Süßstoff unbedenklich

Gerade sorgte eine Studie zu Süßstoff und Diabetes mellitus Typ 2 für Wirbel. Ein maßvoller Konsum der Süßungsmittel scheint jedoch unbedenklich.

Süßstoff auf Löffel © Thinkstock
(Berlin – 02.12.2014) Aus Sicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) gibt es nach wie vor keinen Beleg dafür, dass der maßvolle Gebrauch von Süßstoff dem Menschen schadet und etwa das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 erhöht. Die Fachgesellschaft tritt damit Befürchtungen entgegen, die nach Veröffentlichung einer tierexperimentellen Studie in der Fachzeitschrift Nature laut geworden waren. Die Studie hatte für Wirbel gesorgt, weil bei Mäusen nach dem Genuss sehr großer Mengen von Süßstoff der Blutzuckerspiegel angestiegen war.  

Um diesen Effekt beim Menschen zu erzeugen, seien unrealistisch hohe Dosierungen erforderlich, betont die DDG. Süßstoff sei als gelegentlicher Zusatz für Getränke oder feste Nahrungsmittel im Rahmen eines ausgewogenen Ernährungsplans für Menschen mit Diabetes mellitus weiterhin sinnvoll und sollte Zuckeraustauschstoffen wie Fruktose vorgezogen werden. Bemerkenswert sei die Studie vor allem in Hinblick darauf, dass Süßstoff unseren Stoffwechsel möglicherweise über Darmbakterien beeinflusst.

Israelische Studie sorgte für Wirbel

Wissenschaftler aus Israel hatten vor kurzem in Nature über Versuche mit Mäusen berichtet, denen sie elf Wochen lang Wasser gaben, das in hoher Konzentration mit Süßstoff versetzt war. Im Vergleich zu Mäusen, die ungesüßtes oder mit Zucker gesüßtes Wasser erhielten, stiegen bei der Süßstoff-Gruppe die Blutzuckerwerte in Glukosetoleranztests unverhältnismäßig stark an. Eine gestörte Glukosetoleranz gilt als Risikofaktor für die Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 2.  

In einem weiteren Experiment testeten die Wissenschaftler, ob sich dieser Effekt auch beim Menschen einstellt. Dazu nahmen sieben Probanden eine Woche lang die erlaubte Höchstdosis des Süßstoffs Saccharin zu sich. Ergebnis: Bei vier Teilnehmern verschlechterten sich die Blutzuckerwerte, bei den drei anderen machte sich keine Veränderung in den Glukosetoleranztests bemerkbar. „Aus diesem Ergebnis abzuleiten, dass der Gebrauch von Süßstoff generell das Diabetes-Risiko erhöht, ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt übertrieben“, sagt Professor Dr. Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg. „Denn um die in den Studien verwendeten Dosierungen im Rahmen einer normalen Ernährung zu erreichen, müsste man täglich beispielsweise literweise mit Süßstoffen gesüßte Diät-Getränke trinken – und das ist unrealistisch“, so Seufert.

Maßvoller Konsum von Süßstoff gesünder als Fruchtzucker

Privatdozent Dr. Erhard Siegel, Präsident der DDG, rät daher zu einem maßvollen Umgang mit Süßstoff. „Süßstoff ist nach derzeitigem Erkenntnisstand gesünder als etwa Fruchtzucker, der die Blutfette ungünstig beeinflusst und Fettleber, Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 zu fördern scheint“, erklärt Siegel. Als gelegentlicher Zusatz in Getränken oder festen Nahrungsmitteln sei Süßstoff unbedenklich. „Im Übrigen gilt: Auch Diabetes-Patienten können Zucker zu sich nehmen – bis zu 50 Gramm pro Tag“, fügt der DDG-Präsident hinzu.

Einfluss über Darmbakterien

Wichtig ist aus Sicht der DDG eine weitere Erkenntnis, die die Nature-Studie zu Tage förderte. Denn das Wissenschaftler-Team um Jotham Suez ging in einem zweiten Schritt in Experimenten der Frage nach, auf welche Weise Süßstoff die Blutzuckerwerte beeinflusst. Die Ergebnisse legen nahe, dass Süßstoff die Zusammensetzung der Bakterien im Darm verändert. So begünstigt Süßstoff offenbar das Wachstum von Darmbakterien, die die Aufnahme von Zucker ins Blut steigern und damit den Blutzuckerwert erhöhen, vermuten die Forscher. „Dass Süßstoff unseren Stoffwechsel über Darmbakterien beeinflussen kann, ist eine spannende neue Erkenntnis“, erklärt Seufert. „Möglicherweise können wir ja eines Tages Darmbakterien als therapeutisches Mittel zur Behandlung von Diabetes mellitus einsetzen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.12.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): Wirbel um Saccharin & Co: Maßvoller Konsum von Süßstoff scheint unbedenklich
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