Hormon als Asthmaschutz

Aktuelle Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass das Geschlechtshormon Testosteron Männer davor schützt, allergisches Asthma zu bekommen.

Mann trainiert mit Hantel © iStock
(Langenhagen – 20.06.2017) Unter Erwachsenen erkranken Frauen doppelt so häufig und schwerer an Asthma wie Männer, während in der Kindheit Jungen häufiger als Mädchen an der Lungenkrankheit leiden. Einen Grund für diese Geschlechtsunterschiede hat jetzt eine aktuelle Studie aufgedeckt: Offenbar schützt das Geschlechtshormon Testosteron Männer vor allergischem Asthma, indem es die Bildung bestimmter Immunzellen unterdrückt.

Forscher aus Australien und Frankreich haben an Mäusen beobachtet, dass Testosteron direkt die Vervielfältigung sogenannter Lymphoider Zellen – kurz „ILC2“ – hemmt, die auch beim Menschen vorkommen. „Die Testosteronspiegel von erwachsenen Männern führen also offenbar dazu, dass Männer weniger ILC2-Immunzellen aufweisen. Daher neigen Ihre Bronchien weniger zu Entzündungen, sodass Männer weniger asthmatische Beschwerden haben“, erklärt Prof. Adrian Gillissen von der Deutschen Lungenstiftung.

Allergisches Asthma: heftige Abwehrreaktion auf eigentlich harmlose Reize

Kommen Patienten mit allergischem Asthma in Kontakt mit einem Asthmaauslöser (zum Beispiel Pollen, Staubmilben oder Tierhaaren), bilden ihre Immunzellen Entzündungsstoffe, die zu einer Verstärkung der asthmatischen Beschwerden führen und unter Umständen auch einen Asthmaanfall hervorrufen können. „Bei Asthmatikern sind die Bronchien aufgrund der häufigen Entzündung überempfindlich und reagieren auf eigentlich harmlose Reize mit einer heftigen Abwehrreaktion: Sie verengen sich krampfartig, die Schleimhäute in den Bronchialwänden schwellen an und bilden zähen, glasigen Schleim. Das führt zu pfeifenden und brummenden Atemgeräuschen, trockenem Husten, einem Engegefühl in der Brust und Atemnot“, so der Experte.

Möglichkeit für neue Asthmatherapie

Frauen haben nicht nur weniger Testosteron als Männer. Wahrscheinlich sorgt zusätzlich auch das Geschlechtshormon Östrogen dafür, dass Mädchen ab der Pubertät und erwachsene Frauen anfälliger für Allergien und Asthma werden. „Östrogen führt offenbar dazu, dass Entzündungszellen – etwa Mastzellen – empfindlicher auf Allergene wirken. Mit den Geschlechtshormonen lassen sich allerdings nicht alle Fälle von Asthma erklären, da Asthma auch völlig unabhängig von Alter und Geschlecht auftreten und somit noch von weiteren Faktoren abhängen kann. Trotzdem eröffnen die aktuellen Erkenntnisse über die Rolle des Testosterons neue Therapiemöglichkeiten: Vielleicht könnte man basierend auf diesen Erkenntnissen Medikamente entwickeln, die ähnlich wie Testosteron direkt auf die ILC2-Immunzellen einwirken und die Neigung zu Asthma verringern“, sagt Gillissen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.06.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Lungenstiftung (www.lungenaerzte-im-netz.de): Testosteron schützt Männer vor Asthma
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