Gefährdete Diabetikerinnen

Frauenherzen leiden stärker unter Diabetes Typ 2: Diabetikerinnen bekommt häufiger tödliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle als zuckerkranke Männer.

Frau misst Blutzucker © Thinkstock
(Berlin – 13.01.2016) Frauen mit Diabetes mellitus Typ 2 erleiden nach neuen Erkenntnissen häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als zuckerkranke Männer. Sie können den Nachteil jedoch durch eine intensivere medizinische Betreuung und eine Änderung des Lebensstils wieder ausgleichen, stellt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) fest.

Ursachen sind noch nicht ganz klar

„Seit Langem ist bekannt, dass Frauen vor den Wechseljahren deutlich seltener einen Herzinfarkt erleiden als gleichaltrige Männer“, berichtet Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland von der DDG. „Dass eine Diabeteserkrankung dieses Verhältnis umkehrt, ist der Öffentlichkeit dagegen nicht bewusst.“  

Die Datenlage, die US-Kardiologen jetzt in einer ausführlichen Übersicht dargelegt haben, ist jedoch eindeutig: Frauen mit Diabetes mellitus Typ 2 erkranken früher an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall – und sterben häufiger daran. Auch ein chronisches Herzversagen, eine Spätfolge eines überlebten Herzinfarktes, ist bei Diabetikerinnen häufiger. Die Ursachen sind laut Müller-Wieland nicht ganz klar. „Ein Grund könnte sein, dass die Folgen des Typ-2-Diabetes für Frauen von Ärzten und Betroffenen unterschätzt werden“, vermutet der Experte.  

So erhalten Frauen seltener Medikamente gegen hohen Blutdruck oder gegen hohe Cholesterinwerte, die wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall sind. „Sie nehmen zudem nach einem Herzinfarkt seltener Aspirin ein, das einem zweiten Herzinfarkt vorbeugen kann“, sagt Müller-Wieland. Unabhängig davon lassen sich bei Patientinnen mit Diabetes mellitus Typ 2 aufgrund der hormonellen Lage die Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte häufig schwerer einstellen als bei männlichen Patienten.

Hormonelle Störungen könnten eine Rolle spielen

Hormonelle Störungen könnten ebenfalls eine Rolle bei dem Geschlechterunterschied spielen. Zwischen sechs und acht Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter haben ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS). Es ist neben Zyklusstörungen und einem Anstieg männlicher Geschlechtshormone auch mit einem Wirkungsverlust von Insulin verbunden. „Frauen mit PCOS sind häufig übergewichtig mit einer ungünstigen Ansammlung von Fettgewebe im Bauchbereich, die das Risikoprofil weiter verschlechtert“, so DDG-Präsident Prof. Dr. Baptist Gallwitz vom Universitätsklinikum Tübingen.

Frauen profitieren stärker von Lebensstiländerung

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft appelliert deshalb an die Ärzte, das besondere Risiko von Frauen mit Diabetes bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beachten. „Aber auch die Frauen selbst können etwas tun“, sagt Gallwitz. „Studien zeigen, dass Frauen mit Typ-2-Diabetes stärker als Männer von einer Änderung des Lebensstils profitieren.“ Dazu gehört neben einer gesunden Ernährung auch körperliche Aktivität. Frauen müssen laut Studienlage zwar mehr Engagement zeigen als Männer, die Hürden sind jedoch nicht unüberwindbar. „In der Nurses Health Study – einer Langzeitstudie an amerikanischen Krankenschwestern – konnten Frauen mit Diabetes ihr Herz-Kreislauf-Risiko bereits mit zwei Stunden Sport pro Woche senken“, berichtet der Experte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.01.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft: Frauenherzen leiden stärker unter Diabetes Typ 2 – mehr tödliche Herzinfarkte
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