Schützt Stillen vor Asthma?

Ob Stillen davor schützt, Asthma und Allergien zu entwickeln, ist noch nicht ganz klar. Die Zusammensetzung der Muttermilch spielt scheinbar keine Rolle.

Mutter stillt ihr Baby © iStock
(Ulm – 02.05.2017) Muttermilch hat einen makellosen Ruf: Sie soll unter anderem die Gehirnentwicklung des Neugeborenen fördern, es im späteren Leben vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und vor allem das Immunsystem stärken. Doch schützt Muttermilch auch davor, im späteren Leben Allergien und Asthma zu entwickeln? Bisherige Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. An der Annahme, dass die Zusammensetzung der Milch einen Einfluss auf die Entwicklung von Allergien und Asthma hat, sät eine aktuelle Studie Zweifel. Im Zuge der Ulmer Säuglingsstudie – jetzt Ulmer Kinderstudie – analysierten die Epidemiologen PD Dr. Jon Genuneit und Chad Logan die Milch stillender Mütter und überprüften mithilfe statistischer Verfahren den Zusammenhang mit Allergien oder Asthma der Kinder bis zum 13. Lebensjahr.

Mehrere Hundert Muttermilchproben untersucht

Zunächst haben die Forscher die Zusammensetzung von mehreren Hundert Muttermilchproben sechs Wochen und sechs Monate nach der Geburt analysiert. Im Fokus standen 28 Fettsäuren. Die große Mehrzahl der Neugeborenen in dieser Kohorte war mindestens sechs Wochen nach der Entbindung ausschließlich gestillt worden. Wichtige Daten zur Gesundheit der Kinder sowie demographische Informationen der Mütter – unter anderem Bildung, Lebensstil und Allergien – lagen den Wissenschaftlern bereits vor: Im Zuge der Langzeitstudie hatten die Mütter, die von November 2000 bis November 2001 in der Ulmer Universitäts-Frauenklinik entbunden hatten, über 13 Jahre mehrere Fragebögen zum Gesundheitszustand ihres Kindes ausgefüllt. Dabei gaben sie an, ob ihr Nachwuchs im vergangenen Jahr Medikamente gegen Asthma oder Allergien erhalten hat – oder ob eine entsprechende Diagnose von einem Arzt gestellt wurde.

Asthma und Allergien: Zusammensetzung der Milch hat keinen Einfluss

Eine Besonderheit in der Methodik: „In den bisher wenigen Studien zu diesem Thema wurde
bei der Datenauswertung vernachlässigt, dass die Fettsäuren in der Muttermilch miteinander in Wechselwirkungen stehen. Wir haben in unserer Untersuchung erstmals diese Korrelation zwischen ihnen berücksichtigt“, erklärt Dr. Genuneit. Die Forscher gruppierten die Fettsäuren auf verschiedene Weisen – sowohl nach der chemischen Struktur, wie es dem bisherigen Verständnis entsprach, wie auch gemäß ihrer Wechselwirkungen. Doch das Studienergebnis ist in jedem Fall eindeutig: Bis zum 13. Lebensjahr konnten die Wissenschaftler mit dieser komplexen statistischen Methode keinen Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der Muttermilch und allergischen beziehungsweise asthmatischen Reaktionen nachweisen. Auch gemeinhin als „gute Fettsäuren“ geltende Komponenten wie Omega-3 hatten keinen nachweisbaren Einfluss.

Weitere Studien nötig

Weitere Forschung ist nötig, um beispielsweise den Einfluss kohortenspezifischer Faktoren abschätzen zu können: Die Forscher merken an, dass die stillenden Mütter in der aktuellen Auswertung älter, gebildeter und seltener Raucherinnen als der Durchschnitt der Kohorte seien. Blutuntersuchungen der Kinder sowie ein Vergleich mit Mädchen und Jungen, die nie gestillt wurden, sind angedacht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.05.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Ulm: Stillen und kindliches Asthma: Die Zusammensetzung der Muttermilch hat offenbar keinen Einfluss
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