Selbstmanagement zählt

Eine deutsche Studie zeigt: Wenn Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 gut organisiert sind, können sie dadurch ihr Leben verlängern.

Mann misst Blutzucker © Thinkstock
(Bonn – 28.05.2014) Blutzucker kontrollieren, körperlich aktiv sein, auf die Ernährung achten – Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 haben ein geringeres Sterblichkeitsrisiko, wenn sie gut organisiert sind und auf ihren Körper achten. Das ist das Resultat einer Untersuchung des Helmholtz Zentrums München, an der 340 Typ-2-Diabetiker teilnahmen. „Die Ergebnisse zeigen, dass neben der ärztlichen Behandlung auch das Patientenverhalten eine große Bedeutung für den Krankheitsverlauf hat“, sagt Autor Michael Laxy. „Angebote wie Selbstmanagement-Trainings, Diabetes-Schulungen und Informationsangebote sind daher sehr wichtig.“

Für jeden Teilnehmer Selbstmanagement-Index berechnet

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselstörung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Bei Diabetes mellitus Typ 2 spricht der Körper nicht mehr ausreichend auf das Hormon Insulin an. Die Teilnehmer der Studie machten in einem Fragebogen ausführliche Angaben zum Patientenverhalten und zum Selbstmanagement. Beispiele sind Eigenkontrolle des Blutzuckerspiegels und des Körpergewichts, körperliche Aktivität, das Führen eines Ernährungsplans und eines Diabetes-Tagebuchs. Anhand dieser Angaben wurde für jeden Patienten ein sogenannter Selbstmanagement-Index berechnet. Zusätzlich nahmen die Mediziner Blut- und Urinproben, um verschiedene Parameter zu bestimmen. Anhand der glykosylierten Hämoglobine (HbA1c-Wert) lässt sich die Einstellung des Blutzuckers über einen längeren Zeitraum beurteilen.

39 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko bei gutem Selbstmanagement

In den folgenden zwölf Jahren starben 189 Studienteilnehmer. Typ-2-Diabetiker mit einem hohen Index, also einem guten Selbstmanagement, hatten ein um 39 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko als Patienten mit einem schlechten Selbstmanagement. Dieser Zusammenhang war unabhängig von anderen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen und medikamentöse Therapien. Das Diabetes-Selbstmanagement stand nicht mit dem Blutdruck und Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus wie Nerven-, Nierenschädigungen und Durchblutungsstörungen in Zusammenhang. Patienten, die diszipliniert waren und auf eine gesunde Lebensweise achteten, hatten einen um 0,44 Prozent niedrigeren HbA1c-Wert und damit einen besser eingestellten Blutzuckerspiegel.

Zudem vermuten die Wissenschaftler, dass durch ein gutes Selbstmanagement gefährliche Phasen der Über- oder Unterzuckerung verringert und Langzeitkomplikationen wie stumme Herzinfarkte oder Schlaganfälle früher erkannt werden – und sich dadurch die medizinische Versorgung verbessert. Das könnte die geringere Sterblichkeit zum Teil erklären. „Anhand der vorliegenden Daten kann man aber über die zugrundeliegenden Mechanismen nur mutmaßen“, so Laxy. „Denn das Patientenverhalten ist sehr komplex und von vielen Faktoren abhängig.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.05.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V. (www.aid.de)
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