiterer Baustein für das Verstehen von Diabetes Typ 1

Die daraus resultierenden Zusammenhänge fasst Erstautor Dr. Andreas Beyerlein so zusammen: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass virale Atemwegserkrankungen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate das Risiko für Kinder, an Typ-1-Diabetes zu erkranken, signifikant erhöhen.“ Infektionen, die später oder an anderen Organen auftraten, waren nicht mit einem signifikant höheren Risiko verbunden. Für die Forscher ist diese Erkenntnis ein weiterer Baustein auf dem Weg, die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 1 zu verstehen, bei der das Zusammenspiel von Genetik und Umweltfaktoren noch weitgehend unklar ist.  

Bisher gab es für den Einfluss von Infektionen nur relativ inkonsistente Hinweise aus Studien von Kindern mit genetisch erhöhtem Risiko für Diabetes Typ 1. „Wir konnten dies nun erstmals an einem populationsbasierten Kollektiv von fast 300.000 Kindern bestätigen und fanden vor allem starke Hinweise für die ersten sechs Monate als besonders empfindliche Lebensphase“, erklärt Studienleiterin Ziegler. „Das deckt sich auch mit anderen von uns veröffentlichten Ergebnissen basierend auf Daten von Kindern mit familiär bedingt erhöhtem Risiko, die bereits nahelegten, dass das erste halbe Jahr entscheidend für die Entwicklung des Immunsystems und möglicher Autoimmunkrankheiten wie Typ-1-Diabetes ist.“  

Künftig wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang besteht – und wenn ja, welche Krankheitserreger genau beteiligt sind und wie sie diesen Effekt auslösen. Auf dieser Grundlage könnte man dann möglicherweise versuchen, eine entsprechende Impfung zu entwickeln.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.05.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München: Infektionen können Diabetes-Risiko bei Kindern erhöhen
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