Insulin richtig spritzen

Viele Diabetiker müssen sich täglich Insulin spritzen. Von der Technik hängt ab, wie gut das Medikament wirkt. Tipps, wie Sie richtig spritzen.

Insulinpen in Hand © Thinkstock
(Berlin – 25.04.2014) Viele Diabetes-Patienten spritzen sich mehrmals täglich Insulin – fast 90 Prozent nutzen dafür einen Pen. Von der Injektionstechnik und -stelle hängt unter anderem ab, wie gut das Medikament wirkt. Was bei der Wahl der Hautpartie, bei Nadellänge und Einstich zu beachten ist, erklären Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).  

„Besonders wichtig: Notieren Sie sich den Zeitpunkt der Injektion“, rät Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG. Immer wieder komme es vor, dass Patienten davon ausgehen, sie hätten bereits Insulin gespritzt – haben es aber gar nicht getan. „In Wirklichkeit erinnern sie sich an die Injektion von vorgestern“, so der Experte.

Einstichstelle regelmäßig wechseln

Grundsätzlich gilt: Kurzwirksames Insulin, das zu Mahlzeiten gespritzt wird, am besten in den Bauch verabreichen. Langwirksame Humaninsuline injizieren Menschen mit Diabetes mellitus dagegen besser in die Außenseite des Oberschenkels oder ins Gesäß. „Damit die Haut sich nicht entzündet, sollte man die Einstichstelle innerhalb dieser Partien regelmäßig wechseln“, rät Siegel. Eine solche Rotation kann zum Beispiel nach vier Quadranten, die im Uhrzeigersinn genutzt werden, oder nach Wochentagen erfolgen. „Je nachdem, welches Muster sich der Patient am besten merken kann“, so der Experte.

Einstichstelle nach Hautveränderungen absuchen

Vor der Injektion ist es wichtig sicherzustellen, dass es sich um das richtige Insulin handelt. Außerdem sollte der Patient die gewünschte Einstichstelle mit bloßem Auge auf Hautveränderungen absuchen. „Die Haut sollte sauber sein, nicht entzündet oder gerötet“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Fritsche von der DDG. Auf keinen Fall sollten Diabetiker in Narben oder Muttermale stechen. Trübe Insuline – sogenannte NPH- und Mischinsuline – müssen vor Verabreichung zwanzigmal sanft hin- und hergeschwenkt werden, damit sich der Wirkstoff gut verteilt.

Vor der Injektion Funktion des Pens prüfen

„Patienten, die einen Pen nutzen, prüfen vor der Injektion dessen Funktion“, empfiehlt Andreas Fritsche. Dafür ein bis zwei Einheiten einstellen, den Pen senkrecht mit der Pennadel nach oben halten, Dosierknopf drücken und schauen, ob Insulin an der Nadelspitze austritt. Ist dies nicht der Fall, den Vorgang wiederholen. Wenn der Pen einsatzbereit ist, kann die gewünschte Insulindosis eingestellt werden.  

Jetzt bildet der Patient mit Daumen und Zeigefinger an der Einstichstelle eine Hautfalte. „Idealerweise sticht man die Nadel senkrecht ins Unterhautfettgewebe – im 90-Grad-Winkel zur Einstichstelle“, sagt Siegel. Das Insulin langsam und gleichmäßig injizieren und dann die Nadel noch etwa zehn Sekunden in der Haut lassen, damit nichts zurückfließt. Zum Schluss die Nadel wieder im 90-Grad-Winkel herausziehen und die Falte loslassen. Für die Nadellänge gilt: Da unsere Haut maximal drei Millimeter dick ist, sind Nadeln mit einer Länge von vier bis sechs Millimetern für Erwachsene ausreichend. „Ist an der Injektionsstelle genügend Unterhautfettgewebe vorhanden, um eine Injektion in den Muskel ausschließen zu können, kann auch bedenkenlos ohne die Bildung einer Hautfalte injiziert werden“, sagt Siegel.

In Lipohypertrophien kann das Insulin nicht richtig wirken

Knapp die Hälfte aller Diabetes-Patienten, die sich Insulin spritzen, weisen sogenannte Lipohypertrophien auf. „Dabei handelt es sich um beulenartige Verdickungen, um Ansammlungen von Fettzellen, die man ertasten kann“, erklärt Fritsche. In diesen Lipohypertrophien schmerzt das Stechen weniger – weshalb Betroffene solche Stellen gerne für die Injektion auswählen. „Das Insulin kann dort aber nicht mehr richtig wirken“, warnt der Experte. Mit der Folge, dass die Patienten sich immer höhere Dosen spritzen.  

Wer den Eindruck hat, das Insulin würde seine Wirkung verlieren, sollte daher Hausarzt, Diabetologen oder Diabetesberater aufsuchen. „Diese Experten können die Haut untersuchen und wertvolle Tipps und Hinweise rund ums richtige Insulinspritzen geben. Das so aufgefrischte Wissen sollte idealerweise auch immer gleich angewandt und vorgeführt werden“, erklärt Elisabeth Schnellbächer, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD). „Manchmal ist sogar eine Neueinstellung und gründliche mehrmalige Überprüfung, Anleitung und Kontrolle der Injektionstechnik unter alltagsnahen Bedingungen im Krankenhaus nötig“, ergänzt Fritsche.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.04.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Deutsche Diabetes Gesellschaft
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