Mit dem Essen warten?

Bisher wurde Typ-2-Diabetikern empfohlen, nach einer Insulinspritze einige Zeit mit dem Essen zu warten. Eine Studie zeigt: Das ist unnötig.

Tomaten und Spritze © Thinkstock
(Jena – 12.02.2013) Rund sieben Prozent der Deutschen leiden an Diabetes, die meisten davon an Diabetes Typ 2. Bei diesem Typ ist der Blutzuckerwert anfänglich nur nach den Mahlzeiten zu stark erhöht, später dann dauerhaft. Am Anfang ist eine Ernährungsumstellung als Behandlung ausreichend, später werden blutzuckersenkende Tabletten benötigt. Nach einer Krankheitsdauer von etwa zehn Jahren reicht das Insulin, das die Bauchspeicheldrüse produziert, nicht mehr aus und die Betroffenen müssen Insulin spritzen, um den Blutzucker zu senken.

Bisher wurde darauf hingewiesen, nach der Insulinspritze eine Wartezeit von 20 bis 30 Minuten einzuhalten, bevor etwas gegessen werden kann. Eine neue Studie von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena (UKJ) widerlegt diese These und zeigt, dass Patienten direkt nach dem Spritzen von Normalinsulin essen können, ohne dass der Blutzuckerspiegel zu stark ansteigt.

100 Probanden in zwei Gruppen

Das Forscherteam um Studienleiterin Dr. Nicolle Müller untersuchte, ob ein zeitlicher Abstand zwischen der Injektion von Humaninsulin und einer Mahlzeit bei Patienten mit Diabetes Typ 2 relevant ist. Humaninsulin ist ein kurzwirksames Insulin, das künstlich hergestellt wird und mit dem menschlichen Insulin chemisch identisch ist.

Die 100 Probanden mit Diabetes Typ 2 waren zwischen 40 und 80 Jahre alt und wurden für die Studie in zwei Untersuchungsgruppen eingeteilt: „Bei 49 Probanden der ersten Gruppe wurde vier Wochen lang untersucht, wie sich ein Spritz-Ess-Abstand von 20 Minuten auswirkt, in den anderen vier Wochen aßen sie gleich nach der Injektion“, beschreibt Dr. Müller den Studienaufbau. Bei der zweiten Gruppe mit 51 Probanden wurde der gleiche Versuch durchgeführt, nur in umgekehrter Reihenfolge.

Blutzucker steigt nicht zu stark an

Erfasst wurden bei den Studienteilnehmern der Langzeit-Blutzucker (HbA1c), das Blutzuckerprofil, Anzeichen einer Unterzuckerung, Lebensqualität und die Behandlungszufriedenheit. „Der Langzeitwert HbA1c schwankte um 0,08 Prozent und blieb damit nahezu konstant, unabhängig davon, ob gewartet oder gleich gegessen wurde. Dieses Ergebnis erleichtert den Patienten mit Diabetes Typ 2 den Alltag und verbessert die Therapietreue“, so die Studienleiterin.

„Auch das Vorkommen einer leichten Unterzuckerung wurde nicht sichtbar von einem Spritz-Ess-Abstand beeinflusst. Das Blutzuckerprofil zeigte ebenfalls keine Unterschiede“, sagt Dr. Müller. „Rund 87 Prozent unserer Probanden möchten lieber auf den Spritz-Ess-Abstand verzichten. Sie waren ohne Pause deutlich zufriedener mit der Behandlung.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.02.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: idw
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