Was tun bei Pfefferspray

Der Kontakt mit Pfefferspray kann schwere Schleimhautreizungen in den Atemwegen und Augen verursachen. Was Betroffene dann tun sollten.

Frau mit Pfefferspray © Thinkstock
(Heidenheim – 29.02.2016) Seit den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln ist die Nachfrage an Pfefferspray stark gestiegen. Ein direkter Kontakt mit diesen Sprays kann allerdings schwere Schleimhautreizungen in den Atemwegen und Augen verursachen – und insbesondere für Asthmatiker lebensbedrohlich sein. Davor warnt der Bundesverband der Pneumologen (BdP) und gibt Tipps, wie eine Kontaktirritation am besten zu behandeln ist.

Pfefferspray reizt Augen und Atemwege

Pfefferspray ist freiverkäuflich und wurde eigentlich zur Tierabwehr – zum Beispiel von Bären – entwickelt. Rechtlich gesehen ist eine Anwendung gegenüber Menschen nur bei Vorliegen einer Notlage und einem rechtswidrigen Angriff als Notwehr erlaubt. Achtung: Auch der Anwender selbst kann beim Sprühen mit dem Spray in Kontakt kommen.

Der Wirkstoff im Pfefferspray heißt Oleoresin Capsicum (OC) und wird aus Capsaicin, einem Extrakt aus Chilipflanzen, gewonnen. Capsaicin reizt sensorische Nerven und verursacht ein schmerzhaftes Brennen auf der Haut und in den Augen, Bindehautschwellung sowie Tränenfluss. Auch eine vorübergehende Erblindung ist möglich. Diese Wirkungen klingen zwar in der Regel nach einer oder mehreren Stunden ab, manchmal aber bleiben Hornhautentzündungen über Wochen oder Monate bestehen.

In den Atemwegen reizt das Spray die Nervenendigungen in der Bronchialmuskulatur, sodass sich die Muskeln dort zusammenziehen. Das führt zu Hustenreiz, Hustenanfällen oder auch Atemnot – je nachdem, wie viel Pfefferspray in die Atemwege gelangt.

Besondere Gefahr für Asthmatiker

„Kritischer als diese meist nach einer Stunde abklingenden Symptome sind die selteneren Komplikationen“, erklärt Dr. Andreas Hellmann vom Bundesverband der Pneumologen. Besonders gefährdet beim Einatmen von Pfefferspray sind Asthmatiker, weil ihre Atemwege ohnehin dazu neigen, sich zu verengen, und ihre Bronchialmuskulatur leicht verkrampft. Es kann zu einem lebensbedrohlichen Asthmaanfall und zu einem Stimmritzenkrampf kommen. Das Einatmen von Pfefferspray kann außerdem bei Blutdruckpatienten – mit labilem oder zu hohem Blutdrucklutdruck – zu einer sogenannten akuten Hypertension führen, also einer Blutdruckkrise, die mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einhergeht.

Was beim Kontakt mit Pfefferspray zu tun ist

„Um die Reizstoffe zu neutralisieren, ist es wichtig die vom Pfefferspray benetzten Körperstellen gründlich zu reinigen“, rät Dr. Hellmann. „Reizungen der Augen oder der Haut, die sehr schmerzhaft sein können, sollten am besten sofort mit fließendem kaltem Wasser aus- beziehungsweise abgewaschen werden. Kaltes Wasser verschließt die Poren und verhindert so ein weiteres Eindringen des Reizstoffs. Trotz möglichem Juckreiz sollten Betroffene die mit dem Reizgas in Kontakt gekommenen Stellen keinesfalls durch Reiben weiter reizen. Falls Reizgas in den Rachen eingedrungen ist, sollte die Atmung des Betroffenen beobachtet und gegebenenfalls der Rettungsdienst gerufen werden, da die Atemwege zuschwellen können. Wer Atemnot hat, sollte am besten so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen. Der wird den Patienten Sauerstoff inhalieren lassen und ihm bronchienerweiternde Medikamente verabreichen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.02.2016
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: Pressemitteilung des Bundesverbands der Pneumologen (www.lungenaerzte-im-netz.de): Was tun nach dem Einatmen von Pfefferspray?
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