Passivdampfen möglich?

Diskussionen über die Schädlichkeit von E-Zigaretten für den Verbraucher gab es schon viele. Doch wie schädlich sind sie eigentlich für die Mitmenschen?

E-Zigarette © Thinkstock
(Braunschweig – 04.12.2012) Elektronische Zigaretten erleben derzeit einen Boom. Bereits zwei Millionen Deutsche sollen Schätzungen zufolge schon zu dem Dampfgerät greifen, das von vielen Menschen als gesunde Alternative zum Glimmstängel angesehen wird. Zahlreiche Stimmen – vor allem aus der Politik – warnen jedoch vor möglichen Gesundheitsrisiken: Langzeitfolgen seien noch nicht absehbar.  

Bislang vorliegende Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Bewertungen. Fundierte Fakten fehlten zudem. Ziel der Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung WKI in Braunschweig war es deshalb, herauszufinden, ob E-Zigaretten die Raumluft belasten und somit auch Dritte beeinträchtigen können.

Die E-Zigarette: Akku, Verdampfer, Heizspirale und Liquids

Eine E-Zigarette besteht aus einem Akku, einem Verdampfer, einer Heizspirale sowie einem Depot mit Betriebsflüssigkeiten, den sogenannten Liquids. Die Flüssigkeiten werden im Verdampfer erhitzt und bei 65 bis 120 Grad Celsius verdampft. Diesen Mechanismus aktiviert der Konsument – je nach Design des Geräts – per Tastendruck oder durch Ansaugen. Die Liquids gibt es mit oder ohne Nikotin, zudem enthalten sie Aromenträger und Aromen wie Amaretto, Mandel, Vanille oder Apfel.

Dampf und Rauch im Vergleich

Die Trägersubstanz ist meist Propylenglykol. Das Nebelfluid sorgt auch für den sichtbaren Dampf beim Ausatmen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Zigarette, die Tabak verbrennt und permanent qualmt, setzt das elektronische Pendant die Substanzen nur dann frei, wenn es eingeschaltet wird.  

Doch nicht nur darin unterscheiden sich die beiden Genussmittel, wie die Forscher vom WKI herausfanden: „Die verdampften Substanzen erzeugen in der E-Zigarette ein Aerosol aus ultrafeinen Partikeln, die beim Inhalieren in der Lunge weiter schrumpfen. Die Nanotröpfchen lösen sich mit der Zeit auf“, sagt Dr. Tobias Schripp, Forscher am WKI und Mitautor der Studie. „Beim Verbrennungsprozess hingegen werden feste Partikel freigesetzt, die sich in der Raumluft lange halten können.“

Messungen in der Prüfkammer

Im Rahmen verschiedener Emissionsprüfkammermessungen analysierten Schripp und seine Kollegen die Freisetzung von flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs, kurz für Volatile Organic Compounds), von ultrafeinen Partikeln und von Formaldehyd. Dabei untersuchten sie unter anderem die Menge, Konzentration und Verteilung der Partikel.  

In einer acht Kubikmeter großen Prüfkammer rauchten Probanden elektronische und herkömmliche Zigaretten. Um zu ermitteln, wie sich die Partikelverteilung über mehrere Minuten entwickelt und wie viel Propylenglykol über einen längeren Zeitraum freigesetzt werden, pumpten die Forscher das Aerosol beziehungsweise den Dampf direkt in eine 10-Liter-Glaskammer.

Keine Freisetzung von Formaldehyd bei E-Zigaretten

„Generell waren die Emissionen an VOCs und ultrafeinen Partikeln beim Konsum von E-Zigaretten geringer als bei der klassischen Zigarette“, sagt Schripp. Auch konnten der Forscher und sein Team bei E-Zigaretten keine Freisetzung von Formaldehyd nachweisen. Herkömmliche Glimmstängel hingegen überschritten den Richtwert von 0,1 ppm (parts per million) für die Innenraumluft.

Propylenglykol in Rauch und Dampf

Das Nebelfluid Propylenglykol ist ebenfalls ein häufig verwendeter Zusatzstoff im Tabak. Deshalb wurde es von den elektronischen als auch den herkömmlichen Zigaretten in die Raumluft abgegeben. Lungenärzte befürchten, dass das Vernebelungsmittel beim Einatmen in großer Menge die Atemwege reizen kann. „Die elektronische Zigarette ist eine schwächere Quelle für Raumluftverunreinigungen als die Tabakzigarette, allerdings ist auch sie nicht emissionsfrei. Man kann daher davon ausgehen, dass Umstehende dem freigesetzten Dampf ausgesetzt sind und somit „Passivdampfen“ möglich ist“, resümiert Schripp.  

In vielen Fällen sind die Liquids darüber hinaus ungenau und unzureichend deklariert: Gesicherte Informationen, welche Stoffe der Konsument inhaliert und ausatmet, hat ein E-Raucher im Einzelfall oft nicht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.12.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: idw
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