Diabetes und Depressionen

Diabetiker, die unter Depressionen leiden, haben ein erhöhtes Sterberisiko. Denn: Beide Erkrankungen beeinflussen sich gegenseitig negativ.

Frau hat Depressionen © Thinkstock
(Marburg – 27.03.2014) Depressionen treten bei Diabetikern doppelt so häufig auf, wie bei Menschen, die nicht unter der Stoffwechselerkrankung leiden. Eine neue Meta-Analyse bestätigt zudem: Depressionen wirken sich negativ auf den Krankheitsverlauf des Diabetes mellitus aus. Betroffene sterben im Durchschnitt früher.

Psychische Erkrankungen bleiben oft unentdeckt

In der Meta-Analyse hat Professor Dr. med. Johannes Kruse, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität Marburg, die Ergebnisse aus 16 Studien mit mehr als 100.000 Teilnehmern zusammengefasst. „Wir konnten durch die Analyse erstmals zeigen, dass nicht nur Diabetiker mit einer ärztlich diagnostizierten Depression ein erhöhtes Sterberisiko haben. Der Zusammenhang war auch für Patienten eindeutig nachweisbar, die in den Studien angegeben hatten, unter depressiven Verstimmungen zu leiden“, so Kruse. Ein Großteil der psychischen Erkrankungen bei Menschen mit Diabetes mellitus bleiben jedoch unentdeckt.

Wechselwirkung zwischen Diabetes und Depressionen

„Diabetes und Depressionen stehen in einer Wechselwirkung zueinander, die dazu führt, dass sich bei fehlender Behandlung beide Erkrankungen im Krankheitsverlauf gegenseitig negativ beeinflussen oder sogar eine Erkrankung die andere bedingt“, sagt Kruse. Diabetiker leiden häufig unter den psychischen Belastungen, die sich aus der Behandlung und den Folgekrankheiten des hohen Blutzuckers ergeben. „Aber auch eine fehlende Verarbeitung der Erkrankung wirkt sich negativ aus“, sagt der Experte. Diabetiker mit Depressionen führen häufig die lebensnotwendigen Blutzuckertests nicht durch und nehmen ihre Medikamente nicht konsequent ein. Für die anspruchsvolle Therapie des Diabetes seien sie daher nur eingeschränkt zu gewinnen.

Menschen mit Depressionen vernachlässigen oft ihre Gesundheit

Andererseits vernachlässigen viele Menschen mit Depressionen ihre Gesundheit: „Ihnen fällt es krankheitsbedingt besonders schwer, einen Lebensstil zu pflegen, der dem Typ-2-Diabetes entgegenwirkt“ erläutert Kruse. Dazu gehören vor allem regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und Normalgewicht. Einen möglichen Grund dafür, dass der Diabetes mellitus durch eine Depression ausgelöst wird, sieht Kruse auch im direkten Einfluss der Depression auf den Stoffwechsel: Über eine vermehrte Ausschüttung von Kortison in der Nebennierenrinde könne der chronische Lebensstress beispielsweise den Blutzucker erhöhen.  

„Eine psychosomatische Betreuung kann die negativen Auswirkungen einer Depression auf den Blutzuckerstoffwechsel mildern“, sagt Professor Kruse. Sie erhöhe außerdem die Bereitschaft der Patienten, sich mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen und das schwierige Krankheitsmanagement zu meistern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.03.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
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