Pflege zu Hause: Diese Kosten können Sie absetzen

Wer einen Angehörigen oder Bekannten zu Hause pflegt, kann bestimmte Kosten von der Steuer absetzen. Was Sie genau absetzen können und wie Sie das in der Steuererklärung angeben müssen. Außerdem: Wie viel ein Pflegeheim im Monat kostet und wer dafür aufkommt.

Pfleger hält Hand von Patienten. © iStock
(Neustadt a.d. Weinstraße – 22.11.2019) Die Steuererleichterungen für Menschen, die zu Hause gepflegt werden, ob von Angehörigen oder von ambulanten Pflege-Diensten, sind gering und gleichzeitig sehr komplex. Was trotzdem möglich ist.

Wie viele Deutsche zu Hause gepflegt werden

Die große Mehrheit aller Pflegebedürftigen des Jahres 2017 wurde zu Hause versorgt – 2,59 Millionen laut dem Statistischen Bundesamt. Bei 1,76 Millionen Pflegebedürftigen übernahmen demnach Angehörige die Pflege, 830.000 Menschen wurden teilweise oder vollständig durch ambulante Pflegedienste versorgt.

Wie viel kostet ein Pflegeheim im Monat?

Ein Grund, warum so viele Menschen zu Hause versorgt werden könnte sein, dass die Kosten für ein Pflegeheim sehr hoch sind: zwischen 2.500 bis 4.000 Euro im Monat. In der Regel übernehmen die gesetzlichen und privaten Pflegeversicherungen einen Teil der Kosten, beispielsweise die Pflegekosten für die Betreuung oder das Waschen. Doch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung trägt der Pflegebedürftige selbst. Ist die Rente zu knapp, müssen Verwandte in gerader Linie für die Pflegeheimkosten aufkommen, also zum Beispiel Kinder für Eltern oder Enkel für Großeltern.

Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen

Die Kosten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, können Pflegebedürftige als außergewöhnliche Belastung in ihrer Steuererklärung eintragen. Der Vorteil: Für außergewöhnliche Belastungen gibt es keine Grenze nach oben. Der Nachteil: Es sind bestimmte Bedingungen daran geknüpft.

Folgende Bedingungen gelten, um die außergewöhnlichen Belastungen von der Steuer absetzen zu können:

Die pflegebedürftige Person ist vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in einen Pflegegrad zwischen 1 und 5 eingestuft worden. Das klingt simpel, ist für die Beteiligten allerdings mit durchaus hohem administrativem Aufwand sowie mitunter längeren Wartezeiten verbunden.

Wer ohne offiziell eingestuften Pflegegrad kurzfristig auf Pflege angewiesen ist, kann die dadurch entstehenden Kosten ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

Nur die Kosten für Pflege und Betreuung gehören zu den außergewöhnlichen Belastungen. Wird zum Beispiel eine häusliche Pflegekraft auch für Dinge wie Kochen, Waschen oder Putzen bezahlt, können diese Kosten nur als haushaltsnahe Dienstleistungen abgesetzt werden (siehe unten). Nur die Krankheits- und Pflegekosten, die über eine finanzielle Grenze – die sogenannte zumutbare Eigenbelastung – hinausgehen, sind als außergewöhnliche Belastungen absetzbar. Wie hoch die zumutbare Belastung für den Betroffenen ausfällt, hängt davon ab, ob derjenige, der die Kosten geltend macht, verheiratet ist, ob er Kinder hat und wie hoch der Gesamtbetrag seiner Einkünfte ist.

Beträge, die von Kranken- beziehungsweise Pflegeversicherungen oder anderen Stellen übernommen wurden, können nicht in der Steuererklärung angegeben werden: Die Pflegekosten müssen um die entsprechenden Beträge gekürzt werden.

Essen und Reinigung vom ambulanten Pflegedienst: nur teilweise absetzbar

Die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst, der täglich das Essen bringt oder die Wohnung reinigt, können als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer abgesetzt werden. Aber: Es dürfen lediglich 20 Prozent einer Rechnung und maximal 4.000 Euro pro Jahr sein.

Falls eine ambulante Pflegekraft die häuslichen Arbeiten übernimmt, sollte diese außerdem angemeldet sein. Und zwar entweder bei der Mini-Job-Zentrale als 450-Euro-Kraft oder bei Finanzamt und Krankenkasse als sozialversicherungspflichtige Angestellte. Arbeitet die Pflegekraft auf selbstständiger Basis, hat aber nur einen Auftraggeber, besteht die Gefahr der Scheinselbstständigkeit.

Außergewöhnliche Belastung oder haushaltsnahe Dienstleistung?

Ob ambulanter Pflegedienst oder die Beschäftigung einer Pflegekraft – seit 2014 können Pflegebedürftige wählen, ob sie ihre Kosten als haushaltnahe Dienstleistung oder als außergewöhnliche Belastung absetzen. Wichtig: Bei den außergewöhnlichen Belastungen muss zunächst die zumutbare Eigenbelastung überschritten werden, erst dann sind die jeweiligen Kosten als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Je nach Einkommen kann diese Hürde recht hoch sein, so dass manchen Betroffenen nur die Möglichkeit bleibt, ihre Ausgaben als haushaltsnahe Dienstleistungen abzusetzen.

Der Pflege-Pauschbetrag für Angehörige

Pflegen Angehörige einen Verwandten mit Pflegegrad 4 oder 5 in den eigenen vier Wänden, steht ihnen der Pflege-Pauschbetrag zu. Der liegt allerdings bei 924 Euro pro Jahr und auch nur dann, wenn der Angehörige für die Betreuung keine Bezahlung erhält. Seit 1998 steht der Pflege-Pauschbetrag dieser Höhe im Gesetz und wurde seither nicht erhöht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.11.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) vom 06. November 2019: Pflege in den eigenen vier Wänden: Diese Kosten können Sie absetzen