Wirkungsloses Antibiotikum

Bei Husten wird häufig das Antibiotikum Amoxicillin verschrieben. Eine Studie zeigt nun: Es wirkt meist nicht besser als ein Placebo.

Pillen © Thinkstock
(London – 19.12.2012) Das bei Atemwegsinfekten häufig verschriebene Antibiotikum Amoxicillin führt zu keiner schnelleren Genesung als ein Placebo. Auch die Symptome werden durch das Mittel nicht nennenswert verringert. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Medizinjournal „The Lancet“.

Husten, der von Symptomen der unteren Atemwege begleitet wird, ist eine der häufigsten Akuterkrankungen, mit denen Hausärzte konfrontiert sind. Obwohl man davon ausgeht, dass die meisten dieser Infekte von Viren verursacht werden, diskutieren Mediziner kontrovers, ob Antibiotika – speziell bei älteren Patienten – nützlich sein könnten. In der Forschung gab es dazu bislang widersprüchliche Erkenntnisse.

Mehr Nebenwirkungen durch Antibiotika

„Der Einsatz von Amoxicillin zur Behandlung von Patienten mit Atemwegsinfekten, bei denen kein Verdacht auf eine Lungenentzündung besteht, wird wahrscheinlich nicht helfen, könnte aber schaden“, warnt Forschungsleiter Paul Little von der University of Southampton in Großbritannien. Speziell, wenn sie unwirksam seien, hätten Antibiotika oft Nebenwirkungen wie Durchfall, Ausschlag oder Übelkeit, erläutert der Mediziner.

Die Studie seines Teams stützt sich auf Untersuchungen an 2.061 Erwachsenen in zwölf europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Die Studienteilnehmer erhielten zufällig entweder das Antibiotikum oder ein Placebo dreimal täglich für sieben Tage. Ärzte beurteilten den Zustand zu Beginn der Behandlung und die Teilnehmer führten ein Tagebuch über ihre Symptome. Relevante Unterschiede bei der Länge oder der Stärke der Symptome fanden die Forscher zwischen den beiden Gruppen nicht, auch nicht bei den Patienten jenseits des 60. Lebensjahrs.

Die meisten Patienten werden in derselben Zeit ohne Antibiotikum gesund

Allerdings gab es in der Placebo-Gruppe mit 19,3 Prozent mehr Fälle, in denen sich ein Symptom verschlimmerte oder ein neues hinzukam, als bei Patienten, die ein Antibiotikum erhielten (15,9 Prozent). Umgerechnet bedeute das aber auch, dass 30 Patienten mit Amoxicillin behandelt werden müssten, um einen einzigen Fall der Verschlechterung zu verhindern, betonen die Studienautoren. Sie weisen zudem darauf hin, dass in der Placebo-Gruppe 24 Prozent an Nebenwirkungen litten, in der Gruppe mit Antibiotikum aber 28,7 Prozent.

Little zieht daraus das Fazit: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die meisten Leute von allein wieder gesund werden. Aber da eine kleine Gruppe Patienten von Antibiotika profitiert, bleibt die Herausforderung, die Individuen zu identifizieren.“ Unterstützung für diese Einschätzung erhält er von Philipp Schütz vom Kantonsspital Aarau in der Schweiz. Schütz urteilt: „Little und seine Kollegen haben überzeugende Daten vorgelegt, die niedergelassene Allgemeinmediziner ermutigen sollten, bei risikoarmen Patienten auf Antibiotika zu verzichten, wenn kein Verdacht auf Lungenentzündung besteht.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.12.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: dapd
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